Filmplakat zu "Zwei Tage, eine Nacht"

Zwei Tage, eine Nacht

Belgien, Frankreich, Italien 2014

Nur ein Wochenende bleibt Sandra, um ihre Entlassung rückgängig zu machen – die eigenen Kollegen stimmten gegen sie, für eine Prämie von 1.000 Euro. In einem intensiven Drama ohne Schuldzuweisungen veranschaulichen die Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne komplexe ökonomische Zusammenhänge anhand eines Einzelschicksals und entfalten dabei ein Panorama der Arbeitsgesellschaft zwischen finanziellen Nöten und bröckelndem sozialem Zusammenhalt.

Originaltitel

Deux jours, une nuit

Genre

Drama

Klassenstufe

ab 11. Klasse

Altersempfehlung

ab 16 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Französisch, Sozialkunde, Politik, Wirtschaft, Ethik, WAT/Arbeitslehre

Themen

Arbeit, Wirtschaft, Depressionen, Familie, Solidarität

Kinostart

30.10.2014

Inhalt


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IAn einem Freitagnachmittag kommt die böse Nachricht: Sandra, Angestellte eines mittelständischen Solarbetriebs, ist entlassen. Mit dem Versprechen einer Prämie von je 1.000 Euro votierte die Belegschaft gegen ihre Weiterbeschäftigung. Sandra, die schon vorher unter Depressionen litt, ist am Boden zerstört, sieht ihr fragiles Lebensmodell als Ehefrau und Mutter zweier Kinder gescheitert. Doch mithilfe einer Kollegin erzwingt sie eine zweite Abstimmung. Ein Wochenende bleibt ihr Zeit, um jede Kollegin und jeden Kollegen einzeln aufzusuchen und umzustimmen. Dabei ist ihr bewusst, wieviel sie mit ihrem Appell von den anderen verlangt. Unter prekären ökonomischen Bedingungen sind 1.000 Euro viel Geld. Doch es gibt auch Solidarität.

Umsetzung


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In ihrem bisher zugänglichsten Film verfolgen die belgischen Regie-Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne den Weg ihrer Hauptfigur mit viel Empathie und verzichten auf Schuldzuweisungen. Ruhig und respektvoll heftet sich die für sie typische Handkamera an jeden Schritt Sandras, die sich vor jedem Klingelschild überwinden muss, ihre Verzweiflung kaum im Zaum hat. Die Gespräche verlaufen annähernd wortgleich: „Versteh doch auch meine Situation“ und „Nimm’s mir nicht übel“ sind wiederkehrende Floskeln. Während die einfache Handlung immer mehr an Spannung gewinnt, entwickelt sich von Tür zu Tür ein geschickt montiertes Panorama der Arbeitsgesellschaft, des unteren Mittelstands in seinem täglichen Ringen um die eigene Existenz. Auf Musik wird nahezu verzichtet, lediglich das Autoradio dient gelegentlich als Stimmungsbarometer. Besonders faszinierend zu beobachten ist, wie der Weltstar Marion Cottillard in der Rolle der kleinen Angestellten verschwindet und Sandras Gefühle in feinen Nuancen an das Publikum weitergibt.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Mit einem mikroökonomischen Einzelbeispiel direkt aus dem Arbeitsleben veranschaulicht der Film den makroökonomischen Zusammenhang: Die überspitzt klingende Alternative „Geld oder Job“ findet sich in jedem Tarifstreit, wenn Arbeitgeber drohende Entlassungen oder „betriebsbedingte Kündigungen“ mit dem Druck höherer Löhne begründen. Einen Betriebsrat, der Sandra zur Seite stehen könnte, gibt es nicht. Diskussionen über die Notwendigkeit gewerkschaftlicher Organisation und Solidarität lassen sich hier nahtlos anschließen. Im persönlichen Schicksal der Hauptfigur kommt jedoch eine Fülle von Themen plastisch zur Sprache: Depressionen, Überlastung in Arbeit und Familie, Konkurrenzdruck und die Erosion sozialen Zusammenhalts sind sichtbare Symptome der kapitalistischen Krisengesellschaft. Wo endet die Solidarität, wo beginnt der Eigennutz? In Gruppenarbeit können die Schülerinnen und Schüler ähnliche Situationen kreieren und herausfinden, wie sie selbst abgestimmt hätten.

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor: Philipp Bühler, 20.09.2014, letzte Aktualisierung: 02.06.2016

Regie

Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne

Buch

Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne

Darsteller/innen

Marion Cotillard, Fabrizio Rongione, Pili Groyne, Simon Caudry, Catherine Salée u.a.

Länge

95 Min

Sprachfassung

deutsche Fassung, französische Fassung

Format

digital, Farbe

FSK

ab 6 Jahre

Verleih

Alamode Film

Festivals

Internationale Filmfestspiele Cannes 2014

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