Inhalt
Das Gefühl des Scheiterns ist dem jungen Evan Hansen so vertraut, dass er auch bei harmlosen Begegnungen kaum ein Wort herausbekommt. Evan hat weder Freunde noch Selbstvertrauen. Sein Therapeut gibt ihm den Auftrag, Briefe an sich selbst zu schreiben, die ihn ermutigen sollen. Doch er fühlt sich unsichtbar, einsam und total allein. Nur mithilfe von Antidepressiva bewältigt der Teenager seinen Alltag. Als einer der Briefe, die Evan an sich selbst adressiert hat, dem seltsamen Mitschüler und Einzelgänger Connor in die Hände fällt und sich dieser kurz darauf das Leben nimmt, glauben die trauernden Eltern, Evan sei der einzige und beste Freund ihres Sohnes gewesen. Evan, völlig überfordert damit, das Missverständnis aufzuklären, wird zum Mittelpunkt von Connors Familie und einer von Mitschüler*innen organisierten Gedenk-Initiative für den durch Suizid verstorbenen Connor. Er ist endlich nicht mehr allein, aber verstrickt sich in einem Gespinst gut gemeinter Lügen und Halbwahrheiten.
Umsetzung
Ein über weite Strecken sehr einfühlsames Musical zum schwer vermittelbaren Thema Depression im Jugendalter. Die Gesangseinlagen transportieren die Gefühle des depressiven und suizidgefährdeten Evan. Sie handeln von Gefühlen der Einsamkeit, des sich nicht dazugehörig Fühlens und der schwierigen Situation eines Menschen, dem es an Urvertrauen fehlt. In der deutschen Fassung des Films wurden die Texte übersetzt. Während die Lieder inhaltlich überzeugen, sind sie musikalisch leider recht gleichförmig. Die Charaktere des Films sind vielschichtig angelegt. Immer wieder kehrt die Handlung in Rückblenden und veränderten Traumsequenzen zum Tiefpunkt der Erkrankung des jungen Mannes zurück, als dieser sich in seiner Verzweiflung das Leben nehmen wollte. Wird diese Episode zu Anfang des Films noch als „Unfall“ erzählt und bezeichnet, wandelt sich die Erinnerung zunächst in einen tröstlichen Traum, bis der junge Evan lernt, sich selbst einzugestehen, dass er so verzweifelt war, dass er sein Leben beenden wollte. Der Suizid des Mitschülers wird nicht visualisiert.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film ermöglicht eine Auseinandersetzung mit extremen Gefühlen der Unsicherheit und Lähmung durch ständige negative Gedanken. Viele junge Menschen haben große Schwierigkeiten, sich so zu akzeptieren, wie sie sind und leiden unter diesen Gefühlen. Der junge Evan bietet hier hohes Identifikationspotential. Suizid im Jugendalter ist ein relevantes Thema. Der Film sollte daher nicht ohne gemeinsame Reflektion mit der Lehrkraft gesichtet werden. Depressive Jugendliche sollten, um negative Effekte oder gar Nachahmungseffekte zu verhindern, den Film eher nicht sehen. Über diese Themen hinaus ermöglicht der Film eine kritische Auseinandersetzung mit den Sozialen Medien und einer erbarmungslosen Internetkultur (Sensationslust, Bloßstellung, Shitstorm). Auch setzt „Dear Evan Hansen“ einen Akzent in Bezug auf Chancengleichheit und gesellschaftliche Unterschiede von Familien mit eher geringem Einkommen im Vergleich zur Lebensrealität relativ wohlhabender Familien. Der Film bietet die Möglichkeit, sich mit dem Genre Musical zu beschäftigen. Die Einbindung der Gesangseinlagen im Film erscheint im Fall von „Dear Evan Hansen“ gut geglückt. Hier kann untersucht werden, wie die Sequenzen in dieser Inszenierung angelegt werden.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Gabriele Blome
,
02.11.2021
,
letzte Aktualisierung:
02.11.2021
Regie
Stephen Chobosky
Buch
Steven Levenson, Steven Levenson
Darsteller*innen
Ben Platt, Julianne Moore, Kaitlyn Dever u. a.
Länge
137 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, englische Originalfassung
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
FBW
Prädikat "besonders wertvoll"
Verleih
Universal Pictures Germany
Festivals
Toronto International Film Festival 2021