Außer Atem, StudioCanal

Außer Atem

Frankreich 1959

1959 drehte Jean-Luc Godard, der zuvor als Filmkritiker für die Cahiers du Cinema geschrieben hatte und zu den Begründern der Autorenfilmbewegung Nouvelle Vague gehörte, seinen ersten Spielfilm. Mit „Außer Atem“ hat er die Regeln des filmischen Erzählens auf den Kopf gestellt und nachhaltig beeinflusst. Viele der Neuerungen, die Godard mit diesem Film auf die Leinwand brachte, sind mittlerweile Bestandteil des kommerziellen Kinos geworden. Der rebellische Charme und die drängenden Fragen seiner jungen Hauptfiguren machen ihn zu einem Klassiker des internationalen Kinos.

Originaltitel

À bout de souffle

Genre

Drama, Kriminalfilm

Klassenstufe

ab 11. Klasse

Altersempfehlung

ab 16 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Französisch, Kunst, Philosophie, Ethik

Themen

Film/Filmgeschichte/Filmsprache, Liebe, Gender/Geschlechterrollen, Kriminalität, Verrat, Filmklassiker

Kinostart

29.10.2020

Inhalt


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„A gun and a girl” – laut D.W. Griffith ist das die Essenz des Kinos. Jean-Luc Godard zitiert den US-Regisseur in seiner „Einführung in eine wahre Geschichte des Kinos“. Dass dieser Satz oft ihm selbst zugeschrieben wird, erstaunt nicht, denn bereits in seinem Debütfilm „Außer Atem“ – und danach immer wieder – kommt beides vor: Der Kleinganove Michel klaut in Marseille ein Auto und erschießt auf der Fahrt im Affekt einen Polizisten. Fortan ist er ein gesuchter Mann, sein Bild ist in allen Zeitungen. In Paris versucht er Geld aufzutreiben und trifft auf der Champs-Élysées die amerikanische Studentin Patricia wieder, in die er sich nach einigen gemeinsamen Nächten verliebt hat. Er möchte mit ihr nach Rom flüchten. Doch die junge Frau hat eigene Pläne und ist sich ohnehin ihrer Gefühle zu Michel nicht sicher. Als auch Patricia ins Visier der Polizei gerät, trifft sie eine fatale Entscheidung.

Umsetzung


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„Es ist ein Film, der keine Regel befolgte“, so Godard über seinen Film „Außer Atem“. Gedreht wurde mit einer Handkamera in den Straßen von Paris, in Hotelzimmern und Cafés ohne künstliches Licht, was mitunter dokumentarisch wirkt. Statt ausgefeilter Dialoge setzt Godard auf Alltagssprache. Lange Plansequenzen stehen neben schnell geschnittenen Szenen, wodurch der Film einen Rhythmus erhält, der mit seinem Jazz-Score korrespondiert. Direkte Ansprachen der Zuschauer*innen, Achsensprünge und Jump Cuts, die die erzählerische Kontinuität zersplittern und das Synchrone von Handlung und Dialog aufbrechen, erschüttern die Kino-Illusion. Modern in jeder Hinsicht, ist „Außer Atem“ zugleich eine Hommage an das amerikanischen Genre-Kino und den Film Noir, für den sich Godard begeisterte. Doch bei ihm wird der Gangsterfilm zur Pose, so wie Michel, der sich cool wie Humphrey Bogart gibt, aber nie Herr der Lage ist.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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„Außer Atem“ ist ein Klassiker der französischen Autorenfilmbewegung Nouvelle Vague, die sich Ende der 1950er vom konventionellen Kino und dessen Vorgaben abwandte und neue Erzählformen suchte. Godards Film ist dafür programmatisch und hat die Ästhetik moderner Film- und Videokunst beeinflusst. Eine inhaltliche und formale Analyse einzelner Szenen – etwa die Autofahrt von Michel und Patricia durch Paris – ist hierzu erhellend ebenso wie praktische Aufgaben: So können die Schüler*innen eine Alltagsszene filmen und diese mit Jump-Cuts versehen, indem sie die Kamera beim Dreh immer wieder kurz anhalten oder die Szene mit einem Schnittprogramm bearbeiten. Filmtheoretische Hintergründe liefert die Beschäftigung mit der Nouvelle Vague und den Film Noir. Darauf aufbauend lässt sich beispielsweise diskutieren, inwiefern Godard mit „Außer Atem“ den klassischen Gangsterfilm dekonstruiert. Der Film lässt sich zudem als Porträt einer Generation lesen. Hierbei ist interessant, welches Lebensgefühl er vermittelt und welche existenziellen Fragen die Hauptfiguren umtreiben. Das führt auch zu der Frage, warum Patricia ihren Geliebten verrät.

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autorin: Kirsten Taylor, 12.10.2020, letzte Aktualisierung: 14.10.2020

Regie

Jean-Luc Godard

Buch

Jean-Luc Godard nach einem Treatment von François Truffaut

Darsteller/innen

Jean-Paul Belomondo, Jean Seberg, Henri-Jacques Huet, Liliane David, Roger Hanin u. a.

Länge

90 Min

Sprachfassung

deutsche Fassung, französische Originalfassung mit Untertiteln

Format

35mm. digitalisiert (4k remastered), schwarz-weiß

FSK

ab 16 Jahre

FBW

Prädikat "besonders wertvoll"

Verleih

StudioCanal

Festivals

Internationale Filmfestspiele Berlin 1960: Beste Regie; Syndicat Français de la Critique de Cinéma 1961: Bester Film u. a.

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