Inhalt
Dem Konzept Anthropozän zufolge ist der Mensch zum zentralen Einflussfaktor auf biologische, atmosphärische und geologische Prozesse geworden. Der Dokumentarfilm spürt vor allem letzteren Veränderungen an sieben exemplarischen Orten nach: In Kohleabbaugebieten, Marmorsteinbrüchen, Zwischenlagern für Atommüll oder auf der Großbaustelle des umstrittenen Brenner-Basistunnels formen Menschen mit Baggern, Planierraupen, Bohrmaschinen oder Dynamit die Erde um. Die Arbeiter*innen und Ingenieur*innen reflektieren die massiven Eingriffe kritisch, unterliegen oft aber auch der Faszination ihrer Tätigkeit. Im siebten und letzten Kapitel besucht eine indigenen Kanadierin abgeriegelte, durch die Ölgewinnung zerstörte Gebiete. Sie weist darauf hin, dass die Ausbeutung der Erde mit der Ausbeutung von Menschen einhergegangen ist und mahnt: „Wir sehen, wie sich Mutter Erde rächt“.
Umsetzung
Der Dokumentarfilm verzichtet auf eine Dramaturgie der Zuspitzung und des Spannungsaufbaus wie auch auf eine Rahmenhandlung. Gleichberechtigt zeigt er sieben Orte, stets eröffnet mit Vogelperspektiven aus einer scheinbar überirdischen, an Google Maps erinnernden Position, und setzt auf eine multiperspektivische Betrachtung. Allenfalls der siebte Teil stellt in Ansätzen eine Metaerzählung dar, wenn die indigene Umweltaktivistin mit ihrem spezifischen kulturellen Hintergrund die Ausbeutung der Erde reflektiert. Doch eine einfache Lösung wird durch die verschiedenen Akteur*innen und mangels einer erklärenden Off-Stimme nicht angeboten. Der Filmemacher selbst ist nur selten als Interviewer zu hören. Neben den Statements der Arbeiter*innen fängt er deren technisierte Arbeitsroutinen ein. Panoramaaufnahmen von den Landschaften illustrieren die Folgen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Anhand des Film lässt sich das Konzept Anthropozän veranschaulichen, demnach mittlerweile am massivsten der Mensch die Erde umformt. Erdveränderungen können auch im eigenen Umfeld bzw. anhand schnell sichtbarerer Phänomenen wie Flächenfraß erkundet werden. Hier liegt es nahe, Fragen der Nachhaltigkeit und des Klimawandels nachzugehen, wie z.B. den ökologischen Folgen eines Abbaus bestimmter Rohstoffe. Neben gesellschaftspolitischen können naturwissenschaftliche, speziell geografische Aspekte besprochen werden. Der siebte Teil um die indigene Umweltaktivistin mag zudem als Ausgangspunkt dienen, um indigene Kulturen und deren Unterdrückung, in der Kolonialgeschichte bis hin zur Gegenwart, zu diskutieren. Mit der Multiperspektivität und der Kamera stellt „Erde“ zudem ein interessantes Beispiel dar, um Stilrichtungen und Ästhetiken des Dokumentarfilms herauszuarbeiten.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Dr. Florian Krauß
,
02.07.2019
,
letzte Aktualisierung:
02.07.2019
Regie
Nikolaus Geyrhalter
Buch
Nikolaus Geyrhalter
Darsteller*innen
Mitwirkende: Trent Wells, Paul Mellor, Steven Kuzar, Marina Zanetti, Svyatoslav Babyuk, István Szappan, Veronika Watah, Luigi Pasquali, Franscesco Muscolini, Susana de Elio de Begny u. a.
Länge
115 Min
Format
digital, Farbe
FSK
liegt noch nicht vor
Verleih
Weltkino Filmverleih
Festivals
(Auswahl) Berlinale Forum 2019: Preis der Ökumenischen Jury, Sheffield International Documentary Festival 2019: International Award; Diagonale – Festival des österreichischen Films 2019: Bestes Sounddesign Dokumentarfilm, Buenos Aires International Independent Film Festival 2019