Filmplakat Das melancholische Mädchen

Das melancholische Mädchen

Deutschland, Frankreich, Dänemark 2019

Warum bleiben Rollenbilder für Frauen so unbefriedigend? Erleben wir gerade ein neues Biedermeier? Gibt es echtes Leben nur noch in der Theorie? Das melancholische Mädchen sucht Antworten auf Fragen, die keiner mehr stellt – und verstört mit seiner feministischen Kapitalismuskritik nicht nur Männer. In einem kunterbunten Essayfilm, vergnüglich und provokant, begibt sich die Filmemacherin Susanne Heinrich ins Kampfgebiet zwischen Pop und Politik.

Genre

Drama, Essayfilm

Klassenstufe

ab 11. Klasse

Altersempfehlung

ab 16 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Englisch, Kunst, Philosophie, Ethik

Themen

Frauen, Gender/Geschlechterrollen, Emanzipation, Identität, Philosophie, Politik, Sexualität, Popkultur, Filmsprache

Kinostart

27.06.2019

SchulKinoWochen

Inhalt


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Das melancholische Mädchen sucht einen Schlafplatz, aber eigentlich einen Platz im Leben. Sie weiß, dass das niemanden interessiert. Melancholische Mädchen sind hübsch anzuschauen, aber langweilig. So sagt es die junge Frau in die Kamera und vielen jungen Männern, die sich durchaus für sie interessieren, aber aus den falschen Gründen. Auf der Reise von Bett zu Bett („Der neue Tourismus findet in Betten statt“) reflektiert sie ihre Situation als Frau, Sexobjekt und Schriftstellerin, die über das erste Kapitel nie hinauskommt. Zwischen Yoga-Kurs, Psychotherapie und albernen One-Night-Stands begreift sie ihr Selbstmitleid als legitimen Ausdruck ihrer Ausweglosigkeit – und als Politikum. Sie könnte darüber lachen und sagen, sie habe nur einen schlechten Tag. Aber das melancholische Mädchen lacht nie. Sie macht auch nie Witze, was allerdings ziemlich lustig wirkt.

Umsetzung


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In fünfzehn Episoden entlarvt „Das melancholische Mädchen“ das moderne Leben als leere Fassade. Folgerichtig finden die durchgespielten Szenen in Studiokulissen statt, knallige Fototapeten im Hintergrund stellen keine Illusion her, sondern bilden sie ab. Die Suche des melancholischen Mädchens nach einem Schlafplatz ersetzt denn auch bewusst keine Spielfilmhandlung, stattdessen wird in den revueartig inszenierten Begegnungen mit diversen Männern oder spirituell erleuchteten Müttern die gesellschaftskritische Theorie entwickelt. Philosophische Zitate werden zu Slogans weiblicher Selbstbehauptung. Allerdings eröffnen sich durch das an Brechts Verfremdungseffekt geschulte uneigentliche Schauspiel – alle Akteure*innen deklamieren ihren Text betont emotionslos – und die nostalgische Musikuntermalung mit Big-Band-Jazz auch Ebenen der Ironie. Meint das melancholische Mädchen alles, was es sagt? Oder ist auch die Ironie nur eine Waffe im Kampf gegen die politischen Umstände?

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Schwere diskurspolitische Fragen zu Gender und neoliberalen Anhängigkeiten serviert Susanne Heinrich mit großer Leichtigkeit. In den dargestellten Debatten um Feminismus und weibliche Selbstoptimierung, verdeutlicht etwa in einer absurden Castingshow, können sich Schüler*innen durchaus wiedererkennen. Wenn nackte Männer Posen einnehmen, die dem üblichen Werbebild von Frauen entsprechen, werden Sehgewohnheiten lustvoll persifliert. In künstlerischen Fächern lassen sich anhand der extrem stilisierten Inszenierung postmoderne Ausdrucksformen in Theater und Film sowie die Arbeit mit intertextuellen Bezügen diskutieren. Die augenzwinkernd-nostalgische Gestaltung im Gewand der Fünfzigerjahre erlaubt aber auch eine historische Betrachtung: Inwieweit haben sich Frauenbilder gewandelt? Wo stehen wir heute, zwischen Hypersexualisierung und Prüderie? Mit seinem steten Wechsel zwischen Humor und bitterem Ernst macht der Film Lust, sich mit solchen Themen zu beschäftigen. Im Zeitalter von sozialen Medien und dem allgegenwärtigen Zwang zur Selbstdarstellung sind sie aktueller denn je.

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor: Philipp Bühler, 31.05.2019, letzte Aktualisierung: 26.06.2019

Regie

Susanne Heinrich

Buch

Susanne Heinrich

Darsteller/innen

Marie Rathscheck, Nicolo Pasetti, Yann Grouhel, Nicolai Borger u. a.

Länge

80 Min

Sprachfassung

deutsche Originalfassung, auch mit englischen Untertiteln

Format

digital, Farbe

FSK

ab 12 Jahre

Verleih

Edition Salzgeber

Festivals

Filmfestival Max Ophüls Preis 2019: Bester Spielfilm, Preis der ökumenischen Jury

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