Inhalt
England 1961: Die 16-jährige Jenny wächst in kleinbürgerlichen Verhältnissen am Rande von London auf. Sie ist ein kluges und aufgeschlossenes Mädchen mit einem klaren Ziel: ein Literaturstudium in Oxford, das der Grundstein für ein selbstbestimmtes Leben sein soll. Aber Jenny ist auch ein pubertierender Teenager, der sich zu den Chansons von Juliette Gréco ein abenteuerliches Leben in Paris erträumt. Als sie einem 20 Jahre älteren Mann begegnet, wird ihr Lebenshunger gestillt: David ist weltgewandt, charmant und geheimnisvoll, gewinnt im Nu das Vertrauen ihrer konservativen Eltern und entführt sie in die schillernde Welt der Nachtclubs, Konzerte und Restaurants. An seiner Seite lernt Jenny Dinge kennen, die nicht in Schulbüchern stehen, verwandelt sich der Backfisch in eine junge Dame, die begehrt wird. Die Eltern wittern eine gute Partie, die Freundinnen fiebern aufgeregt mit, nur die Schulrektorin und die Englischlehrerin sehen in der Romanze eine Gefahr für Jennys Zukunft und stellen sie vor die Wahl: Schule oder David. Ihre Entscheidung wird für Jenny zu einer bitteren Lektion, als sie feststellen muss, dass sie sich in David getäuscht hat.
Umsetzung
Ohne moralischen Zeigefinger und mit großer Leichtigkeit erzählt Lone Scherfig nach den Erinnerungen der britischen Journalistin Lynn Barber von einer "Erziehung des Herzens". Jennys steht im Mittelpunkt, die entsprechend in fast jeder Szene des Films zu sehen ist: Sie will ihrem einengenden Milieu entfliehen und endlich als Erwachsene behandelt werden. Ihre Ausflüge in Davids Welt muten fast wie ein Spiel an, bei dem sie die Schuluniform gegen das Cocktailkleid austauscht. Als Zuschauer/in erliegt man zunächst selbst Davids Charme, verfolgt man Jennys Entwicklung voller Sympathie und Anteilnahme, doch dann schleichen sich Zweifel ein: Jenny verliert zunehmend ihre ambitionierten Zukunftspläne aus den Augen und David rückt im Laufe der Geschichte ins Zwielicht, nicht zuletzt, weil sein auch sexuelles - Interesse für eine 16-Jährige unangemessen ist.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
An Education erzählt von den Gefühlen eines Mädchens, das nicht mehr Kind, aber auch noch nicht ganz Frau ist und bietet damit im Unterricht gute Ansatzmöglichkeiten, um über Pubertät, Träume, Erwachsenwerden und Lebensentwürfe zu sprechen. Im Zusammenhang mit dem Film lässt sich zudem diskutieren, welche Bildungs-möglichkeiten junge Frauen damals hatten, welche Rollenbilder ihnen vorgelebt wurden. Jenny scheint zwar den typischen Frauenberuf einer Lehrerin anzustreben, doch wird dieser ihr ein unabhängiges Leben ermöglichen, was von ihren Eltern anfangs noch energisch unterstützt wird. Doch als ein offenbar gut situierter Ehemann zur Verfügung steht, wirft die Familie sämtliche Bildungspläne über Bord. Jenny, die alles anders machen wollte, ist plötzlich bereit, als Ehefrau ohne Beruf das Rollenmodell ihrer Eltern übernehmen. Darüber hinaus zeichnet der Film ein Porträt der frühen 1960er-Jahre, spielt die Geschichte doch zu einer Zeit, als die gesellschaftlichen Umbrüche am Ende der Dekade, die 68er-Bewegung und in Großbritannien das London der Swinging Sixties, noch undenkbar erscheinen.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Kirsten Taylor
,
28.04.2020
,
letzte Aktualisierung:
28.04.2020
Regie
Lone Scherfig
Buch
Nick Hornby nach einer autobiografischen Erzählung von Lynn Barber
Darsteller*innen
Carey Mulligan, Peter Sarsgaard, Alfred Molina, Emma Thompson, Dominic Cooper u. a.
Länge
95 Min
Sprachfassung
deutsche Synchronfassung; Originalfassung mit Untertitel
Format
35mm
FSK
ohne Altersbeschränkung
Verleih
Sony Pictures
Festivals
Sundance Film Festival 2009: Publikumspreis