Filmplakat Die perfekte Kandidatin

Die perfekte Kandidatin

Saudi-Arabien, Deutschland 2020

Die junge Ärztin Maryam möchte Gemeinderätin werden. Der Zugang zum lokalen Krankenhaus soll endlich durch eine asphaltierte Straße verbessert werden. Als saudi-arabische Frau bricht sie mit ihrer Kandidatur Tabus und stellt lang gelebte Prinzipien einer patriarchalen Gesellschaft in Frage. Am Beispiel der Lokalpolitik erzählt die erste saudi-arabische Filmemacherin Haifaa al-Mansour in ihrem zweiten Spielfilm, wie sich ein Land langsam öffnet.

Originaltitel

The perfect candidate

Genre

Drama, Komödie

Klassenstufe

ab 9. Klasse

Altersempfehlung

ab 14 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Politik, Erdkunde, Sozialkunde, Kunst, Religion, Ethik, fächerübergreifend: Erziehung zur Gleichstellung und Gleichberechtigung der Geschlechter

Themen

Gender/Geschlechterrollen, Frauenrechte, Emanzipation, Tradition, Selbstbewusstsein, Werte, Vorurteile, Islam, Menschenrechte/-würde, Familie, Lokalpolitik

Kinostart

12.03.2020

SchulKinoWochen

Inhalt


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Die junge Ärztin Maryam setzt sich seit Jahren dafür ein, dass der marode Zugang zum Krankenhaus durch eine asphaltierte Straße verbessert wird. Empört und gleichzeitig resigniert, auch weil sie als Frau von den männlichen Patienten und Kollegen nicht akzeptiert wird, beschließt sie, sich auf eine Stelle in einem Krankenhaus in einer größeren Stadt zu bewerben. Auf einer Konferenz in Dubai will sie sich dem leitenden Arzt vorstellen. Doch ihr Vater hat vergessen, die benötigte Reiseerlaubnis zu verlängern und ist gerade nicht erreichbar. Maryam versucht, sich über einen Cousin, der als Beamter arbeitet, eine Reiseerlaubnis zu beschaffen. In seinem Büro wird sie auf die bevorstehenden Gemeinderatswahlen aufmerksam und bewirbt sich spontan als Kandidatin, als sie begreift, dass sie sich so auf anderer Ebene für die Asphaltierung der Straße zum Krankenhaus einsetzen kann. Maryam beginnt ihren Wahlkampf – als Frau ein kompliziertes Unterfangen, bei dem ihr viele Steine in den Weg gelegt werden.

Umsetzung


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Im Film entsteht schnell das Gefühl, dass es um etwas Größeres geht als einen Gemeinderatsposten. So viel Gegenwind bläst ihr entgegen, mit so vielen Gegner*innen ihrer Kandidatur sieht sie sich konfrontiert und so hart muss sie kämpfen. Maryams Ziel ändert sich während des Films einige Male: Zunächst geht es um ihre Reiseerlaubnis, dann um die Organisation ihres Wahlkampfs, schließlich darum die Wahl zu gewinnen. In fast dokumentarischer Filmsprache erzählt der Film mitreißend Maryams Weg, der sie immer lauter und mutiger werden lässt. Und tatsächlich geht es um etwas Größeres: um Teilhabe in der Gesellschaft. Und die beginnt im Kleinen, auf lokaler Ebene und mitten in der Gesellschaft. Der Film selbst ist Teil der herbeigesehnten Öffnung Saudi-Arabiens. Haifaa al-Mansour realisierte 2012 den ersten saudi-arabischen Kinofilm „Das Mädchen Wadjda“, bis 2018 gab es jahrzehntelang keine Kinos im Land. In ihrem zweiten Film erzählt sie erneut vom Alltag in Saudi-Arabien aus weiblicher Perspektive.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Wenn Maryam bei einer Wahlkampfveranstaltung für männliche Wähler über eine Live-Schaltung aus dem Nachbarraum gezeigt wird, weil sie als Frau Männer in Saudi-Arabien nicht direkt ansprechen darf, ist das ein fast absurder Anblick. Der Film bietet einen eindrucksvollen, viele Lebensbereiche berücksichtigenden Einblick in das Leben als Frau in Saudi-Arabien. Viele Szenen geben Impulse für Gespräche zu Frauenrechten vor Ort, können aber auch Ausgangspunkt dafür sein, über die Frauenbewegung und den Stand der Gleichstellung der Geschlechter in Deutschland zu sprechen. Maryams Kandidatur als Gemeinderätin wird im Film vom ersten bis zum letzten Schritt begleitet. So können Mechanismen und Strategien von Wahlkampf ebenso wie die Funktionen und Wirkungsfelder eines öffentlichen Amtes auf lokaler Ebene herausgearbeitet und verglichen werden. Haifaa al-Mansours dokumentarische Bildsprache lenkt den Blick auf die Frage nach Realität im Film: Durch welche Mitte (Schnitt, Farbgebung, Kameraführung) wird der Eindruck eines fast dokumentarischen Films erzeugt?

Veranstaltungen


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Unterrichstmaterial (FilmTipp ZOOM) zum Filmstart verfügbar

Autorin: Laura C. Zimmermann, 17.02.2020, letzte Aktualisierung: 16.11.2020

Regie

Haifaa al-Mansour

Buch

Haifaa al-Mansour, Brad Niemann

Darsteller/innen

Mila Al Zahrani, Nora Al Awadh, Dae Al Hilali u. a.

Länge

105 Min

Sprachfassung

deutsche Fassung, arabische Originalfassung mit Untertiteln, barrierefreie Fassungen verfügbar

Format

digital, Farbe

FSK

ohne Altersbeschränkung

Verleih

Neue Visionen Filmverleih

Festivals

(2019) Weltpremiere bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig, Toronto International Filmfestival, London Film Festival, Hofer Filmtage, Palm Springs International Film Festival, Sundance Film Festival

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