Inhalt
Seit seiner Geburt lebt der fünfjährige Jack mit seiner Mutter „Ma“ auf engstem Raum. Gerade einmal 9 m² teilen sich beide, doch das stört Jack nicht. Ma ist fürsorglich und liebevoll, schenkt ihrem Sohn ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Doch das hat einen bestimmten Grund: Vor sieben Jahren wurde die junge Frau entführt, seitdem lebt sie in Gefangenschaft. Als der kleine Jack geboren wird, entscheidet sie sich, ihm eine glückliche Kindheit zu ermöglichen. Sie erfindet Rituale und Spiele, erzählt ihm, dass es außerhalb des Raums keine andere Welt gibt, dass die Menschen im Fernseher nicht echt seien. Doch je älter Jack wird, desto schwieriger wird es diese Scheinwelt aufrecht zu erhalten. Mit der Wahrheit aber eröffnet sich endlich eine Chance der Flucht, denn nur mit Hilfe ihres Sohnes kann der gefährliche Plan gelingen. Doch schaffen es die beiden ihren Platz in der neuen Welt (wieder) zu finden?
Umsetzung
Mit „Raum“ gelingt es Regisseur Lenny Abrahamson eine eindringliche Thematik behutsam und nah an den Figuren zu erzählen. Dramaturgisch gliedert sich der Film in eine erste Hälfte in Gefangenschaft und eine zweite Hälfte außerhalb der Gefangenschaft. Als Kammerspiel beginnend, erkundet die Kamera auf engstem Raum die innige Mutter-Kind-Beziehung. Sie bleibt variabel und changiert zwischen den beiden Sichtweisen. So schaut man sowohl mit den Augen eines fünfjährigen Kindes, das sein Zuhause liebt, als auch mit dem Blick einer Mutter, die die ausweglose Lage mit Fantasie und Fürsorge zu überwinden versucht. In der realen Welt angekommen, sensibilisiert die ruhige Erzählweise für die Herausforderungen, die den Figuren bevorstehen: die alltäglichsten Dinge wirken fremd, das soziale Leben folgt komplexen Regeln. Der dezente Blaufilter und eine mit Bedacht eingesetzte Filmmusik unterstreichen die emphatische Inszenierung.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Die Schülerinnen und Schüler sollten auf die sensible Thematik vorbereitet werden. Im Deutschunterricht können sie als Einstieg Zeitungsartikel ähnlicher Fälle recherchieren etwa der Entführungsfall von Natascha Kampusch oder 2008 enthüllte Fall des Österreichers Josef Fritzl, welcher dem Roman der Drehbuchautorin Emma Donoghe als lose Vorlage diente. In Englisch kann ein tieferer Einstieg in die Literaturvorlage geleistet werden. Nach der Lektüre sowie Sichtung des Films werden die erzählerischen Mittel analysiert und die medialen Darstellungsformen miteinander verglichen. In den Fächern Psychologie, Philosophie und Ethik können die Figuren charakterisiert werden, bevor auf Schlüsselfragen des Films eingegangen wird: Wie beeinflusst Erziehung die Sicht auf die Welt? Kann es so etwas wie einen objektiven Blick auf die Welt überhaupt geben? Oder auch: Wie kann der Mensch Beziehungen zu seiner Außenwelt aufbauen und worauf basieren diese?
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Ruža Renic
,
01.03.2016
,
letzte Aktualisierung:
11.10.2016
Regie
Lenny Abrahamson
Buch
Emma Donoghue, basierend auf ihrem gleichnamigen Roman
Darsteller*innen
Brie Larson, Jacob Tremblay, Joan Allen, William H. Macy, Sean Bridgers u.a.
Länge
118 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln; barriefreie Fassungen über Greta & Starks verfügbar
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
FBW
Prädikat „besonders wertvoll“
Verleih
Universal Pictures
Festivals
Auswahl: Oscar® 2016: Beste Hauptdarstellerin; Golden Globe Awards 2016: Beste Hauptdarstellerin; British Academy Film Awards: Beste Hauptdarstellerin; Critic’s Choice Awards: Beste Hauptdarstellerin, Bester Jungdarsteller, Bestes Originaldrehbuch