Inhalt
Die 22-jährige Claudia lebt alleine in Guadalajara, Mexiko. Wegen einer Blinddarmentzündung kommt sie ins Krankenhaus, wo sie die offenherzige und lebensfrohe Martha kennenlernt. Ihre Zimmergenossin ist alleinerziehende Mutter von vier Kindern und leidet seit einiger Zeit stark unter ihrer AIDS-Erkrankung. Als Martha sieht, wie Claudia nach ihrer Operation alleine das Krankenhaus verlässt, lädt sie sie prompt zu sich nach Hause ein. Dort erwartet Claudia ein turbulentes, chaotisches und nicht übermäßig harmonisches Familienleben. Anfangs vom lebhaften Haushalt überwältigt, gewöhnt sich die Einzelgängerin jedoch schnell an Trubel und Herzlichkeit und wird allmählich fester Bestandteil des Familienverbunds. Bei einem gemeinsamen Ausflug ans Meer bricht Martha schließlich aufgrund ihres immer schlechter werdenden Gesundheitszustands zusammen. Für Claudia stellt sich nun die Frage: Wie geht es weiter, wenn Martha stirbt?
Umsetzung
In „Der wundersame Katzenfisch“ hat Regisseurin Claudia Sainte-Luce eine eigene, lebensverändernde Begegnung verarbeitet. Dass Claudias und Marthas Leben unterschiedlicher nicht sein könnte, spiegelt sich auf der formalen Ebene. Eine fast unwirklich wirkende Geräuschebene, kalte Farbgebung und eine anteilnahmslose Mimik und Gestik der Protagonistin beschreiben die Einsamkeit, in der Claudia lebt. Das bunte Familientreiben ist mit wackeliger Handkamera aufgenommen. Die Szenen sind erfüllt mit Stimmengewirr bei Diskussionen, Unordnung im Haus und zahlreichen Gefühlsausbrüchen von Wut, Freude und Trauer. Die Zuschauenden erleben, wie die in sich gekehrte Claudia sich allmählich öffnet, Beziehungen zu den sehr unterschiedlichen Geschwistern aufbaut und Teil der Familie wird. Wiederholte halbtotale Kameraeinstellungen richten den Blick immer auf die Familie als Ganzes, wobei sich auch die zunehmend wichtige Stellung von Claudia im Familienverbund abzeichnet.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Vor allem in sozialkundlichen und lebensanschaulichen Fächern bietet die familienzentrierte Geschichte viele Anknüpfungspunkte: Wie geht man innerhalb der Familie mit der schweren Erkrankung eines geliebten Menschen um? Welche Aufgaben stellen sich dabei den einzelnen Familienmitgliedern? Die einsame Claudia wird in die Familie integriert und übernimmt immer mehr Aufgaben. Doch ab wann bzw. ist sie überhaupt ein richtiges Familienmitglied? Das eher offene Ende des Films regt außerdem im Rahmen des Sprachenunterrichts zum kreativen Schreiben an. Wird sich Claudia den Geschwistern anschließen oder wieder ihren eigenen Weg gehen? Da der Film hauptsächlich aus Claudias Perspektive erzählt, wäre auch das Umschreiben aus Sicht eines der anderen Charaktere eine gute Möglichkeit, sich auf tieferer Ebene mit dem Film auseinanderzusetzen. Als Ansatz im Kunstunterricht dient schließlich die Analyse der Gestaltung von Beziehungen und Gefühlen in Bild und Farbe.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Tina Wonscherowsky
,
16.06.2014
,
letzte Aktualisierung:
19.09.2016
Regie
Claudia Sainte-Luce
Buch
Claudia Sainte-Luce
Darsteller*innen
Ximena Ayala, Lisa Owen, Sonia Franco, Wendy Guillén, Andrea Baeza, Alejandro Ramírez-Muñoz u.a.
Länge
89 Min
Sprachfassung
spanische Fassung mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ohne Altersbeschränkung
Verleih
Arsenal Filmverleih
Festivals
Toronto International Film Festival, Kritikerpreis; Festival del Film Locarno, Preis der Jugendjury; Baja International Film Festival, bester mexikanischer Film