Filmplakat In den Gängen

In den Gängen

Deutschland 2018

Gabelstapler im Walzertakt, schüchterne Liebe zwischen Getränkeabteilung und Tiefkühlkost: Thomas Stubers Verfilmung einer Kurzgeschichte von Clemens Meyer („Als wir träumten“) begeistert als stilles Porträt der modernen Arbeitswelt. Im kalten Neonlicht eines Großmarkts in der ostdeutschen Provinz pflegt die Belegschaft ein aus der Zeit gefallenes Modell der Solidarität. Für den schweigsamen Anfänger Christian wird der abgeschlossene Kosmos zur neuen Heimat.

Genre

Literaturverfilmung, Drama

Klassenstufe

ab 9. Klasse

Altersempfehlung

ab 14 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Sozialkunde, Geschichte, Kunst, Darstellendes Spiel, Berufsorientierung, Arbeitslehre/WAT

Themen

Arbeit, Solidarität, Teamwork, Liebe, Musik, Strafvollzug, Resozialisierung, neueste Deutsche Geschichte nach 1989

Kinostart

24.05.2018

Inhalt


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Als „Frischling“ beginnt Christian seine neue Arbeit in einem Großmarkt, Abteilung Getränke. Vom erfahrenen Bruno lernt er die Tipps und Tricks der Warenverräumung, und meistert nach anfänglichen Schwierigkeiten auch die Millimeterarbeit mit dem Gabelstapler. Während er mit Marion aus der Süßwarenabteilung, selbstbewusster und vor allem redseliger als ihr neuer Kollege, schüchterne Bande knüpft, intensiviert sich auch die Freundschaft mit Bruno. Man geht nun nach der Arbeit zusammen einen trinken. Von Bruno erfährt Christian auch, dass Marion verheiratet ist. Wie sich herausstellt, hat jeder in der Belegschaft seine Geheimnisse.

Umsetzung


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Die strenge Geometrie eines typischen Großmarkts wird in Thomas Stubers Verfilmung einer Kurzgeschichte von Clemens Meyer zur sinnlichen Erfahrung. Präzise Kamerafahrten folgen dem surrenden Ballett der Gabelstapler durch endlose Gänge, gelegentlich begleitet von Walzerklängen aus der Lautsprecheranlage. Die Monotonie der Arbeitsprozesse erhält dank der surrealen Inszenierung eine stille Komik und zugleich Würde. Im flackernden Neonlicht ihrer sterilen Umgebung – Christian arbeitet Nachtschicht und sieht selten das Tageslicht – pflegen die schweigsamen Charaktere ein distanziertes Miteinander, machen zusammen Pause, helfen einander. Manche privaten Dinge werden geteilt, andere nicht. Damit kann sich Christian, der als Jugendlicher eine Haftstrafe verbüßte, gut arrangieren. Auf melancholische Art und Weise findet der Einzelgänger, der sich zum Schlafen in eine karg eingerichtete Plattenbauwohnung zurückzieht und mit seinen alten Freunden nichts zu tun haben will, hier ein neues Zuhause.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Mit empathischem Blick und trockenen Dialogen widmet sich „In den Gängen“ ganz der Arbeitswelt, ein im heutigen Kino stark vernachlässigtes Sujet. Im Vordergrund steht weniger die romantische Handlung als die berufliche Praxis – inklusive Weiterbildungskursen und „Staplerschein“. Im Unterricht können die arbeitsteiligen Hierarchien analysiert werden, aber auch der Gedanke einer kollektiven Solidarität, der hier von einem großartigen Schauspielerensemble geradezu vorgelebt wird. In Leipzig, Wittenberg und Bitterfeld gedreht, informiert der Film auch über die spezifischen ökonomischen Verhältnisse in der ostdeutschen Provinz – die Charaktere sind „Wendeverlierer“, die ihre neue Arbeit in einem seelenlosen Großbetrieb als Herabstufung betrachten. Wie dieser Betrieb – auch musikalisch – inszeniert wird, ist ein interessantes Thema in den künstlerischen Fächern. In der Figurenanalyse kann zudem auf Christians Resozialisierung eingegangen werden.

Veranstaltungen


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Kinofinder: www.kinofenster.de

Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor: Philipp Bühler, 02.05.2018, letzte Aktualisierung: 20.06.2018

Regie

Thomas Stuber

Buch

Clemens Meyer, Thomas Stuber

Darsteller/innen

Franz Rogowski, Sandra Hüller, Peter Kurth, Henning Peker, Sascha Nathan u. a.

Länge

125 Min

Sprachfassung

deutsche Originalfassung

Format

digital, Farbe

FSK

liegt noch nicht vor

FBW

Prädikat "besonders wertvoll"

Verleih

Zorro Film

Festivals

Berlinale 2018: Gilde-Filmpreis, Preis der Ökumenischen Jury für Thomas Stuber; Deutscher Filmpreis 2018: Beste männliche Hauptrolle (Franz Rogowski); Deutscher Drehbuchpreis 2015

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