Filmplakat Glitzer & Staub

Glitzer & Staub

Deutschland 2020

Nach ihrem 2016 realisierten Dokumentarfilm „Schultersieg“ über junge Ringerinnen haben die Filmemacherinnen Anna Koch und Julia Lemke ihr neues Sujet in Texas aufgespürt: In „Glitzer & Staub“ porträtieren sie vier Bullenreiterinnen im Alter von 10 bis 17 Jahren, die sich im männlich dominierten Rodeo-Sport betätigen. Ein interessanter Dokumentarfilm, der nah bei den Protagonistinnen bleibt und zugleich allgemeingültige Beobachtungen beinhaltet.

Genre

Dokumentarfilm

Klassenstufe

ab 7. Klasse

Altersempfehlung

ab 12 Jahre

Unterrichtsfächer

Englisch, Erdkunde, Sozialkunde, Ethik, Psychologie

Themen

Mädchen, Gender/Geschlechterrollen, Sport, Leistungssport, Erwachsenwerden, Tiere, Träume, Mut, USA

Kinostart

29.10.2020

Inhalt


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In Texas leben vier Mädchen ihren Traum vom Bullenreiten, auch wenn die Disziplin als Männersache gilt. Altraykia will als erste Frau in der PBR-Liga (Professional Bull Riders) antreten. Inspiriert wurde sie von ihrer Cousine Tatyanna, die mittels Rodeo besser mit der Trauer um ihren Bruder umgehen kann. Die 10-jährige Maysun nimmt wohl auch deshalb an Turnieren teil, um ihren Vater, der lieber einen Sohn gehabt hätte, mit Pokalen und Preisgeldern zu beeindrucken. Ariyana begegnet dem Rodeo-Chauvinismus mit Entschiedenheit: „Cowgirls sind taff!“ findet sie, und tritt trotz gebrochenem Fuß bei einem Wettbewerb an. Was die vier Mädchen eint, ist ihre starke Motivation, beim körperlich sehr fordernden und gefährlichen Bull Riding mitzuhalten. Die Stiere sehen sie als „Tanzpartner“, auch mit Ziegen und Kälbern oder dem Lasso wissen sie umzugehen. In der Bewertung durch andere steht jedoch ihre Sonderrolle als Rodeo-Frau und nicht ihre sportliche Leistung als solche im Vordergrund.

Umsetzung


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Die Protagonistinnen im Alter von 10 bis 17 Jahren entdeckten die Filmemacherinnen Anna Koch und Julia Lemke in der ländlich geprägten Rodeohochburg Texas. Dort spielen konservative Rollenmodelle eine größere Rolle als in urbanen Regionen. Zugleich wachsen im Farmland naturverbundene Mädchen wie Altraykia, Tatyanna, Maysun und Ariyana heran, die zwar Respekt, aber keine Angst vor den kräftigen Bullen haben. Koch und Lemke begleiten die Mädchen im Familienalltag, beim Training auf mechanischen Stieren oder bei schweißtreibenden Wettbewerben. Die Besucher*innen der Veranstaltungen erinnern mit Stiefeln, Karohemden und Cowboyhüten an den „Marlboro Man“, was die thematisch passende Countrymusik naheliegend untermalt. Zwischen Interviews und Archivaufnahmen rückt die Kamera nah an Mensch und Tier heran, nimmt teil, beobachtet, während die Mädchen ihre (Outlaw-)Perspektive auf das Bullenreiten schildern. Dabei kommen auch ihre unterschiedlichen kulturellen Hintergründe zur Sprache, etwa der christliche Glaube in den Familien und die Navajo-Wurzeln der Native Americans Ariyana und Altraykia.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Das Thema des Films – die Anerkennungskämpfe mutiger Mädchen in einer Männerdomäne – ermöglicht ein Gespräch über Rollenbilder und die Erfüllung von Träumen unter erschwerten Bedingungen. Können Frauen bei einem Rodeo, wo sie am ehesten für die Wahl zur „Miss Rodeo“ Anerkennung ernten, mithalten? „Wenn ihr sagt ihr könnt das, dann könnt ihr das.“ erklärt der Leiter einer Theoriestunde, und überlässt den Reiterinnen den Praxisbeweis. Bei Maysuns Vater klingt das schon angestaubter: „Man wünscht sich einen Sohn,“ sinniert er, „aber ich hab eine Tochter.“ Generell fällt auf, dass die Motivation der Mädchen auch von den Eltern ausgeht, die früher teils selbst im Rodeo aktiv waren. Das kann eine Diskussion darüber anstoßen, inwiefern die familiäre Herkunft und lokale Traditionen eigene Lebensweisen prägen. Zudem unterstreicht ein Abgleich mit anderen Rodeo-Filmen wie „Junior Bonner“ (USA 1972) oder „The Rider“ (USA 2017) die männliche Dominanz in der Disziplin. Wie wird in diesen Filmen Männlichkeit inszeniert und wie setzen die Regisseurinnen Weiblichkeit in „Glitzer & Staub“ in Szene? Gibt es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede in der Inszenierung?

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor: Christian Horn, 06.10.2020, letzte Aktualisierung: 16.11.2020

Regie

Anna Koch, Julia Lemke

Buch

Anna Koch, Julia Lemke

Darsteller/innen

Maysun King , Altraykia Begay, Tatyanna Shorty Begay, Ariyana Escobedo, Trey King, Sarah King, Xavier Escobedo, Lora Johnson, Kimasha Shorty, Lance Yazzie, Jonnye Tso u. a.

Länge

97 Min

Sprachfassung

englische Originalfassung mit deutschem Voice-Over

Format

digital, Farbe

FSK

ab 6 Jahre

Verleih

Port-au-Prince-Pictures

Festivals

(Auswahl) Festival Max Ophüls Preis 2020; LUCAS – Internationales Festival für junge Filmfans 2020

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