Inhalt
Shirin lebt in New York. Sie ist Tochter einer iranischen Familie. Und sie ist bisexuell. In ihrem konservativen Elternhaus der Oberschicht verschweigt sie, dass sie sich in eine Frau verliebt hat. Und mit ihrer Freundin Maxine ist Schluss, weil sie sich vor ihrer Familie nicht outet. Auf der Suche nach sich selbst taucht Shirin in die hippe Künstlerszene Brooklyns ein und versucht ihren eigenen Platz zu finden. Aber überall scheint sie nicht so recht reinzupassen: Nicht in die Rolle der Erzieherin, die verwöhnten Sprösslingen Filmunterricht geben soll; nicht in Gesprächskreise, in denen die Vorurteile der Strafjustiz gegen die queere Community diskutiert werden; nicht in eine Welt mit Drogen-verliebten Vätern und pansexuellen Liebesnächten. Aber eben auch nicht in die persische Großfamilie, in der man nicht eindeutig homosexuell sein darf. Was nicht passt, wird passend gemacht?! Ganz so einfach ist es nicht. Aber vielleicht klappt für Shirin bald das, was am schwersten ist, am besten: Einfach sie selbst zu sein.
Umsetzung
Desiree Akhavan erzählt in ihrem ersten Langfilm eine Geschichte, die in weiten Teilen an ihr eigenes Leben anknüpft und schlüpft dafür selbst in die Rolle der Protagonistin, die die Zuschauer/innen mit in ihr Leben nimmt. Sie teilt mit ihnen ihre amourösen Abenteuer ebenso wie ihren Kummer und ihre Fragen, ihre Unsicherheit ebenso wie ihre Neugierde und ihre Beharrlichkeit. Das selbstverständliche, unverfälschte Spiel der Darstellerinnen von Shirin und Maxine und die beschwingt erzählte Geschichte, stellt dabei ganz gewöhnliche Aspekte des (Liebes-)Lebens in den Mittelpunkt und spitzt den amüsanten Blick auf Bourgeoisie und Bohème zu. Wie unaufgefordert entsteht dadurch ein Film voller vorbehaltloser Daseinsfreude: Die Protagonistin begegnet dem Leben ohne Zögern, als wisse sie, dass all seine Tücken unumgänglich und daher irgendwie erforderlich sind. Die Geschichte ist dankbar, erzählt zu werden. Und der Film freut sich, seine schummrigen, anziehenden Bilder auf der Leinwand auszubreiten.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Indem" Appropriate Behavior, einfach ungezogen" die Geschichte einer bisexuellen jungen Frau mit iranischen Wurzeln aus konservativem Elternhaus erzählt, greift der Film zunächst klassische Themen zum Umgang mit Bi- und Homosexualität auf. Fragen nach sexuellen Identitäten und Beziehungsformen, die vom bisherigen klassischen Muster abweichen werden dabei ebenso angestoßen wie die Auseinandersetzung mit der Intoleranz verschiedener Gesellschaftsgruppen gegenüber unterschiedlichen sexuellen Orientierungen. Diesen Film jedoch als einschlägigen Queer-Film zu betrachten und zu behandeln, würde ihm nicht gerecht werden. Denn in seiner Form ist er schon viel weiter als der Diskurs, der ihn umgibt und daher allen voran eine Komödie über Lebens- und Identitätsfragen, Konventionen und Normabweichungen, die wir alle auf unsere Art und Weise kennen: Das Sich-selbst-Finden ist manchmal leichter als das Sich-selbst-Sein.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Lisa Haußmann
,
04.05.2015
,
letzte Aktualisierung:
20.05.2016
Regie
Desiree Akhavan
Buch
Desiree Akhavan
Darsteller*innen
Desiree Akhavan, Rebecca Henderson, Scott Adsit, Halley Feiffer, Ryan Fitzsimmons, Anh Duong, Hooman Majd, Arian Moayed u.a.
Länge
86 Min
Sprachfassung
englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ohne Altersbeschränkung
Verleih
Pro Fun Media Filmverleih
Festivals
(Auswahl) 30. Sundance Filmfestival; 25. Hamburg International Queer Filmfestvial; 15. BFI Flare International Filmfestival London