Filmplakat Leto

Leto

Russland, Frankreich 2018

Welche Rolle spielte Rockmusik in einem Staat, der auf die unbedingte Kontrolle seiner Bürger*innen ausgerichtet war und bei Konzerten peinlich genau darauf achtete, dass ja niemand im Publikum von seinem Sitz aufsprang? Welche Macht entfaltete diese Musik und welche Freiräume eroberte sie? Und was passiert, wenn die Passagiere einer Leningrader Straßenbahn in einem Sommer Anfang der 1980er Jahre plötzlich anfangen "Passenger" von Iggy Pop zu singen?

Genre

Drama, Musikfilm

Klassenstufe

ab 10. Klasse

Altersempfehlung

ab 15 Jahre

Unterrichtsfächer

Musik, Russisch, Politik, Kunst, Philosophie, Ethik

Themen

Musik, Jugend/Jugendkultur, Subkultur, Kommunismus, Sowjetunion, Liebe, Freundschaft, Idole

Kinostart

08.11.2018

Inhalt


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Vom Westen inspirierte Rockmusik war in der UDSSR zu Beginn der 1980er Jahre, der Vor-Perestroika-Zeit, nur in einem sehr eng gesteckten Rahmen möglich. Doch es gab Nischen im System und Menschen, die sie für sich nutzten. Eine solche ist der Leningrader Rockklub, wo der schon recht bekannte Rocksänger Mike Naumenko des Öfteren auftritt. Im Verlauf eines Sommers wächst eine Freundschaft zwischen ihm und dem sensiblen Nachwuchssänger Viktor Zoi. Mike Naumenko verhilft dem Jüngeren und seiner Band "Kino" zu ersten Auftritten. Auch Mikes Frau Natascha wirft ein Auge auf den zukünftigen Star. Zwischen ihr und Viktor entspinnt sich eine zarte Liebelei. „Leto" (russisch: Sommer) ist eine Hommage an diese Zeit, ihre musikalischen Helden und das Lebensgefühl in der Leningrader Underground-Rockszene zwischen Bohème und Kommunalka. Die sowjetische Normen in Frage stellende Rockmusik fungiert dabei auch als Vorbotin der bevorstehenden Perestroika.

Umsetzung


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Die Hauptrolle in "Leto" spielt zweifelsohne die Musik. Sowohl östliche wie auch westliche Rockkünstler werden im Film gefeiert. Es gelingt ihm hervorragend, die anarchische Kraft ihrer Musik in originelle Bilder zu übersetzen. Dafür wird die eigentliche Handlung immer wieder durch surreale, clipartige Einschübe unterbrochen. Verstärkt werden diese Szenen durch wild wuchernde Animationen und Kommentare. Lakonischer Humor wechselt mit sehr poetischen Sequenzen. Es geht Kirill Serebrennikow augenscheinlich nicht um höchstmögliche historische Authentizität – die Handlung beruht auf den Erinnerungen Natascha Naumenkos – als um die Illustration eines gesellschaftlichen und privaten Schwebezustandes. „Leto" spielt bevor die Entwicklungen ihre Form annahmen: Als für einen kurzen Moment alles möglich schien und niemand die kommenden Tragödien ahnte. – Zoi und Naumenko starben beide 1990/91 sehr jung, etwa zeitgleich zerfiel die UDSSR.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Der Film lädt ein, die Sowjetunion jenseits bekannter Stereotype zu entdecken – sowohl musikalisch als auch geschichtlich und gesellschaftlich. Viktor Zoi genießt noch im heutigen Russland quasi Heiligenstatus, Mike Naumenkos Band "Zoopark" zählt zu den Begründern des russischen Rock. Die ausgefeilte Lyrik ihrer Songs kann im Russischunterricht untersucht werden. Das angespannte Verhältnis von Künstlern zur Staatsmacht ist nicht nur ein Thema des Films, es verdeutlicht sich auch in der Person des Regisseurs selbst: Kirill Serebrennikow befindet sich seit August 2017 unter Hausarrest. Ihm wird die Veruntreuung öffentlicher Gelder vorgeworfen. Sein Prozess begann Mitte Oktober 2018. Presseberichte vermuten, dass ein Exempel an dem offen homosexuell lebenden Künstler statuiert werden soll, der sich in seinen Film und Theaterarbeiten häufig gesellschaftskritisch äußert.

Veranstaltungen


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Kinofinder: www.kinofenster.de

Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Downloads

FilmTipp_Leto.pdf

Autorin: Dörthe Gromes, 22.10.2018, letzte Aktualisierung: 12.11.2018

Regie

Kirill Serebrennikow

Buch

Mikhail Idov, Lily Idova, Kirill Serebrennikow

Darsteller/innen

Roma Zver, Irina Starshenbaum, Teo Yoo u. a.

Länge

128 Min

Sprachfassung

deutsche Fassung, russische Originalfassung mit Untertiteln

Format

digital, schwarz-weiß, Cinemascope

FSK

ab 12 Jahre

Verleih

Weltkino

Festivals

Internationale Filmfestspiele Cannes 2018: Cannes Soundtrack Award 2018, Filmfest Hamburg 2018, Filmfest Cottbus 2018, Film Festival Cologne 2018, exground Wiesbaden 2018, Zurich Film Festival 2018

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