Inhalt
Lara hat es geschafft. Sie ist an einer der besten Ballettschulen des Landes aufgenommen worden. Doch die 15-Jährige hat einen noch viel größeren Traum: Sie möchte endlich mit der Hormontherapie beginnen, anschließend eine geschlechtsangleichende Operation vornehmen lassen. Denn Lara sieht zwar aus wie eine junge Frau, aber sie hat immer noch den Körper eines Jungen – und den will sie schon lange nicht mehr. Ihren Penis klebt sie sich fest auf die Haut, im Spiegel überprüft sie ständig, ob sie weiblicher wird. Zugleich trainiert die Ballerina bis zur Erschöpfung. Fast scheint es, als seien ihre beiden Herzenswünsche unvereinbar, denn das harte Training setzt ihr zu. Obwohl ihr Vater vorbehaltslos hinter ihr steht, Ärzte und Psychologen für sie da sind, verschließt sich Lara zunehmend. Als ihr aus gesundheitlichen Gründen das Tanzen verboten wird, geht sie einen radikalen Schritt.
Umsetzung
Dass Lara das titelgebende „Girl“ ist, wird im Film keine Sekunde lang bezweifelt und erst nach und nach erkennt man als Zuschauer*in, dass Lara mal ein Junge war. Doch sie selbst ist es, die sich noch nicht als Frau wahrnehmen kann und auf diesen inneren Konflikt konzentriert sich der Film. Sehr behutsam kommt man der Hauptfigur näher, versteht ihre Pein und den sozialen Druck, der in der Tanzschule auf ihr lastet. Sie zieht sich auf der Toilette um, duscht nie mit den anderen, was ihre Mitschülerinnen, die von Laras Transsexualität wissen, bald zu übergriffigen Aktionen verleitet. Die Kamera rückt zudem das Körperliche, an dem für Lara so viel fest macht, in den Mittelpunkt. Und zwar nicht nur bei dem strapaziösen Tanztraining, das der Film eindringlich vermittelt, sondern auch bei der Begutachtung des eigenen Körpers. Das sensible und nuancierte Spiel von Victor Polster trägt dazu bei, dass man sich in die Figur der Lara einfühlen kann.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
„Girl“ ist die Geschichte eines Mädchens, das um sein Ich kämpft. Dabei ist die Frage interessant, welche Rolle das Geschlecht in Bezug auf die eigene Identität spielt. Hierbei bietet es sich an, den Begriff des „Geschlechts“ biologisch, gesellschaftlich, kulturell und auch persönlich zu analysieren und in Abgrenzung zu „Gender“ zu definieren. Was bedeutet es, eine Frau, ein Mann oder wie Lara transident zu sein? Als Ausgangspunkt kann die Frage dienen, ob die Schülerinnen und Schüler Lara als Mädchen oder als Junge sehen, wobei diese Wahrnehmung begründet werden sollte. Es kann sinnvoll sein, den Plot von „Girl“ nicht vorab zu erläutern, damit die Zuschauer*innen sich unvoreingenommen auf die Hauptfigur einlassen können. Diskussionswürdig ist auch Laras Entscheidung, mit der sie unwiderruflich Fakten schafft. Wie kommt es dazu und was könnte das letzte Bild von Lara bedeuten? Darüber hinaus veranschaulicht der Film anhand des intensiven Balletttrainings auch die körperlichen und psychischen Anforderungen, die an Leistungssportler*innen gestellt werden, was im Plenum kritisch diskutiert besprochen werden kann.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Kirsten Taylor
,
28.09.2018
,
letzte Aktualisierung:
28.04.2020
Regie
Lukas Dhont
Buch
Lukas Dhont, Angelo Tijssens
Darsteller*innen
Victor Polster, Arieh Worthalter, Oliver Bodart, Tijmen Govaerts, Katelijne Damen, Valentijn Dhaenens, Magali Elali u. a.
Länge
105 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Universum Film
Festivals
(Auswahl) Internationale Filmfestspiele von Cannes 2018, Sektion „Un Certain Regard“: Bester Darsteller (Victor Polster), Bestes Erstlingswerk – Caméra d’or (Lukas Dhont), FIPRESCI Preis (Lukas Dhont)