Inhalt
Während des Bosnienkrieges sind willkürliche Übergriffe an der Tagesordnung. Der serbische Soldat Marko beobachtet, wie der muslimische Kioskbesitzer Haris von anderen serbischen Soldaten misshandelt wird. Er greift ein, sodass Haris entkommen kann, wird dann aber von den vier anderen Serben mitten auf dem Marktplatz von Trebinje zu Tode geprügelt. Viele Menschen sehen dabei zu und niemand greift ein, selbst Markos Freund Nebojsa nicht. Zwölf Jahre danach kreuzen sich die Wege von einigen Beteiligten und Angehörigen wieder: Markos Vater trifft auf den arbeitsuchenden Sohn eines der Mörder. Nebojsa, inzwischen ein angesehener Arzt, muss eines Tages den Anführer der Schlägerbande operieren und Markos ehemalige Verlobte ist auf der Flucht vor ihrem brutalen Ehemann bei Haris angekommen, der inzwischen mit seiner Familie in Deutschland lebt.
Umsetzung
Nach einem ruhigen Handlungsbeginn kippt die Stimmung in der Schlüsselszene, dem Übergriff auf den Kioskbesitzer, allerdings ohne dass die Szene ganz gezeigt wird: Vor Markos Tod erfolgt ein Zeitsprung. Seine brutale Ermordung kann zunächst nur aus den aktuellen Ereignissen erschlossen werden, die Bilder der Tat werden erst am Schluss des Films nachgeliefert. Die Haupthandlung des Films spielt zwölf Jahre später. Diese elliptische Erzählweise sowie die Parallelführung der drei oben genannten Handlungsstränge spiegeln die Komplexität der inhaltlichen Problematik des Films strukturell wider. Dieser beruht auf realen Ereignissen. Authentisch wirkende Figuren und ihre Darsteller sowie die Auswahl der Drehorte bzw. Originalschauplätze tragen die sehr wirklichkeitsnahe Inszenierung.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Die universellen Fragen nach Zivilcourage oder Feigheit, nach brutaler Gewalt mit tödlichem Ende und Mitschuld, nach Vergebung oder Rache, nach Recht und Gerechtigkeit stellen sich nicht nur zu Kriegszeiten und in anderen Ländern: Die Tötung von Dominik Brunner 2009 in München oder von Jonny K. 2012 in Berlin sind Beispiele für die Aktualität der Thematik im bundesdeutschen Alltag. die anhand des Films besprochen werden kann. Darüber hinaus kann der spezielle historische Kontext des Krieges in Bosnien-Herzegowina in den 90er Jahren hinterfragt werden: Was waren die Motive für den Krieg, welche politischen und religiösen Ursachen hatte er und welche Lehren können angesichts aktueller Krisen daraus gezogen werden?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Olaf Selg
,
20.03.2014
,
letzte Aktualisierung:
11.10.2016
Regie
Srdan Golubović
Buch
Melina Pota Koljević
Darsteller*innen
Aleksandar Berček, Leon Lučev, Nebojša Glogovac, Nikola Rakočević, Hristina Popović, Boris Isaković, Vuk Kostić u.a.
Länge
112 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, OmeU
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
barnsteiner-film
Festivals
Sundance Film Festival 2013: World Cinema Dramatic Special Jury Award; Internationale Filmfestspiele Berlin 2013: Preis der Ökumenischen Jury; 13eme Festival Cinema Mediterraneen de Bruxelles: Grand Prix du Jury; Sarajevo International Filmfestival 2013: Publikumspreis; Sofia International Film Festival 2013: Publikumspreis u.a.