Inhalt
„Jedes Mädchen kann glamourös aussehen. Dazu muss es nur still stehen und dumm gucken.“ sagte Hedy Lamarr, die in den 1940er Jahre als wahrhaft glamourös angesehen wurde. Mit ihrem markanten Gesicht war der Hollywoodstar Modell für das Disney Schneewittchen und inspirierte die Comicfigur Catwoman. Tatsächlich war Hedwig Kiesler, wie die gebürtige jüdische Wienerin mit bürgerlichem Namen hieß, eine Art Superheldin, denn sie war auch eine geniale Erfinderin. Technologien wie WLAN, GPS, Bluetooth und Mobilfunk beruhen auf dem Frequenzsprungverfahren, das Hedy Lamarr mit der Intention entwickelt hat, durch funkferngesteuerte Torpedos den Zweiten Weltkrieg schneller für die Alliierten zu entscheiden. 1942 erhielt sie dafür ein Patent, aber nicht die Anerkennung, die sie sich erhofft hatte. Die Menschen wollten Hedy Lamarr ausschließlich als schöne Schauspielerin bewundern, nicht als kluge Wissenschaftlerin. „Ich glaube, im Leben spiele ich mehr als auf der Leinwand“ ist ein weiteres Zitat dieser großen Persönlichkeit, die zeitlebens darunter litt, dass sie nicht als die Frau wahrgenommen wurde, die sie wirklich war und die sich im Alter völlig aus der Öffentlichkeit und auch von ihrer Familie zurückgezogen hat.
Umsetzung
Roter Faden des Film ist ein langes Interview, das der Journalist Fleming Meeks im Mai 1990 mit Hedy Lamarr führte. Es geriet in Vergessenheit und wurde erst durch die Regisseurin Alexandra Dean wieder entdeckt. Hedy Lamarr erzählt darin offen, manchmal verletzt und mit beißendem Witz über ihr Leben. Dazwischen kommen viele weitere Menschen zu Wort: Söhne und Tochter, Enkelinnen, Biografen, Freund*innen und Weggefährten. Im Off kann man oft nicht unterscheiden, wer gerade spricht, aber die Vielstimmigkeit fügt sich zu einem harmonischen Ganzen. Auf der Bildebene gibt es Ausschnitte aus den Filmen Hedy Lamarrs, Archivbilder, Animationen und Interviewsequenzen. Das Panorama des erlebnisreichen, aber auch seltsam unerfüllten Lebens einer berühmten Schauspielerin, deren wahres Genie verkannt wurde, fasziniert so sehr, dass man manch allzu platte Illustration des Gesagten durch Filmausschnitte oder Bilder gerne verzeiht.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
„Ihre Schönheit hinderte sie daran, Wissenschaftlerin zu werden“, stellt einer von Hedy Lamarrs Weggefährten im Film fest. Ist Hedy Lamarr einfach nur zur falschen Zeit geboren? Im Unterricht kann besprochen werden, inwieweit auch heute noch Stereotype unser Blickfeld einschränken. Die Notwendigkeit vieler MINT-Initiativen zeigt, dass Geschlechterklischees in männerdominierten Wissenschafts- und Wirtschaftszweigen das Selbstvertrauen von Mädchen und Frauen beeinträchtigen. Der Film kann Schülerinnen ermutigen, ihre Neigungen zu verfolgen und auch ein sehr guter Einstieg sein, im Physik-Unterricht Interesse für das Frequenzsprungverfahren und andere Techniken gerade bei Mädchen zu wecken. Hedy Lamarr war nicht nur Schauspielerin und Erfinderin, sie war auch die erste weibliche Filmproduzentin der USA, baute das erste Luxus-Ski Resort in Aspen/Colorado, lebte als alleinerziehende Mutter – welche Persönlichkeitsmerkmale zeichnen sowohl groß Künstler*innen und Innovator*innen aus? Wie hat Lamarr selbst im Rückblick ihre Lebensleistung eingeschätzt? Was wäre aus ihrer Sicht ein gelingendes Leben gewesen?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Sabine Genz
,
27.07.2018
,
letzte Aktualisierung:
29.11.2021
Regie
Alexandra Dean
Buch
Alexandra Dean
Darsteller*innen
(Mitwirkende): Hedy Lamarr, Mel Brooks, Jennifer Hom, Anthony Loder, Wendy Colton, Fleming
Meeks, Jeanine Basinger, Peter Bogdanovich, Anne Helen Petersen, Diane Kruger u. a.
Länge
90 Min
Format
digital, Farbe
FSK
ohne Altersbeschränkung
Verleih
NFP marketing & distribution
Festivals
(Auswahl) Tribeca Film Festival 2017; San Francisco Jewish Film Festival 2017: Audience Award Best Documentary; Scottsdale International Film Festival 2017: Audience Award Best Film