Filmplakat Die dicke Tilla

Die dicke Tilla

DDR 1982

Ausgrenzt? Gehänselt? Verprügelt? Was nun? Der DEFA-Kinderfilm-Klassiker DIE DICKE TILLA führt kindgerecht an das Thema Mobbing heran. Dabei verzichtet der Film auf schematische Opfer-Täter-Konstellationen und verdeutlicht anhand ambivalenter Figuren die Komplexität der Dynamiken von Ausgrenzung in der Schule. Der Film aus dem Jahr 1982 zeigt auf, dass ein klärendes Gespräch auf Augenhöhe ein wichtiger Schritt bei der Schlichtung eines Konfliktes sein kann.

Genre

Literaturverfilmung, Kinderfilm

Klassenstufe

2. bis 6. Klasse

Altersempfehlung

7 bis 11 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Lebenskunde/Ethik, Religion, Kunst

Themen

Mobbing, Ausgrenzung, Selbstbewusstsein, Freundschaft, DDR, Identität, Kindheit, Familie, Zivilcourage, Rivalität, Machtmissbrauch, Erziehung, Literaturadaption, Filmklassiker

Kinostart

16.04.1982

Inhalt


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In der Klasse hat die dicke Tilla das Sagen. Die schmächtige Anne kommt nach dem Umzug ihrer Familie neu in die Lerngruppe und ist Tilla auf den ersten Blick ein Dorn im Auge: Anne hält dem Klassenlehrer Ecki die Tür auf und hat lauter Einsen. Tilla beginnt auf Anhieb die verträumte Anne auszugrenzen und setzt sie mit ihrem Freund Knutschi und anderen Kindern auch körperlich unter Druck. Anne wehrt sich mutig mit Worten und lässt die Schikanen nicht auf sich sitzen. Aber nicht nur die Art Kämpfe auszufechten unterscheidet die beiden Mädchen: Tilla wächst nach der Scheidung der Eltern beim strengen Vater auf und muss viele Pflichten im Haushalt übernehmen. Zudem wird sie von ihren zwei älteren Zwillingsbrüdern ausgenutzt. Anne hingegen ist Einzelkind und wird von der Mutter liebevoll umsorgt. Die Mädchen fühlen sich von den Erwachsenen nicht verstanden und die Situation eskaliert ungebremst weiter, bis die beiden gemeinsam in Gefahr geraten und diese Herausforderung gemeinsam meistern.

Umsetzung


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Die Charaktere von Tilla und Anne werden ambivalent gezeichnet und gewinnen so an Authentizität und Tiefe. Anne ist nicht nur Opfer, sondern wird in einer Schlüsselszene selbst zur Täterin, um die hänselnden Mitschülerinnen und Mitschüler von ihr abzulenken. Die gewählten Kameraperspektiven und Einstellungsgrößen unterstützen die Einfühlung in beide Mädchen gleichermaßen. Beispielsweise wird eine Ohrfeige von Tillas Vater aus einer nahen Einstellung gezeigt, was starkes Mitgefühl für den Bully weckt. Das wichtigste filmerzählerische Mittel, um das Innenleben von Anne und Tilla zu vermitteln, ist der innere Monolog. Beide sprechen im Stillen mit sich selbst über Konfliktsituationen und ihre Gefühle lassen sich in Großaufnahmen an ihrem Mienenspiel ablesen. Ihre Stimmen sind aus dem Off nur für das Publikum zu hören.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Im Unterricht sollte die Erzählform des inneren Monologs auch in Bezug zur Buchvorlage herausgearbeitet werden. Zudem bietet es sich an, den Begriff des filmischen Offs einzuführen und die verschiedenen Erzählperspektiven des Films zu analysieren. An einem Projekttag oder im fächerüber-greifenden Unterricht ist der Film eine gute Grundlage, um über Mobbing und Gewaltprävention auch in der heutigen Zeit zu sprechen. Dazu können die Schülerinnen und Schüler innere Monologe — beispielsweise zu der ersten Konfrontation von Tilla und Anne auf dem Pausenhof — verfassen und anhand unterschiedlicher Sichtweisen auf den Konflikt Lösungsstrategien entwickeln. Ferner lassen sich Hintergründe zum Schulalltag in der DDR vermitteln und die Bedeutung der Pionier-Organisationen herausstellen. Welche Werte standen bei den Pioniernachmittagen im Mittelpunkt? Gibt es heute vergleichbare Aktivitäten in der Schule?

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor: Karl-Leontin Beger, 07.06.2021, letzte Aktualisierung: 09.06.2021

Regie

Werner Bergmann

Buch

Werner Bergmann, basierend auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Rosel Klein

Darsteller/innen

Carmen Sarge, Jana Mattukat, Matthias Manz, Maurice Woynowski, Carmen-Maja Antoni, Günter Junghans, Carl Heinz Choynski, Peter Bause u. a.

Länge

76 Min

Sprachfassung

deutsche Originalfassung

Format

35mm, digitalisiert, Farbe

FSK

ab 6 Jahre

Verleih

DEFA (Progress)

Festivals

8. Internationales Kinderfilmfestival Frankfurt am Main, LUCAS 1982

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