Inhalt
Toni ist pleite und kehrt mit Mitte Ende 20 notgedrungen aus Berlin in ihr schwäbisch-bayerisches Heimatdorf Bubenhausen zurück. Trotz zweier Hochschulabschlüsse hat sie in der quirligen Metropole den beruflichen Einstieg nicht geschafft. Widerwillig zieht sie wieder bei ihren konservativen Eltern ein, die sofort beginnen, sich in ihr Leben einzumischen. Auch der geplante berufliche Neuanfang geht schief: Bei der Lokalzeitung bekommt sie nur ein Praktikum und legt sich durch eine kritische Reportage gleich mit dem Chefredakteur an. Zum Glück läuft sie der lebenslustigen Rosa über den Weg, die als Lesbe im Dorf aneckt und ebenfalls in einer Art Identitätskrise steckt. Wenn die beiden auf dem Moped nächtliche Streifzüge unternehmen, fühlt sich Toni wieder lebendig. Doch je mehr sich Rosa zu der attraktiven Toni hingezogen fühlt, desto größer werden die Spannungen.
Umsetzung
In ihrem Kinodebüt beansprucht Lisa Miller, einen "neuen Heimatfilm" zu schaffen. Dafür kehrte sie in ihr Heimatdorf zurück, wo sie den Low Budget-Film per Crowdfunding finanzierte. Fast alle Darsteller sind Laien, die Miller in Bubenhausen und Umgebung angeworben hat. Auf der Basis des eigenen Drehbuchkonzepts, das Erzählmuster des Bauerntheaters und des deutschen Heimatfilms der 1950er Jahre aufgreift, ließ sie viele Szenen von den Laien in deren Dialekt improvisieren. Einige Sequenzen wie ein nächtlicher Ausflug zu einer bierseligen Faschingsfeier oder der Umzug einer traditionellen Blaskapelle wirken geradezu dokumentarisch. Die so entstandene Mischung aus fiktionalen, improvisierten und semidokumentarischen Szenen entfaltet ein hohes Maß an Authentizität, lässt das unkonventionelle Außenseiterporträt stellenweise erfrischend, manchmal aber auch disparat erscheinen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Toni muss nach dem beruflichen Misserfolg in Berlin bei der Neuorientierung in der Heimatregion weitere Störerfahrungen hinnehmen. Dies liefert Ansatzpunkte für eine Diskussion über das Phänomen der „Generation Praktikum“. Was sind die strukturellen Gründe dafür, dass selbst hochqualifizierte junge Menschen keinen Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt finden? Oder ist Toni ein selbst verschuldeter Einzelfall? Die Diskriminierung der lesbischen Rosa durch die Dorfjugend, aber auch die Heuchelei des Pfarrers, geben reichlich Anlass, über Ausgrenzung und Intoleranz zu sprechen und Bezüge zum eigenen Erfahrungshorizont herzustellen. Warum stoßen alternative Lebensentwürfe gerade in der Provinz eher auf Widerstand? Da "Landrauschen" sich als neuer Heimatfilm"versteht, liegt es nahe, im Unterricht Gemeinsamkeiten und Unterschieden zum bundesdeutschen Heimatfilm der Nachkriegszeit zu ergründen.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Reinhard Kleber
,
02.07.2018
,
letzte Aktualisierung:
05.05.2020
Regie
Lisa Miller
Buch
Lisa Miller
Darsteller*innen
Kathi Wolf, Nadine Sauter, Heidi Walcher, Karl Fischer, Volkram Zschiesche, Rupert Markthaler u. a.
Länge
102 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung mit Dialekt
Format
digital, Farbe, Cinemascope
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
Arsenal Filmverleih
Festivals
Filmfestival Max Ophüls Preis Saarbrücken 2018: Ophüls Preis, Fritz-Raff-Drehbuchpreis und Preis der Ökumenischen Jury; Queergestreift Konstanz: Publikumspreis; ARC Festival Mainz: Best Feature; Berlinale 2018: Gast der Perspektive Deutsches Kino