Fightgirl Ayse
Genre
Drama, Jugendfilm, Martial Arts
Inhalt
Die große Leidenschaft der jungen Türkin Ayşe ist Kung Fu. Mit dem Kampfsport besiegt sie innere Konflikte und Ängste, Konkurrenzgefühle und ihre Wut. Ihre Lehrerin rät ihr, einem Club beizutreten, in dem sie richtig trainieren kann. Doch ihr Vater erlaubt ihr die Teilnahme nicht, zumal der Club in gemischten Gruppen trainiert. Mit flauem Gefühl im Magen widersetzt sich Ayşe und geht heimlich zum Training. Doch ihre Eigenmächtigkeit hat Folgen: ein Bekannter ihres Bruders Ali trainiert auch in dem Club und verrät ihr Geheimnis an dessen zukünftigen Schwager. Der Eklat ist vorprogrammiert und Ayşe steht als Schuldige da. Sie muss sich zwischen ihren persönlichen Träumen und ihrer Liebe zur Familie entscheiden.
Umsetzung
Die kunstvolle Kampftechnik der Martial Arts und die tiefe Dramatik der persönlichen Entwicklung einer Heranwachsenden sind in "Fightgirl Ayşe" geschickt verknüpft. Es geht um die Ablösung von der Familie, den kulturellen Konflikt der zweiten oder dritten Migrantengeneration, um familiäre und individuelle Wünsche und Träume und Rollenbilder. Ayşes innere Konflikte und ihre starken Gefühle sind choreographisch und musikalisch dicht am Lebensgefühl Jugendlicher angesiedelt. Ihre Wildheit und Wut, ihr Kampfgeist und ihr Freiheitsdrang werden in jeder Drehung und jedem Sprung sichtbar. Gleichzeitig spiegelt Semra Turans Gesicht, das häufig in Großaufnahme zu sehen ist, auch die Sehnsucht nach Anerkennung in der Familie, nach dem Stolz-auf-sie-sein des Vaters und nach dem Verständnis von Bruder und Mutter wider. Es gibt kaum ein Bild, in dem Ayşe nicht präsent ist und mit einer Mischung aus Rebellion und Traurigkeit die emotionalen Hürden verdeutlicht, die Konsequenzen (die auch ihre Familie betreffen) auszuhalten und vor sich zu vertreten.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Dem Film gelingt es auf einzigartige Weise, Verständnis für die Hauptfiguren zu wecken, ihre Konflikte ernst zu nehmen und ihre Lernprozesse zu verdeutlichen. Ausgangspunkt zur pädagogischen Auseinandersetzung mit dem Film ist zum einen die individuelle Leidenschaft des Menschen im Widerstreit mit den Anforderungen von Familie, Gesellschaft, kulturellen Gepflogenheiten und Unterschieden, zum anderen die Befreiung von Vorurteilen auf allen Seiten, von Bevormundungen und Zwängen, von Beleidigungen und Herabsetzungen, die durch ein "Anders-Sein" entstehen.
Als Martial Arts Film eignen sich darüber hinaus die Kampfszenen für eine Betrachtung der Filmsprache dieses Genres und einer Analyse des Einsatzes von Zeitlupe und Zeitraffer, Geräuschen und Kampflauten. Die Verbindung von Kung Fu- Choreographie und inneren Konflikten, die bereits in der Eingangssequenz deutlich wird, bietet überdies für die Erörterung von Form und Inhalt eine ausgezeichnete Grundlage. Weitere Anknüpfungs-punkte für die Filmanalyse sind der Einsatz von Musik und die Wahl der Drehorte.
Themen
Mädchen, Identität, Erwachsenwerden, Familie, multikulturelle Gesellschaft, Toleranz, Vorurteile, Werte, Individuum und Gesellschaft, Geschlechterrollen, Rebellion, Tradition, Tanz
Schulunterricht
7. - 13. Klasse
Kinder- und Jugendbildung
12 - 20 Jahre
Unterrichtsfächer
Deutsch, Sozialkunde, Religion/Ethik, Musik, Sport
Informationen und Materialien Veranstaltungen
Website des Verleihs: www.maxximumfilm.com
Filmheft des Kinderkinobüros Berlin: www.kino-ab-10.de
Kinofinder: www.kinofenster.de
Autorin: Rotraut Greune, letzte Aktualisierung: 08.12.2008


