Inhalt
Was tun, wenn man nicht mehr gesellschaftsfähig ist? Wenn man einer ist wie Will, der nachts aus seinen Träumen hochschreckt und laute Geräusche nicht erträgt? Der Irak-Veteran ist in die Wälder geflohen, wo er mit seiner Teenager-Tochter Tom im gut getarnten Zeltlager lebt und sie liebevoll erzieht und unterrichtet. Sie essen, was sie anbauen oder in der Natur finden. Nur ab und zu stocken die beiden in der Stadt ihre Vorräte auf. Nach einer Weile ziehen Vater und Tochter weiter, nie hinterlassen sie Spuren. Doch dann werden sie in einem Nationalpark bei Portland aufgegriffen und dem Sozialdienst anvertraut. Auf einer Tannenbaumfarm sollen der Ex-Soldat und seine Tochter sich resozialisieren mit Wohnung, Job, Schule, Gottesdienst. Doch während Tom langsam Gefallen an ihrem neuen Leben findet, fühlt sich Will gefangen. Eines Morgens ruft er seine Tochter zum erneuten Aufbruch.
Umsetzung
Toms Entwicklung steht im Mittelpunkt von „Leave No Trace“, der aus Sicht der Heranwachsenden erzählt wird. Ihr Vater – die Mutter ist offenbar gestorben – ist ihre einzige Bezugsperson, die Verbindung zu ihm fast kameradschaftlich. Trotz ihrer Verbundenheit wünscht sie sich zunehmend ein Leben in einer Gemeinschaft, was schließlich zu einem Bruch mit Will führt. Insofern kann der Film als eine Geschichte über das Erwachsenwerden gelesen werden. Zugleich richtet Regisseurin Debra Granik, wie zuvor schon in „Winter’s Bone“ (2010), ihr Augenmerk auf Menschen am Rande der US-Gesellschaft und auf die Situation von Will, der sich als Veteran nicht mehr eingliedern kann oder nicht vom sozialen Netz aufgefangen wurde. Sensibel erzählt sie von diesen Außenseitern, ohne sie je zu verurteilen. Dabei zeigt Granik deutlicher als etwa „Captain Fantastic“ (2016), welche Folgen ein Rückzug aus der Gesellschaft hat.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
„Leave No Trace“ ist ein vielschichtiger Film, der inhaltlich, aber auch formal viele Anknüpfungspunkte für den Unterricht bietet. Neben einer eingehenden Analyse der beiden Hauptfiguren und ihrer Motive kann das Gesellschaftsbild untersucht werden, das Granik in ihrem Film zeichnet und durchaus auch kritisiert. So geht etwa das US-amerikanische Freiheitsversprechen nicht auf. Das Ausscheren aus der Zivilisation wird nur bedingt zugelassen. In diesem Zusammenhang ist vertiefend auch eine Beschäftigung mit den Ideen des Schriftstellers und Philosophen Henry David Thoreau denkbar sowie mit der Rolle der Natur als Sehnsuchtsort (der im Film auch bedrohlich ist). Daneben lohnt sich eine Beschäftigung mit filmsprachlichen Aspekten. Wie wird die Wildnis, wie die Stadt oder die Baumschule dargestellt? Welche Bedeutung hat etwa die Szene, in der Tom ihren Vater furchtlos den Bienenstock zeigt?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Kirsten Taylor
,
04.09.2018
,
letzte Aktualisierung:
07.09.2018
Regie
Debra Granik
Buch
Debra Granik, Anne Rossellini nach dem Buch „My Abandonment“ von Peter Rock
Darsteller*innen
Thomasin Harcourt McKenzie, Ben Foster, Jeff Kober, Dale Dickey, Dana Millican u. a.
Länge
108 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, englische Originalfassung mit Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 6 Jahre
Verleih
Sony Pictures International Germany
Festivals
Auswahl: Independent Film Festival Boston 2018: Bestes Drama; Taormina International Film Festival 2018: Bestes Drehbuch; Seattle International Film Festival 2018; Sidney Film Festival 2018