Filmplakat Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm

Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm

Deutschland, Belgien 2018

Nach dem Welterfolg der "Dreigroschenoper" will die Filmindustrie den Autor des Stücks für sich gewinnen. Doch dessen Vorstellung eines "Dreigroschenfilms" ist radikal, kompromisslos, politisch pointiert. Es kommt zu einem Prozess, den Brecht als "Inszenierung der Wirklichkeit" feiert, aus dem Filmprojekt steigt er aus. Aus diesen historischen Fakten als Rahmenhandlung entwickelt Joachim A. Lang einen Dreigroschenfilm, wie ihn Brecht vielleicht erträumte.

Genre

Drama, Musikfilm

Klassenstufe

ab 10. Klasse

Altersempfehlung

ab 15 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Politik, Geschichte, Darstellendes Spiel, Kunst, Musik, Sozialkunde

Themen

Episches Theater, Gesellschafts-/Kapitalismuskritik, Produktionsbedingungen von Film, Rezeptionsästhetik, U- und E-Musik, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Urheberrecht, Inszenierungen der Wirklichkeit, Fiktion und Realität, Adaption

Kinostart

13.09.2018

SchulKinoWochen

Inhalt


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Erzählt wird die Geschichte eines nie gedrehten Films: die von Bertolt Brecht geplante Verfilmung der Dreigroschenoper. Zu sehen sind die Konflikte und die gerichtliche Auseinandersetzung mit der produzierenden Nero-Film AG, aber auch, wie die Verfilmung hätte aussehen können: eine Transformation des Brechtschen epischen Theaters ins Medium Film. Inmitten eines furiosen Mix der Ebenen und Elemente - Musik, Tanz, Zeitdokumente, Theater im Film, Film im Film - stellt Brecht als agierende Figur die großen gesellschaftlichen Fragen, die heute so aktuell sind wie damals. Alles was Brecht im Film sagt, beruht auf Zitaten aus seinem Werk und Leben. Während er dem Produzenten den Dreigroschenplot mit Worten aus dem Original-Filmexposé schildert, entsteht dieser Film tatsächlich auf der Leinwand, wird immer wieder angehalten, korrigiert und neu weitergesponnen.

Umsetzung


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Die verschiedenen Ebenen des Films sind kunstvoll und mit einigem Witz miteinander verschränkt. Obwohl die einzelnen Erzählfäden – in der Hauptsache die der Rahmenhandlung, der theatralen Inszenierungen und des visionierten Dreigroschenfilms – immer wieder unterbrochen werden, zieht sich dennoch dank vielfacher Querbezüge, thematischer wie personeller Art, ein Spannungsbogen vom Anfang bis zum Ende, fast wie der einer linear forttreibenden Geschichte. Der Film reflektiert sich selbst und seine Produktionsbedingungen und fordert auch vom Publikum Selbstreflexion. Wenn Brecht auf der Leinwand mit dem Filmproduzenten darüber streitet, was das Publikum möchte und was es bekommen sollte, wirft das nicht nur die Frage auf, wo man sich selbst als Zuschauer*in positioniert, sondern auch mit welcher Haltung man im Moment diesen Film sieht, dessen Protagonist Brecht einen immer wieder auch direkt anspricht.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Der Film eignet sich sehr gut als Einstieg in das Konzept des epischen Theaters im Unterschied zu illusionistischen Darstellungen. Denn nicht nur das "Wie", auch das "Warum" wird anschaulich. Daran anknüpfend können Medienunterschiede und -umbrüche untersucht und ein Blick in die Zukunft gewagt werden: Wird die Illusionskraft einer virtuellen Realität derjenigen des Films einmal überlegen sein? Wird dann der Film - wie zuvor die Malerei und das Theater - nach neuen Ansätzen jenseits des Illusionismus suchen? Diskutiert werden kann auch die von Brecht sogenannte "Inszenierung der Wirklichkeit", als die er seinen Prozess gegen die Nero-Film AG sah. (Vergleiche dazu Brecht: "Der Dreigroschenprozeß") Heute finden Inszenierungen der Wirklichkeit vielfach statt. Wann tritt dadurch Wahrheit ans Licht, wie Brecht in seinem Fall meint, wann wird sie vertuscht? Musikalisch bietet sich ein Vergleich mit der Vorlage "The Beggar's Opera" an.

Veranstaltungen


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Rechtzeitig vor Filmstart erscheint ein Filmheft mit Materialien für den Unterricht von VISION KINO und Wild Bunch Germany.

Autorin: Susanne Berkenheger, 01.07.2018, letzte Aktualisierung: 07.09.2018

Regie

Joachim A. Lang

Buch

Joachim A. Lang

Darsteller/innen

Lars Eidinger, Tobias Moretti, Hannah Herzsprung, Joachim Król, Claudia Michelsen, Britta Hammelstein, Robert Stadlober, Peri Baumeister, Christian Redl u. a.

Länge

130 Min

Sprachfassung

deutsche Originalfassung, barrierefreie Fassungen verfügbar

Format

digital, Farbe

FSK

ab 6 Jahre

FBW

Prädikat "besonders wertvoll"

Verleih

Wild Bunch Germany

Festivals

Eröffnungsfilm Filmfest München 2018

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