Inhalt
Totila Blumen ist Holocaust-Forscher, sehr ernsthaft und steckt mitten in einer Lebens- und Sinnkrise. Sein Beruf deprimiert ihn, die Ehe kriselt. Mit überhöhten Moralvorstellungen nervt er seine Umgebung. Als sein großes Vorbild, Professor Norkus, kurz vor seinem Tod nicht ihn, sondern den karrieristischen Balthasar zum Nachfolger bestimmt, ist Totila mit den Nerven am Ende und hat sich nicht mehr im Griff. Sein neuer Chef drückt ihm als erstes die überdrehte französische Studentin Zazie als Praktikantin aufs Auge. Der frustrierte Historiker behandelt Zazie, die obendrein ein Verhältnis mit Balthasar hat, verletzend und grob. Aber die exzentrische junge Frau, Enkelin eines Holocaust-Opfers, lässt sich nicht abschütteln. Anscheinend hat sie ihre ganz eigene Agenda – eine Agenda, die eng mit Totilas Herkunft und seinem Nazi-Großvater verknüpft ist. Während Balthasar droht, aus einem geplanten Auschwitz-Kongress ein werbefinanziertes Medien-Event zu machen, verschwinden Totila und Zazie für eine Weile auf den Spuren ihrer Großeltern nach Riga.
Umsetzung
Der Film beginnt mit einer Schlägerei in einem Institut zur Aufarbeitung des Holocaust. Nach einem verbalen Schlagabtausch gehen sich die Kontrahenten, ein Holocaustforscher, der die NS-Geschichte der eigenen Familie erforscht und sein Konkurrent, an den Kragen. Während die Wissenschaftler mit Computerbildschirmen aufeinander losgehen, stirbt im Nebenbüro ihr Idol – einsam und unbemerkt. Eine ironische, sehr komische Eingangssequenz in skurrilem Setting. „Die Blumen von gestern“ fragt, wie wir heute mit unserer NS-Vergangenheit umgehen, lotet aus, inwieweit heutige Generationen vom Holocaust berührt sind. Denn Totila und Zazie leiden an der Vergangenheit ihrer Familien, drohen gar an ihr zu zerbrechen. Eine überdrehte Inszenierung mit Hauptfiguren, die das Gegenteil von unbeschwert sind: leicht verstiegen, albern und egozentrisch, irgendwie verrückt, aber auch zugewandt, idealistisch und liebenswert. Der Film besticht durch hervorragende Schauspieler und witzige Dialoge.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Einer wie Totila, der, abgeschreckt von den Taten seines Großvaters, alles richtig machen will, auf einem hohen moralischen Ross sitzt und dabei maßlos übertreibt, birgt einerseits große Komik, wirft andererseits Fragen auf, die im Unterricht thematisiert werden können. Denn Totila ist zwar komisch, aber keine Witzfigur. „Die Blumen von gestern“ zeigt ihn als toternsten Mann, der sich mit seiner Lebensaufgabe überfordert. Der Film bietet Anknüpfungspunkte in Bezug auf Vergangenheitsbewälti-gung der NS-Geschichte in den Familien. Er kann zum Anlass genommen werden, um über die eigene Familiengeschichte zu reflektieren. Die Idee, dass an Auschwitz-Kongressen Karrieren hängen, dass Wissenschaftler/innen Veranstaltungen mit dem Erscheinen von Holocaust-Überlebenden schmücken, kann als Ausgangpunkt für Diskussionen zum Thema Erinnerungskultur dienen. Die Gräueltaten des Holocaust wirken über mehrere Generationen in den Nachkommen der Opfer fort. Das Thematisieren dieser Bürde bietet einen Einstieg in das Thema Holocaust.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Gabriele Blome
,
01.12.2016
,
letzte Aktualisierung:
28.04.2020
Regie
Chris Kraus
Buch
Chris Kraus
Darsteller*innen
Lars Eidinger, Adèle Haenel, Jan Josef Liefers, Hannah Herzsprung, Sigrid Marquardt u.a.
Länge
125 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
FBW
Prädikat "besonders wertvoll"
Verleih
Piffl Medien
Festivals
Internationales Filmfestival Tokyo: Tokyo Grand Prix 2016 sowie WOWOW Viewer's Choice Award (Publikumspreis); Thomas Strittmatter Preis 2013 (Drehbuch); Hofer Filmtage 2016: Eröffnungsfilm