Filmplakat Eine moralische Entscheidung

Eine moralische Entscheidung

Iran 2017

Als der Gerichtsmediziner Dr. Nariman in seiner Klinik einen verstorbenen Jungen sieht, befürchtet er, dessen Tod durch einen Unfall verursacht zu haben, und stellt schockiert Nachforschungen an. Der Vater des Achtjährigen, der möglicherweise selbst Schuld auf sich geladen hat, sucht die Verantwortung an anderer Stelle. Vahid Jalilvand gelingt ein nuanciertes, moralisch und emotional komplexes Drama, das einfache Täter- und Opferzuschreibungen verwirft.

Originaltitel

Bedoone Tarikh, Bedoone Emza (No Date, No Signature)

Genre

Drama

Klassenstufe

ab 10. Klasse

Altersempfehlung

ab 15 Jahre

Unterrichtsfächer

Ethik, Psychologie, Philosophie, Sozialkunde

Themen

Schuld und Sühne, Ehre, Moral, Verantwortung, Gewissen, Menschlichkeit, Trauer, Gerechtigkeit

Kinostart

20.06.2019

SchulKinoWochen

Inhalt


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Ein kleiner Zwischenfall mit großer Wirkung: Als der Gerichtsmediziner Dr. Nariman einem anderen Wagen ausweichen muss, rammt er ein Motorrad, auf dem eine vierköpfige Familie sitzt. Da der achtjährige Amir leicht am Kopf verletzt wird, rät der Pathologe dem aufwühlten Vater Moosa, sofort ins Krankenhaus zu fahren, und überreicht ihm als Entschädigung eine großzügige Geldsumme. Am nächsten Morgen trifft Nariman jedoch der Schlag, denn auf dem Autopsie-Tisch der Kollegen landet plötzlich der kleine Junge, den er angefahren hat. Obwohl kurz darauf eine Lebensmittelvergiftung diagnostiziert wird, hält der bestürzte Arzt den Unfall für die Todesursache und stellt heimlich weitere Nachforschungen an. Parallel macht Amirs Mutter Leila ihrem Ehemann schwere Vorwürfe, weil er verdorbenes Fleisch erworben hat. Moosa wiederum will sich an dem Verkäufer rächen, der in seinen Augen schuld ist.

Umsetzung


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In seinem preisgekrönten Drama erzählt der Iraner Vahid Jalilvand eine fesselnde Schuld-und-Sühne-Geschichte, die sich einfachen Urteilen versperrt. Während Nariman, von Gewissensbissen geplagt, verzweifelt nach der Wahrheit forscht und sich damit selbst in Bedrängnis bringt, versucht der von Trauer übermannte Moosa, seine mögliche Verantwortung am Tod Amirs weiterzuschieben, was zu einer Entfremdung zwischen ihm und seiner Ehefrau führt. Gewöhnliche Täter- und Opferzuschreibungen greifen hier zu kurz. Schließlich verfangen sich fast alle Beteiligten in einem Netz aus kleinen, falschen Entscheidungen, die sich zu einer tragischen Abwärtsspirale verdichten. Gerade weil die Inszenierung auf Effekthascherei verzichtet, wirken die eindringlichen Gefühlsausbrüche umso stärker nach. Erwähnenswert ist sicher auch, dass Jalilvand das Ende offen hält und damit zum Meinungsaustausch anregt.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Vahid Jalilvands Drama, das eine tragische Kettenreaktion illustriert, lässt sich für eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema „Schuld“ heranziehen. Diskutieren könnte man dabei etwa folgende Fragen: Was macht die klare Zuschreibung von Verantwortung im Film so schwer? Wie unterschiedlich gehen die Protagonisten mit ihren möglichen „Verfehlungen“ um? Und wäre der Abwärtsstrudel vielleicht zu stoppen gewesen, wenn eine der Figuren an einer Stelle eine andere Entscheidung getroffen hätte? In psychologischer Hinsicht bietet die Geschichte spannende Ansatzpunkte, da vor allem Narimans Selbstzweifel intensiv beleuchtet werden. Auf filmsprachlicher Ebene kann man erörtern, wie das Zusammenspiel zwischen der unaufgeregten, konzentrierten Inszenierung und den eindringlichen Darbietungen dem Ganzen zu einer nuancierten emotionalen Ausdruckskraft verhilft.

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor: Christopher Diekhaus, 29.05.2019, letzte Aktualisierung: 14.06.2019

Regie

Vahid Jalilvand

Buch

Vahid Jalilvand, Ali Zarnegar

Darsteller/innen

Amir Aghaee, Navid Mohammadzadeh, Zakieh Behbahani, Hediyeh Tehrani, Saeed Dakh, Alireza Ostadi u. a.

Länge

104 Min

Sprachfassung

deutsche Fassung, Originalfassung in Farsi mit deutschen Untertiteln

Format

digital, Farbe

FSK

ab 12 Jahre

Verleih

farbfilm verleih

Festivals

(Auswahl): Filmfestspiele Venedig 2017, Sektion Orizzonti: Preise für beste Regie, bester Hauptdarsteller; Chicago International Film Festival 2017: Preis für beste Regie; Fajr International Film Festival 2017: Preise für beste Regie, bester Nebendarsteller, bester Sound-Mix; Filmfest Hamburg 2017; Istanbul International Film Festival 2017; International Film Festival Rotterdam 2018; Sydney Film Festival 2018

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