Inhalt
Ein grauer Winter in Brandenburg. Katja, Sascha, Benni, Laila und Schöller steht ein Abschied bevor. Bald haben sie das Abi in der Tasche, nach dem Jahreswechsel werden sich ihre Wege trennen. Wohin es geht und was die Zukunft bringt, ist noch ungewiss, nur der Tatendrang sprudelt schon. Für den Moment lassen Katja und ihr bester Freund Sascha den Dampf beim Ju-Jutsu-Training ab und fügen sich auch außerhalb der Halle Prellungen und Verletzungen zu. Die Clique hängt im kargen Plattenbau-Apartment von Benni ab, der bereits allein lebt. Man kifft, zockt, hört Musik, langweilt sich. Anders als Katja und Sascha wirkt Benni labil, wenn er Sinnfragen stellt und exzessiv trinkt. Schröder will einfach normal sein, seine Freundin Laila leidet unter ihrer gewalttätigen Mutter. Die Jugendlichen sind durch ihre gemeinsame Vergangenheit in der Provinz verbunden, wo sie an der Schwelle zum Erwachsensein nichts mehr erwartet.
Umsetzung
Der Coming-of-Age-Film „Nackte Tiere“ der dffb-Absolventin Melanie Waelde lief in der neu gegründeten Berlinale-Sektion Encounters, die „ästhetisch und strukturell wagemutige Arbeiten“ programmieren will. Tatsächlich erfüllt das unabhängig und im ungewöhnlichen 6:5-Format gedrehte Kinodebüt die Kriterien sehr gut. Waelde hat junge Darsteller:innen gecastet, die die knappen Dialoge und das teils nur angedeutete Beziehungsgeflecht plastisch vermitteln. Im Fokus stehen die Bindungen der impulsiven Katja zu Sascha und Benni, die sehr unterschiedlich sind. Der Kameramann Fion Mutert folgt den Bewegungen der Jugendlichen per Handkamera, schwenkt, rückt nah ran. Die dynamischen Bilder und harten Schnitte wirken mitunter dokumentarisch, was einen Kontrast zum sonstigen Stilwillen erzeugt. Dass sich der sprunghafte Plot mit der Zeit verläuft, spiegelt die von Unbestimmtheit geprägte Lebensphase der Charaktere.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Einen ersten Anknüpfungspunkt liefert das Setting in einem nicht näher benannten brandenburgischen Landkreis (gedreht wurde im Raum Dahmeland-Fläming). Wie sehen die Perspektiven von Schulabgänger:innen in ländlichen und urbanen Regionen aus, worin unterscheiden und ähneln sich die Jugenderfahrungen? Vor allem verhandelt Melanie Waelde universelle Themen rund um das Ende der Jugendzeit, das mit Abschied, Abgrenzung und der Erwartung einer unbekannten Zukunft einhergeht. Katja findet im Zusammenhalt der ruppigen Clique Halt, während ihre Eltern – wie die der anderen – weitgehend abwesend sind. Was zeichnet die Gruppendynamik aus, wie funktioniert die Dreierkonstellation zwischen Katja, Sascha und Benni? Das fast quadratische Bildformat bietet einen Anlass, die Reibung zwischen Inhalt und Form zu analysieren. Wie beeinflusst der verengte Bildausschnitt den Blick? Auffällig ist auch, dass „Nackte Tiere“ anders als die meisten Jugendfilme im Winter spielt, was die Stimmung ebenfalls prägt.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Christian Horn
,
21.08.2020
,
letzte Aktualisierung:
25.09.2020
Regie
Melanie Waelde
Buch
Melanie Waelde
Darsteller*innen
Marie Tragousti, Sammy Scheuritzel, Michelangelo Fortuzzi, Luna Schaller, Luna Arwen Krüger, Paul Michael Stiehler, Katrin Beckmann, Ulrike Hübschmann, Markus von Lingen
Länge
83 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
déjà-vu Film
Festivals
Berlinale 2020: Lobende Erwähnung der Jury „Preis Bester Erstlingsfilm der GWFF“