Filmplakat Niemals Selten Manchmal immer

Niemals Selten Manchmal Immer

USA 2020

Abtreibung ist in den USA zwar legal, aber an manchen Orten nur schwer zugänglich. Die 17-jährige Autumn fährt mit ihrer Cousine von Pennsylvania bis nach New York, um einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen. Der auf der Berlinale prämierte Jugendfilm von Eliza Hittman ist leises, realistisches Kino – und trifft im US-Wahljahr 2020 auch politisch einen Nerv.

Originaltitel

Never Rarely Sometimes Always

Genre

Drama, Coming-of-Age

Klassenstufe

ab 9. Klasse

Altersempfehlung

ab 14 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Englisch, Kunst, Ethik, Religion, Sozialkunde, Politik

Themen

Frauenrechte, Abtreibung, USA, Erwachsenwerden, Familie, Solidarität

Kinostart

01.10.2020

Inhalt


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Die 17-jährige Autumn ist schwanger. Ihre Familie weiß davon nichts, aber sie selbst ist sich sicher, dass sie noch kein Kind bekommen will. „Gibt es eine Möglichkeit, dass positiv doch negativ sein könnte?“, fragt sie ihre Frauenärztin nach dem Schwangerschaftstest. Als Antwort zeigt diese ihr ein Video mit dem Titel „Hard Truth“. Im US-Bundesstaat Pennsylvania sind Abtreibungen nicht verboten, werden aber nur an wenigen Orten durchgeführt – und bei Minderjährigen nur mit Zustimmung der Eltern. Deshalb fährt Autumn heimlich mit ihrer Cousine Skylar nach New York. Nachdem die Mädchen ihr gesamtes Bargeld für den Schwangerschaftsabbruch in einer Klinik aufgebraucht haben, müssen sie notgedrungen eine Nacht in Malls, U-Bahnhöfen und Spielhallen verbringen. Mehrfach werden sie damit konfrontiert, wie Männer auf verschiedene Art Macht über den Körper von Frauen beanspruchen.

Umsetzung


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Die Regisseurin Eliza Hittman hat schon in ihrem Film „Beach Rats“ (2017) bewiesen, dass sie großes Einfühlungsvermögen für Identitätsfragen und Sinnkrisen von jungen Menschen besitzt. Auch in „Niemals Selten Manchmal Immer“ ist die Bildgestaltung (Hélène Louvart) intim, rückt teils schmerzhaft nah an den Körper der Protagonistin heran – etwa wenn sie in einem Moment der Verzweiflung auf ihren schwangeren Bauch schlägt. Beim dramatischen Höhepunkt des Films, wenn Autumn in einer Planned-Parenthood-Klinik einen Fragebogen zu Beziehungs- und Gewalterfahrungen beantworten soll, bleibt die Kamera minutenlang auf dem Gesicht der Hauptdarstellerin Sidney Flanigan. Ihre Partnerin in der Szene ist keine Schauspielerin, sondern eine tatsächliche Schwangerschaftsberaterin aus der New Yorker Klinik, wo der Film gedreht wurde. Die reduzierte Form der Inszenierung, der klare Fokus der Erzählung auf die Hauptfigur und die Besetzung authentischer Laiendarstellerinnen stehen in der Tradition des filmischen Realismus. Ein leiser, melancholischer Soundtrack der Songwriterin Julia Holter verleiht dem Film seine emotionale Grundierung.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch wird in den USA seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert. Seit dem berühmten Fall „Roe v. Wade“ vor dem Obersten Gerichtshof im Jahr 1973 sind Abtreibungen legal, doch bei einer konservativen Zusammensetzung des US-Supreme Courts wäre diese Grundsatzentscheidung in Gefahr. Im Unterricht sollte die US-Debatte um Abtreibung am besten vor der Filmsichtung diskutiert werden. Im Vergleich zu thematisch verwandten Filmen stellt die Frage, ob eine Abtreibung moralisch vertretbar ist, hier nicht den Handlungskonflikt dar – Autumn ist fest entschlossen. Aber vor dem Hintergrund, dass der Körper von Frauen konkreter Gegenstand im politischen Recht ist, lässt sich dieser scheinbar unaufgeregte Jugendfilm durchaus als feministisches Kino verstehen. Welche Rolle spielt die Dramaturgie, die Autumns Perspektive beibehält und fast gänzlich auf Hintergründe und Nebenfiguren verzichtet? Für eine vertiefende Filmanalyse eignen sich etliche Szenen, in denen sich der spärliche, aber äußerst wirkungsvolle Stil von Eliza Hittman herausarbeiten lässt.

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor: Jan-Philipp Kohlmann, 28.09.2020, letzte Aktualisierung: 22.10.2020

Regie

Eliza Hittman

Buch

Eliza Hittman

Darsteller/innen

Sidney Flanigan, Talia Ryder, Théodore Pellerin, Sharon Van Etten, Ryan Eggold u.a.

Länge

102 Min

Sprachfassung

deutsche Fassung, englische Originalfassung, barrierefreie Fassungen über Greta & Starks verfügbar

Format

digital, Farbe

FSK

ab 6 Jahre

FBW

Prädikat „besonders wertvoll“

Verleih

Universal Pictures Germany

Festivals

Berlinale 2020: Großer Preis der Jury; Sundance Film Festival 2020: U.S. Dramatic Special Jury Award

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