Filmplakat Der Junge mit dem Fahrrad

Der Junge mit dem Fahrrad

Belgien, Frankreich, Italien 2011

„Kein Anschluss unter dieser Nummer“: Seit Cyril im Kinderheim wohnt, erreicht er seinen Vater einfach nicht mehr. Der Elfjährige versteht nicht und begibt sich auf die Suche nach dem Verschwundenen. Der neue Film der Belgier Jean-Luc und Pierre Dardenne erzählt in der Tradition des sozialen Realismus lebensnah von der Verzweiflung eines verlassenen Kindes, das mit einer neuen Bezugsperson an seiner Seite - der Friseurin Samantha - mit Enttäuschungen umgehen lernen muss.

Originaltitel

Le gamin au vélo

Genre

Drama

Klassenstufe

ab 7. Klasse

Altersempfehlung

ab 12 Jahre

Unterrichtsfächer

Ethik, Religion, Deutsch, Französisch, Kunst, Sozialkunde/Gemeinschaftskunde

Themen

Familie, Freundschaft, Konflikt/Konfliktbewältigung, Filmgeschichte/Filmsprache

Kinostart

09.02.2012

Inhalt


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Cyril versteht die Welt nicht mehr. Bisher hat der Elfjährige beim Vater gelebt. Plötzlich wohnt er im Kinderheim, der Vater ist unbekannt verzogen und mit ihm Cyrils heißgeliebtes Fahrrad. Um den Verschwundenen zu suchen, reißt Cyril aus und lernt die Friseurin Samantha kennen. Sie organisiert nicht nur das Fahrrad zurück, sondern nimmt ihn fortan am Wochenende zu sich und macht sogar den Vater ausfindig. Doch der stößt den Sohn zurück. Die fehlende Anerkennung erhält Cyril schließlich von Wes, einem Vorstadtganoven. Dieser nutzt den Jungen allerdings aus und setzt ihn bei einem Überfall ein, der schief geht. Wieder ist es Samantha, die Cyril aus der Klemme hilft. Aber vor der Wut der Opfer kann sie ihn nicht schützen. Er muss selbst einen Weg finden, mit Enttäuschungen und Konflikten umzugehen.

Umsetzung


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In ihrem achten Film knüpft das belgische Regieduo Jean-Luc und Pierre Dardenne an den sozialen Realismus der Vorgänger an (zuletzt „Lornas Schweigen“, 2008): Wieder kreist die Geschichte um eine Figur in schwierigen sozialen Verhältnissen und spielt an realen Schauplätzen. Nüchterne Beobachtungen von Cyrils Handlungen mit Blick für Details legen dessen Verzweiflung mit visuellen Mitteln offen. Neben Großaufnahmen, die kleinste Regungen sichtbar machen, fallen zahlreiche Kamerafahrten auf, die die rastlose Suche des Jungen einfangen. Durch die sparsame Verwendung von Musikeffekten, stechen die wenigen Momente, in denen ein paar Takte aus Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 erklingen, umso mehr heraus: Sie reißen den Zuschauenden kurz aus dem Geschehen und markieren Wendepunkte, deren Emotionalität durch die Musik verstärkt wird.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Die Dardenne-Brüder beschreiben ihren Film als modernes Märchen und Samantha als gute Fee. Ob der Ausgang des Films jedoch als glücklich im Sinne eines konventionellen Happy End zu bezeichnen ist, bleibt Ansichtssache. Die Aussage der Regisseure kann also im Deutsch- oder Französisch-Unterricht diskutiert werden - sowohl in Bezug auf den Inhalt des Films als auch auf typische formale Bausteine eines Märchens. Des Weiteren liefert der Film keine psychologischen Erklärungen für das Verhalten der Figuren. Es bietet sich an, diesen Aspekt im Fach Ethik oder Religion zu vertiefen: Welche Motive könnten Cyrils Vater und Samantha antreiben? Welche von Cyrils Aktionen sind verständlich, welche nicht? Als herausragendes Beispiel für sozialen Realismus eignet sich der Film zudem, um sich im Kunstunterricht mit dieser Strömung des europäischen Autorenkinos zu beschäftigen.

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autorin: Marguerite Seidel, 16.01.2012, letzte Aktualisierung: 09.01.2019

Regie

Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne

Buch

Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne

Darsteller/innen

Thomas Doret, Cécile De France, Jérémie Renier, Egon Di Mateo, Fabrizio Rongione

Länge

87 Min

Sprachfassung

deutsche Fassung

Format

35mm

FSK

ab 12 Jahre

Verleih

Alamode Film

Festivals

Internationale Filmfestspiele von Cannes 2011: Großer Preis der Jury, Europäischer Filmpreis 2011: Bestes Drehbuch

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