Filmplakat Chrieg

Chrieg

Schweiz 2014

Der Schweizer Regisseur Simon Jaquemet schildert in seinem preisgekrönten Langfilmdebüt in rauen Bildern, wie ein verhaltensauffälliger Jugendlicher in einem Resozialisierungscamp in einen verführerischen Sog der Gewalt gerät. Durch den Einsatz von Laiendarstellern und einer ungestümen Handkamera gewinnt die kraftvolle Inszenierung eine hohe Authentizität und fragt, wie die Gesellschaft gefährdeten Außenseitern Halt und Orientierung vermitteln kann.

Genre

Drama, Coming-of-Age

Klassenstufe

ab 11. Klasse

Altersempfehlung

ab 16 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Sozialkunde, Ethik, Geschichte, Kunst, Darstellendes Spiel

Themen

Jugend, Erwachsenwerden, Gewalt, Kriminalität, Erziehung, Familie, Menschenrechte, Menschenwürde, Resozialisierung, Gesellschaft, Freundschaft

Kinostart

28.04.2016

Inhalt


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Der 15-jährige Matteo lebt in den Tag hinein und kommt mit seinen Eltern nicht zurecht. Als er das Baby der Mutter zu einem Spaziergang mitnimmt und es dabei verletzt wird, schiebt sein Vater Matteo in ein Erziehungscamp in den Schweizer Bergen ab. Dort soll er in drei Monate durch harte Arbeit resozialisiert werden. Doch auf dem abgelegenen Almhof führt nicht der alkoholabhängige Bauer Hanspeter das Regime, sondern drei Jugendliche. Diese demütigen Matteo immer wieder, bis sie ihn nach einer riskanten Mutprobe endlich in ihre Clique aufnehmen. Auf nächtlichen Streifzügen mit dem Auto in die nächste Stadt lebt das Quartett aufgestaute Aggressionen aus. Der Rausch der anarchistischen Gewalt wird immer zügelloser, bis Matteo ausrastet und mit Hilfe der Gruppe seinen Vater in eine Falle lockt und verprügelt.

Umsetzung


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In seinem Langfilmdebüt arbeitet der Regisseur Simon Jaquemet weitgehend mit jugendlichen Laiendarstellern, die er bei Straßencastings gefunden hat. Nur Ella Rumpf, die Darstellerin der Ali, verfügt über etwas Schauspielerfahrung. Da auch einige Erwachsenenfiguren von Laien gespielt werden, wirkt die raue Inszenierung sehr authentisch. Der dominierende Einsatz von natürlichem Licht gibt dem recht dunkel anmutenden Film, der zudem ohne Musik auskommt, eine halbdokumentarische Anmutung. Die oft eingesetzte, ungestüme Handkamera spiegelt die innere Unruhe der Jugendlichen, vor allem bei ihren nächtlichen Eskapaden und den Gewalteruptionen. Die flirrenden Aufnahmen aus der Großstadt bilden einen harten Kontrast zu den imposanten Panoramen des einsamen Hochtals, in das Matteo am Ende zurückkehrt, ohne aber eine neue Heimat zu finden.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Wie der Filmtitel signalisiert, sehen sich die jugendlichen Outcasts in einer Art Kriegszustand mit Eltern und anderen Erwachsenen. Der Film lässt dabei weitgehend offen, woher ihre offenkundige Wut auf die schweizerische Wohlstandsgesellschaft kommt. Wenn die sich selbst überlassenen Jugendlichen auf dem Hof miteinander raufen, den hilflosen Bergbauern drangsalieren oder ein gestohlenes Auto anzünden, wird deutlich, wie verzweifelt die Außenseiter nach Anerkennung und Sinngebung suchen. Jaquemet zieht am Ende eine düstere Bilanz: Von seinen Eltern kann Matteo, der vom Einzelgänger zum Schläger wird, keine Hilfe erwarten, seine Ersatzfamilie ist verschwunden. Die Utopie einer autonomen Jugendclique bietet im Unterricht Ansatzpunkte für eine Diskussion über die Gründe für die gefühlte Perspektivlosigkeit der Heranwachsenden. Zudem liegt die Frage nahe, wie desorientierte Jugendliche vor dem verführerischen Sog der Gewalt bewahrt werden können, ehe es zu spät ist.

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor: Reinhard Kleber, 28.03.2016, letzte Aktualisierung: 09.01.2019

Regie

Simon Jaquemet

Buch

Simon Jaquemet

Darsteller/innen

Benjamin Lutzke, Ella Rumpf, Ste, Sascha Gisler, John Leuppi, Livia S. Reinhardt, Ernst Sigrist, Ivana Nicolic, u. a.

Länge

108 Min

Sprachfassung

schweizerdeutsch mit deutschen Untertiteln

Format

digital, Farbe

FSK

ab 16 Jahre

Verleih

Picture Tree International

Festivals

(Auswahl) Filmfestival Max Ophüls Preis 2015: Hauptpreis und Preis für besten Nachwuchsdarsteller an Benjamin Lutzke, Schweizer Filmpreis 2015 für die beste Kamera an Lorenz Merz, Preis der Schweizer Filmkritik 2015, Marrakesch Filmfestival 2014: Preis der Jury, Darstellerpreis für Benjamin Lutzke, Bozener Filmtage 2015: Preis für den besten Spielfilm

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