Die Perlmutterfarbe
Genre
Kinder- und Jugendfilm, Literaturverfilmung
Inhalt
Bayern, 1931. Der 13-jährige Alexander geht in die A-Klasse einer Realschule. Er ist ein beliebter Mitschüler mit einem besten Freund, Maulwurf, und einer heimlichen Liebe, Lotte. Als der Zufall ihm Maulwurfs neueste Erfindung, die Perlmutterfarbe, in die Hände spielt, gerät sein Leben etwas aus den Fugen. In der Klasse wird fieberhaft nach dem Dieb gefahndet, aber statt mit der Wahrheit herauszurücken, greift Alexander zu einer Notlüge. Gruber, ein unliebsamer neuer Klassenkamerad, deckt Alexander und nutzt dessen Abhängigkeit für seine Zwecke. Geschickt kann er den Verdacht auf B-Karli aus der Parallelklasse lenken und eine Hetzkampagne lostreten. Alexander verstrickt sich immer mehr in ein Lügengespinst und entfernt sich weiter von Maulwurf und seinen Freunden, während Gruber die beiden Klassen hinterhältig gegeneinander ausspielt.
Umsetzung
Marcus H. Rosenmüller versteht es, den Mikrokosmos Schule in eine ansprechende und kunstvolle Bildsprache umzusetzen. Der historischen Verortung wird durch das Produktionsdesign sowie durch die in Sepiatönen gehaltene Farbpalette Rechnung getragen. Dieses Kolorit verbindet sich mit der Darstellung einer zeitlosen Parabel über die Spirale von Unwahrheit und Vorurteilen - durch eine erfrischend glaubhaft wirkende Schar von Kinderdarstellern und erwachsenen Charakterdarstellern überzeugend zum Leben erweckt - zu einem rundum gelungenen Ganzen. Neben komödiantischen Tönen, die sich an die Art von Erich Kästner und Ludwig Thoma Verfilmungen anlehnen, vermag der Film mit ganz eigener filmsprachlicher Handschrift die Funktionsweise totalitärer Systeme unbeschönigt und stringent in ernsthafter Weise ohne erhobenen Zeigefinger dazustellen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
In der Adaption des "Kinderromans für fast alle Leute" werden die Gedanken des Protagonisten als bildstarke Schlüsselszenen so pointiert umgesetzt, dass die gesellschaftsimmanenten Fragen nach dem Gewissen im Spannungsfeld Individuum und Gruppe von den Schüler/innen wahrscheinlich wie von selbst diskutiert werden. Der Transfer zur Allgemeingültigkeit der dargestellten Macht- und Unterdrückungsstruktur bietet sich dabei ebenso an wie ein historischer Blick auf die Frage, wie die Machtergreifung der Nationalsozialisten am Ende der Weimarer Republik geschehen konnte. Für den Deutschunterricht bietet der im Film gesprochene bayrische Dialekt, der im Großen und Ganzen auch in anderen Teilen der Bundesrepublik problemlos zu verstehen ist, eine gute Möglichkeit, Sprachgeschichte und Mundart zu behandeln, was als Grundlage für eine altersgemäße Auseinandersetzung mit linguistischen Fragen dienen kann.
Themen
Kindheit, Freundschaft, Lüge, Wahrheit, Schule, Gruppenzwang, Manipulation, Loyalität, Zivilcourage, Strafe, Erziehung, Familie
Schulunterricht
5.-10. Klasse
Kinder- und Jugendbildung
10-15 Jahre
Unterrichtsfächer
Deutsch, Geschichte, Sozialkunde, Sachkunde, Religion/Ethik
Informationen und Materialien Begleitmaterial (VISIONKINO; LMZ Rheinland-Pfalz): http://lmz.rlp.de/medienbildung Veranstaltungen
Anna Maria Jokl: "Die Perlmutterfarbe", Suhrkamp Verlag; Taschenbuch, Neuauflage Dezember 2008
Website zum Film: www.dieperlmutterfarbe.film.de
Kinofinder: www.kinofenster.de
Autor: Dr. Martin Ganguly, letzte Aktualisierung: 05.12.2008


