Die Anwälte – Eine deutsche Geschichte
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Regie
Birgit Schulz Buch
Birgit Schulz Darsteller/innen
Mitwirkende: Horst Mahler, Otto Schily, Hans-Christian Ströbele u. a Land / Jahr Deutschland, 2009 Länge 92 min Format 35mm FSK ab 12 Jahre FBW Prädikat "besonders wertvoll" Sprachfassung deutsche Fassung Kinostart 19.11.2009 Verleih Real Fiction Filmverleih Festivals Filmfest München 2009 |
Genre
Dokumentarfilm
Inhalt
Ein Pressefoto Anfang der 1970er-Jahre bildet die brillante Ausgangsidee des Films. Es zeigt den späteren Bundesinnenminister Otto Schily und den grünen Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele als Verteidiger ihres später in die rechte Szene übergewechselten Anwaltskollegen Horst Mahler, der auf der Anklagebank sitzt. Die drei Anwälte waren damals in der linken außerparlamentarischen Opposition tätig, solidarisierten sich mit den zu Staatsfeinden abgestempelten Mitgliedern der "Rote Armee Fraktion" (RAF) um Andreas Baader, Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin und kämpften auf unterschiedliche Weise für eine andere, ihrer Ansicht nach gerechtere Republik. Die Dokumentaristin Birgit Schulz folgt den scheinbar widersprüchlichen und doch konsequenten Biografien dieser drei Männer bis in die Gegenwart hinein, die in ihren politischen Schattierungen das heutige Spektrum der Bundesrepublik abdecken und zu Gegnern geworden sind: der unbeirrbare Linke Ströbele, der konservative Verfechter des Rechtsstaates Schily und der Rechtsextreme Mahler.
Umsetzung
So spannend und lebendig kann medial gestützter Geschichtsunterricht sein, wenn er sich nicht auf objektivierte Beurteilungen reduziert oder sich in den Leistungen einzelner Politiker erschöpft, sondern die Träume, Ideale und Brüche der politischen Zeitzeugen, die die vergangenen 40 Jahre der Bundesrepublik entscheidend mitgeprägt haben, selbst zum Untersuchungsgegenstand nimmt. Anhand von Einzelinterviews mit den drei Protagonisten und einer Fülle von gut recherchierten historischen Foto- und Filmmaterialien werden ihre stark abweichenden Entwicklungslinien herausgearbeitet, ihre individuellen Sichtweisen deutlich, aber auch die Brüche in der bundesrepublikanischen Gesellschaft selbst. Die Aussagen der Zeitzeugen und die Dokumente sollen für sich selbst sprechen, ein konsequent durchgehaltenes Stilprinzip, das zum Widerspruch herausfordert, etwa wenn die Aussagen von Horst Mahler unwidersprochen bleiben, aber auch zu weiteren Überlegungen anregt, etwa wenn anklingt, wie sehr diese drei Politiker nach eigener Aussage von ihren Müttern geprägt wurden.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Seien es die Themen "60 Jahre Bundesrepublik", Demokratieverständnis, Linksterrorismus, Rechtsextremismus, Rechtsstaatlichkeit, soziale Gerechtigkeit oder Werte: Zu allem bietet der Film eine gute Diskussionsgrundlage, nicht nur naheliegend im Rahmen des Geschichts- oder Sozialkundeunterrichts. Gewisse Vorkenntnisse in der Geschichte der Bundesrepublik erleichtern das Verständnis, sind aber nicht unabdingbar. Im Unterschied etwa zum publikumswirksamen Genrefilm "Der Baader-Meinhof-Komplex" geht es hier um offene Auseinandersetzung mit dem Thema und Erkenntnisgewinn statt um Manipulation. Im Projektunterricht (Deutsch und Medienkunde) lassen sich die beiden Filme daher gut miteinander vergleichen.
Themen
Demokratie, Terrorismus, (Deutsche) Geschichte, Politik, Gesellschaft, Idealismus, Toleranz, Widerstand, Neonazis/Rechtsradikalismus, Recht und Gerechtigkeit, Strafvollzug, Werte, Zivilcourage
Schulunterricht
9.-13. Klasse
Kinder- und Jugendbildung
ab 14 Jahre
Unterrichtsfächer
Deutsch, Geschichte, Sozialkunde, Religion/Ethik, Politik, Medienkunde
Informationen und Materialien
Websites zum Film (mit pädagogischem Begleitmaterial zum Download): die-anwaelte.realfictionfilme.de
Website des Verleihs: www.realfictionfilme.de
Veranstaltungen
Kinofinder: www.kinofenster.de
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor: Holger Twele, 07.08.2009


