Filmplakat Nur eine Frau

Nur eine Frau

Deutschland 2018

Aynur ist eine Frau und ihr Verhalten deshalb ein Problem für die Familie: Sie befreit sich aus einer Zwangsheirat, zieht mit ihrem Sohn in eine eigene Wohnung, erlernt einen Beruf, legt das Kopftuch ab, verliebt sich in Tim. Jeder selbstbestimmte Schritt bringt Schande über die Familie. Das bezahlt sie mit ihrem Leben. Als fiktionales Werk mit dokumentarischen Elementen erzählt der Film die Geschichte von Hatun "Aynur" Sürücü, die 2005 Opfer eines Ehrenmordes wurde.

Genre

Drama mit dokumentarischen Elementen

Klassenstufe

ab 9. Klasse

Altersempfehlung

ab 14 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Religion, Ethik, Sozialkunde, Politik, Kunst, fächerübergreifend: Demokratieerziehung, Bildung zur sexuellen Selbstbestimmung

Themen

Familie, Islam, Diskriminierung, Ehrenmord, Emanzipation, Frauenrechte, Identität, Integration, Mädchen und Frauen, Rollenbilder, Tod/Sterben, Werte

Kinostart

09.05.2019

SchulKinoWochen

Inhalt


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Aynur ist eine Frau. Nur eine Frau. In ihrer sunnitisch-kurdischen Familie sind Frauen Besitz des Mannes – Tochter des Vaters, Schwester des Bruders, Frau des Mannes. Sie haben sich unterzuordnen. Aber Aynur hat einen eigenen Willen: Sie ist selbstbewusst, lässt sich nicht gefallen, dass ihr Ehemann sie schlägt, befreit sich aus einer Zwangsheirat. Sie zieht mit ihrem Sohn in eine eigene Wohnung, macht ihren Schulabschluss und wird Elektroinstallateurin. Sie legt das Kopftuch ab, geht tanzen und liebt einen Deutschen. Sie lebt ihr Leben. Doch jeder ihrer entschlossenen Schritte in Richtung Emanzipation ist ein Bruch mit den Traditionen, bringt Schande über die Familie. In den Augen ihrer Brüder ist sie eine Gefahr. Auf Beleidigungen folgen regelmäßige Drohanrufe. Bis zuletzt kämpft sie gegen und für die Familie zugleich: gegen die Unterdrückung durch ihre Brüder, aber auch dafür, dass ihre Familie sie als selbstbestimmte Frau anerkennt. Am Ende gewinnen Familie und Tradition: Aynur wird auf offener Straße von ihrem Bruder erschossen. Nur, weil sie als Frau gelebt hat.

Umsetzung


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Der Film erzählt die Geschichte der Berlinerin Hatun „Aynur“ Sürücü, die 2005 einem Ehrenmord zum Opfer fiel. Um ihr Schicksal auf der Leinwand zu erzählen hat, sich Regisseurin Sherry Hormann für eine wirkungsvolle Gattungsmixtur entschieden: Als reflektierte Ich-Erzählerin lässt sie Aynur rückblickend ihre eigene Geschichte erzählen und die Zuschauer*innen mittels Spielfilmszenen in ihr Leben eintauchen. Mit Archivmaterialien, privaten Film- und Fotoaufnahmen oder Texttafeln wird die Binnenhandlung objektivierend gerahmt. Szenen, die in schnell aufeinanderfolgenden Standbildern aufgelöst sind, lassen uns Lebensmomente – Tatorten gleich – unter die Lupe nehmen und hinterfragen. Peu à peu entsteht damit ein filmisches Werk, das ganz bewusst mit der Distanz journalistischer Meldungen bricht und das Publikum persönlich berühren möchte. Zugleich entzieht die Machart seinem Publikum dabei jedoch die Möglichkeit eines vollständigen, fiktionalen Eintauchens und fordert fortwährend zur Kontextualisierung auf.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Die strukturgebende Einbettung von Texttafeln mit Verhaltensbeispielen, die einen Ehrenmord nach sich ziehen können, lässt dramaturgische Schlüsselszenen erarbeiten, einordnen und diskutieren. Die Thematisierung patriarchal geprägter (Familien-)Strukturen und damit verknüpfte Diskriminierung, die Hinterfragung von Wertvorstellungen in verschiedenen gesellschaftskulturellen Ordnungen oder die Auseinandersetzung mit Begriffen wie Ehre und Moral schließen sich an. Traditionelle Zwänge und Rollenbilder, die sich in erster Linie für Frauen, aber ebenso auch für Männer ergeben, können gleichermaßen aufgeschlüsselt werden wie Möglich- und Notwendigkeiten der Emanzipation. Als eine auf einer wahren Begebenheit beruhenden Erzählung, die Inszeniertes und Dokumentarisches konstant verwebt, erfordert „Nur eine Frau“ fundierte filmische Analysearbeit. Neben der Untersuchung der Material-Mischung können die emotionalisierende wie objektivierende Aussagekraft der Bild- und Tonelemente durchleuchtet, ihre Wirkungsmechanismen ergründet und Bezüge zu und Abgrenzungen von den Möglichkeiten journalistischer Berichterstattung herausgearbeitet werden.

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autorin: Lisa Haußmann, 15.04.2019, letzte Aktualisierung: 26.06.2019

Regie

Sherry Hormann

Buch

Florian Oeller

Darsteller/innen

Almila Bagriacik, Meral Perin, Rauand Taleb, Armin Wahedi, Mürtüz Yolcu, Mehmet Atexci, Aram Arami, Merve Aksoy, Jacob Matschenz u. a.

Länge

92 Min

Sprachfassung

deutsch-türkische Originalfassung

Format

digital, Farbe

FSK

ab 12 Jahre

Verleih

NFP marketing & distribution

Festivals

Weltpremiere: Tribeca Film Festival New York 2019

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