Filmplakat Ein bisschen bleiben wir noch

Ein bisschen bleiben wir noch

Österreich 2019

Die aus Tschetschenien stammenden Kinder Oskar und Lilli werden in Wien von ihrer psychisch labilen Mutter getrennt und landen in zwei Pflegefamilien, arbeiten aber beharrlich auf die Wiedervereinigung mit der Mutter hin. Das Drama des österreichischen Regisseurs Arash T. Riahi erzählt aus Sicht der Kinder in einer poetischen Bildsprache von der unbändigen Kraft der Geschwister, die mit viel Fantasie versuchen, alle Widerstände zu überwinden.

Genre

Literaturverfilmung, Drama, Jugendfilm

Klassenstufe

ab 7. Klasse

Altersempfehlung

ab 12 Jahre

Unterrichtsfächer

Sozialkunde, Ethik, Religion, Politik, Kunst

Themen

Familie, Kinder, Migration, Migrationsgesellschaft, Geflüchtete, Recht auf Asyl, Integration, Inklusion, Solidarität, Abschiebung, Freundschaft, Toleranz, Fantasie, Literaturverfilmung

Kinostart

02.09.2021

SchulKinoWochen

Inhalt


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Der achtjährige Oskar und die 13-jährige Lilli aus Tschetschenien leben seit sechs Jahren in einer engen Hochhauswohnung in Wien, haben aber wie ihre Mutter kein dauerhaftes Bleiberecht. Als die Familie wie zuvor schon der Vater abgeschoben werden soll, versucht die psychisch labile Mutter sich das Leben zu nehmen. Während sie in einer psychiatrischen Klinik untergebracht wird, trennt das Jugendamt die Kinder. Während Oskar von einem Lehrerehepaar mit kleinem Sohn aufgenommen wird, kommt Lilli zur alleinstehenden Ruth. Heimlich halten die Kinder per Handy Kontakt. Während Lilli sich in der Schule mit der übergewichtigen Außenseiterin Betty anfreundet, kümmert sich Oskar liebevoll um die an Parkinson erkrankte Mutter des Lehrers. Als die Geschwister nach langer Suche die apathisch wirkende Mutter in einer Klinik treffen, scheint diese sie nicht zu erkennen. Dennoch halten sie am gemeinsamen Ziel fest, die familiäre Einheit wiederherzustellen.

Umsetzung


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Der Film des Regisseurs Arash T. Riahi, der im Iran geboren wurde und als Achtjähriger nach Wien kam, beruht auf dem Roman "Oskar und Lilli" (1994), dessen junge Protagonisten jedoch keine Geflüchteten sind, sondern wegen der psychischen Erkrankung ihrer Mutter getrennt werden. Riahi sieht den Film als zweiten Teil einer geplanten Trilogie über Fluchterfahrungen, die mit "Ein Augenblick" (2008) begann. Das Drama ist konsequent aus der Kinderperspektive erzählt und wird getragen von den starken Kinderdarsteller*innen, die für junge Zuschauer*innen ein hohes Identifikationspotenzial entfalten. Mit Hilfe von Parallelmontagen erzählt Riahi die Stationen der Odyssee der beiden Kinder abwechselnd. Auffällig oft zeigt die dynamische Kamera die Geschwister "auf dem Kopf" stehend – eine sinnfällige Analogie, steht doch durch die Trennung auch die Welt der Kinder quasi auf dem Kopf. Vielfach konterkariert eine poetische Bildsprache im Stil des Magischen Realismus die harsche Wirklichkeit, etwa wenn Oskars Smiley-Figuren entdeckt oder er und Lilli sich Fotos mit Smileys zuschicken.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Im Film erfährt man, dass Oskar eigentlich Ortsa heißt und Lilli eigentlich Leila. Dies bietet Anlass über die Frage zu diskutieren, warum Kinder ihre Namen geändert haben. Sie stehen paradigmatisch für zwei Überlebensstrategien von Geflüchteten: Lilli hat sich mit dem Verlust der Mutter fast abgefunden und akzeptiert Ruth als Ersatzmutter, während Oskar stur an der Einheit der Familie festhält und einfallsreich auf die Wiedervereinigung hinarbeitet. Ihre divergierenden Verhaltensweisen geben Schüler*innen Anreize für einen Perspektivwechsel: Wie würden sie sich in einer solchen Extremlage verhalten? Lilli leidet unter Alpträumen, in denen ihre Familie in einem kriegszerstörten Straßenzug herumirrt. Die düster-fahlen Sequenzen verdeutlichen die Langzeitfolgen einer schweren Traumatisierung und liefern Ansatzpunkte für eine Analyse von Anspruch und Realität der deutschen bzw. europäischen Asylrechtspraxis. Die emotionale Achterbahnfahrt der Familie mündet in eine märchenhaft überhöhte Schlusswendung, die einen Funken Hoffnung vermittelt, sich aber auch als eskapistische Ausflucht deuten lässt. Wie interpretieren die Schüler*innen das Finale und welche filmischen Mittel werden dabei eingesetzt?

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor: Reinhard Kleber, 15.06.2021, letzte Aktualisierung: 16.08.2021

Regie

Arash T. Riahi

Buch

Arash T. Riahi frei nach dem Roman "Oskar und Lilli" von Monika Helfer

Darsteller/innen

Leopold Pallua, Rosa Zant, Anna Fenderl, Christine Ostermayer, Rainer Wöss, Markus Zett u. a.

Länge

102 Min

Sprachfassung

deutsche Originalfassung, barrierefreie Fassungen verfügbar

Format

digital, Farbe

FSK

ab 6 Jahre

FBW

Prädikat "wertvoll"

Verleih

Film, Kino, Text

Festivals

Filmfestival Max Ophüls Preis 2020: Publikumspreis; Filmfestival Kitzbühel: Josef Vilsmaier Preis für den besten Spielfilm; Melodist Filmfestival Kiew: Preis für beste Schauspielerin an Rosa Zant; Taormina Filmfestival: Premio Ciak Scuola Film Fest; Filmfestival Zagreb: Publikumspreis und Preis der Kinderjury; Olympisches Filmfestival Athen: Preis für den besten Spielfilm; Festival du Film pour les Enfants Montréal: Großer Preis der Kinderjury und Prix Inis für Innovation und Originalität

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