Inhalt
Die verwitwete Saori macht sich große Sorgen um ihren Sohn, spätestens als Minato eines Abends aus dem fahrenden Auto springt und im Nachhinein behauptet, er sei ein Monster, dessen Gehirn mit dem eines Schweins getauscht wurde. Auf Nachfrage seiner Mutter antwortet der Fünftklässler, sein Klassenlehrer Herr Hori habe das behauptet. Saori legt Beschwerde bei der Schulleitung ein, die sich zunächst mit Höflichkeitsfloskeln taub stellt. Schließlich erwidert Herr Hori, nicht er, sondern Saoris Sohn sei ein Peiniger, der seinen Klassenkameraden Yori mobbt. Letzterer dementiert das wiederum. Nachdem Herr Hori sich öffentlich entschuldigen muss und in Verruf gerät, offenbart sich aus Minatos Perspektive, dass der Grund für sein ungewöhnliches Verhalten (und die tatsächliche Lüge über Herrn Hori) seine Gefühle für Yori sind. Deren Natur beginnt Minato selbst erst zu begreifen und schämt sich zu Unrecht dafür, während die wohlgemeinten Bemühungen der Erwachsenen um ihn herum zunehmend fehlgeleitet sind.
Umsetzung
Die episodenhafte Erzählstruktur von DIE UNSCHULD erinnert an den japanischen Klassiker RASHŌMON (R: Akira Kurosawa, Japan 1950), der einen Vorfall immer wieder aus neuer Perspektive erzählt. Dadurch, dass der Film hier zunächst die Perspektive der Mutter, dann des Lehrers und erst zuletzt des betroffenen Kindes einnimmt, stellt das Publikum wiederholt die Annahmen infrage, die es zuvor gemeinsam mit einer Figur gemacht hat. So entpuppt sich zum Beispiel Herr Hori nicht als Tyrann, sondern als engagierter Lehrer, der seinerseits aus gutem Grund glaubt, Minato würde Yori mobben. Der elliptische Erzählverlauf lässt einzelne Handlungsstränge unerläutert, deren Erklärung die Zuschauenden sich erst nach Betrachten aller Perspektiven herleiten können. Beispielsweise, dass Minatos Angst, sein Gehirn wurde mit dem eines Schweins getauscht, eigentlich von Yori stammt. Der wiederholt seinerseits nur das, was sein unduldsamer Vater ihm eintrichtert, um Yoris Anziehung zu Jungs als Krankheit darzustellen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Weil DIE UNSCHULD einige voraussetzungsreiche Themen anschneidet und zugleich vieles unausgesprochen lässt, erfordert der Film Vor- und Nachbearbeitung. Suizid kommt zwar nicht explizit vor, wird aber wiederholt angedeutet, worauf im Vorfeld hingewiesen werden muss. Im Filmgespräch sollte auf die Diskriminierung von Homosexualität eingegangen werden, die in Japan – wo gleichgeschlechtliche Ehen nicht erlaubt sind – ausgeprägter ist als in Deutschland. Der buddhistische Glauben an Wiedergeburt als wiederkehrendes Motiv des Films ist ebenfalls ein naheliegendes Thema. Ferner kann die Darstellung des verlassenen Zugwagons und seiner Umgebung analysiert werden: Wie ist das Set inszeniert? Welche Bedeutung hat der Ort für die Kinder? Ausgehend davon bietet sich eine nähere Betrachtung des Filmendes an: Wie erscheint hier die Umgebung im Vergleich zur Szene, als die Erwachsenen nach den Kindern suchen? Wie glaubwürdig ist dieses Ende?
Hinweise
Hinweis zum Inhalt: Andeutung von Suizid
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Dominique Ott-Despoix
,
04.01.2024
,
letzte Aktualisierung:
07.03.2024
Regie
Koreeda Hirokazu
Buch
Sakamoto Yûji
Darsteller*innen
Ando Sakura, Nagayama Eita, Kurokawa Soya, Hiiragi Hinata, Takahata Mitsuki, Kakuta Akihiro, Nakamura Shidô, Tanaka Yûko u. a.
Länge
127 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, japanische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Wild Bunch Germany
Festivals
Internationale Filmfestspiele von Cannes 2023: Bestes Drehbuch, Queere Palme