Filmplakat zu "Die Fremde"

Die Fremde

Deutschland, 2010

Eine junge, in Deutschland aufgewachsene Türkin kämpft für ihr Recht, selbstbestimmt leben zu können. Dabei kollidiert sie nicht nur mit Verhaltensnormen der türkischen Gemeinde, sondern sie beschädigt auch die Ehre ihrer Familie. Eine filmische Auseinandersetzung mit dem Thema Ehrenmorde von der Berliner Filmemacherin Feo Aladag.

Originaltitel

Die Fremde

Genre

Drama

Klassenstufe

ab 9. Klasse

Altersempfehlung

ab 14 Jahre

Unterrichtsfächer

Ethik, Sozial/Gemeinschaftskunde, Religion

Themen

Frauen, Menschenrechte/-würde, Multikulturelle Gesellschaft, Familie, Islam, Macht, Tradition, Gender/Geschlechterrollen, Kommunikation

Kinostart

11.03.2010

Inhalt


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Die 25-jährige Deutsch-Türkin Umay verlässt ihren Ehemann in Istanbul, weil sie mit ihrem Sohn Cem in ihrer Heimatstadt Berlin selbstbestimmt leben will. Sie hofft dabei auf die Unterstützung ihrer Eltern und Geschwister, bei denen sie sich einquartiert. Doch trotz aller Liebe kann die Familie Umays Entscheidung nicht akzeptieren, verstößt sie mit ihrer Flucht gegen traditionelle Werte und Normen. Damit der gute Ruf der Familie nicht noch mehr leidet, soll zumindest Cem zu seinem Vater zurückkehren. Umay kann dies jedoch verhindern und findet samt Kind Zuflucht in einem Frauenhaus. Dort beginnt für die junge Frau das ersehnte neue Leben: Sie findet Arbeit, geht zur Abendschule und verliebt sich in ihren Kollegen Stipe. Doch Umay sehnt sich nach ihrer Familie, wiederholt wirbt sie dort um Verständnis. Schließlich muss sie erkennen, dass das Ansehen in der türkischen Gemeinde und die "Familienehre" für ihre Eltern wichtiger sind als das persönliche Glück ihrer Tochter.

Umsetzung


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Der Film nimmt zu Beginn das tragische Ende der Geschichte vorweg: Ein junger Mann richtet eine Waffe auf seine eigene Schwester. Erst dann wird im Rückblick in ruhigen, fast dokumentarisch wirkenden Bildern Umays dramatische Geschichte erzählt. Wenngleich das Erleben der von Sibel Kekilli ("Gegen die Wand", D 2004) mit großer Zurückhaltung dargestellten Figur der Umay im Zentrum steht, verfällt der Film selten in ein Gut-Böse-Schema. Vielmehr versucht er, die innere Zerrissenheit der Protagonisten/innen zu vermitteln. So wird etwa deutlich, wie sehr Umays Eltern ihre Tochter lieben, gleichzeitig aber dem sozialen Druck und eigenen Überzeugungen nicht standhalten können. Und auch Umay wirkt widersprüchlich und naiv, wenn sie trotz Warnungen wiederholt die Nähe zu ihrer Familie sucht, nicht ahnend, welcher Gefahr sie sich damit aussetzt. Immer wieder gibt es im Film Momente, in denen Verständigung und das Recht auf Selbstverwirklichung möglich erscheinen. Eine Hoffnung allerdings, die am Ende zerstört wird, wenngleich auch anders als zunächst angenommen.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Die Filmemacherin Feo Aladag beschäftigt sich "Die Fremde" mit dem Thema Ehrenmord. Die Parallelen zum Schicksal der Deutsch-Kurdin Hatun Sürücü, die im Februar 2005 in Berlin von ihrem Bruder erschossen wurde, sind unübersehbar, doch steht Umays Geschichte für viele Mädchen und Frauen, die sich den Entscheidungen ihrer Familien nicht beugen wollen und damit nicht selten mit ihrem Leben bezahlen müssen. So bietet der auf Deutsch und Türkisch produzierte Film einen Ansatzpunkt, um die Bedeutungen des Begriffs Ehre kritisch zu hinterfragen und Themen wie Ehrverbrechen, Rechte der Frau und allgemein Werte zu diskutieren. Allerdings will die Regisseurin ihren Film nicht als Studie türkischer Einwanderer/innen verstanden wissen, sondern "als ein filmisches Drama, das eine ganz konkrete, spezifische Geschichte erzählt." Es geht ihr laut Presseheft darum, "spürbar zu machen, wie nah die Menschen in dieser Geschichte doch einer möglichen Versöhnung kommen und wie schwer es ihnen am Ende fällt, über ihren eigenen Schatten zu springen." Mit diesem Blickwinkel wird der Film allgemein lesbar: Wie kommt es zu scheinbar unüberwindbaren Konflikten? Und was können wir tun, um sie zu lösen?

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autorin: Kirsten Taylor, 14.01.2010, letzte Aktualisierung: 08.06.2017

Regie

Feo Aladag

Buch

Feo Aladag

Darsteller/innen

Sibel Kekilli, Nizam Schiller, Derya Alabora, Settar Tanriöğen, Tamer Yigit, Florian Lukas, Nursel Kösi, Sehad Can u.a.

Länge

119 Min

Sprachfassung

deutsche und türkische Fassung mit deutschen Untertiteln

Format

35mm

FSK

ab 12 Jahre

FBW

Prädikat „besonders wertvoll“

Verleih

Majestic Filmverleih

Festivals

Berlinale 2010 (Sektion Panorama)

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