Film im Zentralabitur: Ein filmpädagogisches Modellprojekt in Bremen

2007 startete auf Initiative des Bremer Senators für Bildung und Wissenschaft und in Kooperation mit dem Kino 46, der Bremer Universität sowie VISION KINO ein bundesweit einzigartiges Projekt zur verbesserten Integration des Mediums Film im Deutschunterricht. Um Film auch als Prüfungsgegenstand im Zentralabitur des Landes Bremen zu etablieren, wurde eine Reihe mit sechs Filmen zur Vorbereitung auf das prüfungsrelevante Schwerpunktthema „Literatur und Krieg" zusammengestellt. Neben literarisch umgesetzten Stoffen wurde Schülerinnen und Schülern des Abiturjahrgangs 2008 damit erstmals die Möglichkeit gegeben, sich auch mit filmischen und filmsprachlichen Darstellungsmöglichkeiten des Themas „Krieg" auseinanderzusetzen.

Die Reihe umfasste im Einzelnen sehr unterschiedliche Filme, darunter anklagende und aufwühlende Klassiker wie "Im Westen nichts Neues" und Stanley Kubricks "Wege zum Ruhm" ebenso wie die Kriegs- und Liebesgeschichte "Mathilde- eine große Liebe" des "Amélie"-Regisseurs Jean-Pierre Jeunet. Mit "Wie ich den Krieg gewann" von Richard Lester, Charlie Chaplins "Gewehr über" und Buster Keatons "Der General" standen aber auch Travestien des Themas und Annäherungen über Komödien und Grotesken aus der Stummfilmzeit zur Wahl.

Die Auswertung der Abiturprüfungen 2008 hat gezeigt, dass eine Vielzahl der insgesamt 800 Bremer Abiturientinnen und Abiturienten das Thema „Krieg" bearbeitet hat und Film bezogen darauf eingegangen ist.

Konnte Film für das Abitur 2008 einstweilen noch fakultativ gewählt werden, so ist die Auseinandersetzung mit Film(en) ab dem Jahrgang 2009 nunmehr verbindlicher Bestandteil der Fachprüfungen Deutsch: Zum Prüfungsthema 2009 "Woyzeck" mussten die Abiturient/innen den gleichnamigen Film von Werner Herzog aus dem Jahr 1979 erarbeiten. 2010 sind für das Thema "Unterwegs - Wege der Popliteratur" die beiden Filme "Easy Rider" von Dennis Hopper aus dem Jahr 1969 und "Blow up" von Michelangelo Antonioni aus dem Jahre 1966 obligatorisch. Um die Bremer Lehrkräfte im Fach Deutsch für diese Aufgabe umfassend zu qualifizieren, boten die Kooperationspartner unter Mitarbeit von VISION KINO filmfachliche Fortbildungsveranstaltungen an. Kontinuität und Nachhaltigkeit kennzeichnen dieses mittlerweile aus seiner Pilotphase entwachsene Projekt schulischer Filmbildung im Bundesland Bremen.