Inhalt
Smartphone, soziale Medien, Streaming- und Shoppingportale: Längst gehören sie zum täglichen Leben. Auch Marie, Bertrand und Christine, alle mittleren Alters und nicht gerade Gewinnertypen, nutzen die digitalen Errungenschaften, die das Leben einfacher und besser machen… Von wegen! Marie, von Mann und Sohn verlassen, wird mit einem Sextape erpresst. Witwer Bertrand ist hoch verschuldet, seine Tochter in der Schule Opfer von Cybermobbing. Christine erhält für ihren Chauffeurjob nur schlechte Bewertungen und ist obendrein seriensüchtig. Alle Bemühungen der drei, etwas zu ändern, sind vergebens. Ein Hacker namens Gott soll Abhilfe schaffen, doch gegen die „Cloud“ ist auch er machtlos. Um ihre privaten Daten zurückzuholen, fliegt Marie ins kalifornische Silicon Valley zum Sitz von Google, Bertrand zu Facebook nach Irland. Soweit der Plan…
Umsetzung
Die französische Sozialsatire übt mit anarchischem Humor Kritik an der modernen digitalisierten, globalisierten Gesellschaft. Konkret in den Problemen seiner Protagonist*innen und in unzähligen Anspielungen zeigt der Film absurde Auswüchse und vor allem Folgen wie Überforderung, Kontrollverlust, Fremdbestimmung und Abhängigkeit von Internetanbietern und sozialen Medien, die schnell zu übermächtigen Gegnern werden. Umso mehr, als die drei Hauptfiguren als Antiheld*innen mit sehr menschlichen Schwächen charakterisiert sind. Soziale Isolation, Verschuldung, Existenzängste, Verlust von Privatsphäre und Datensicherheit sind der hohe Preis für den versprochenen Komfort allzeit verfügbarer Onlineangebote. Der Film macht aber auch deutlich, dass sie nicht unbedingt die Wahl haben, egal, wie sehr sie kämpfen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Worin besteht die Gesellschaftskritik des Films? Was ist, was kann Satire? Die Hauptfiguren sind als Antiheld*innen charakterisiert, erfolg- und machtlos im Leben wie im Internet: Marie lässt sich gleich zwei Mal betrunken beim Sex filmen, Bertrand verliebt sich in eine KI, eine künstliche Intelligenz, Christines Binge-Sucht kostet sie Job und Partner. Macht sie das zu Versager*innen – oder bloß menschlich? Ist der „Sozialschmarotzer“ ein Gewinner? (Wie) kann man sich vor Datenklau und Manipulation im Internet schützen? Obwohl benachbart, haben die drei sich erst durch die einstige „Gelbwestenbewegung“ kennengelernt. Inwiefern ist dies wichtig für die Filmhandlung? Der Film nimmt „Deus ex Machina“ wörtlich: Ein Hacker namens „GOD“, hoch oben im Windrad, greift in das Schicksal der Figuren ein. Die Kamera-Totalen sollen laut dem Regieduo zum „Bilder erkunden“ animieren und lassen die Figuren in Bezug zu ihrem Umfeld klein erscheinen.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: ulrike Seyffarth
,
27.09.2021
,
letzte Aktualisierung:
30.09.2021
Regie
Benoît Delépine, Gustave Kervern
Buch
Benoît Delépine, Gustave Kervern
Darsteller*innen
Blanche Gardin, Denis Podalydès, Corinne Masiero u. a.
Länge
106 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, französische Originalfassung, auch mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
X-Verleih
Festivals
(Auswahl) Berlinale 2020: Silberner Bär; Lissabon & Estoril Film Festival Portugal 2020: Auszeichnung „Künstlerischer Beitrag“ für Blanche Gardin; Sevilla Europäisches Filmfestival Spanien 2020; Luxembourg City Film Festival 2020; Nominierung für das Beste Originaldrehbuch bei den César Awards, Frankreich 2021