Inhalt
Anoosh und Arash vereint eine Leidenschaft: Als Techno-DJs legen sie in ihrer Heimat Teheran auf Partys auf. Doch elektronische Musik ist im Iran verboten, so dass die beiden jungen Männer nur illegal im Untergrund tätig sein können. In ihrem Dokumentarfilm begleitet die Regisseurin Susanne Regina Meures das als „Blade & Beard“ bekannte Duo bei der umständlichen Planung eines unautorisierten Raves mitten in der Wüste sowie bei den Versuchen, ihr Album in Musikgeschäften unter der Hand zu verkaufen. Zunehmend zerren die staatlichen Repressalien, die ständige Vorsicht und Angst vor Verhaftung an den Nerven. Eine Flucht nach Europa scheint eine mögliche Lösung. Als Anoosh und Arash zu einem Technofestival nach Zürich eingeladen werden, rückt das Exil greifbar nah. Die beiden müssen sich zwischen einem selbstbestimmten Leben im Ausland und ihrer Heimat, Familie und Freunden entscheiden.
Umsetzung
Mehr noch als die Musik, steht in „Raving Iran“ die Alltagsorganisation der Protagonisten im Vordergrund. Neue Stücke komponieren, Aufritte vor Publikum, der Vertrieb der CD, die Werbung – alles muss sorgfältig im Geheimen geplant werden. So konnte auch der Film nur verdeckt mit unauffälligen, teils versteckten Hand-, Foto- oder Handykameras aufgenommen werden. Viele Gesichter wurden zum Schutz der Mitwirkenden digital nachbearbeitet und unkenntlich gemacht. Die oft unscharfen, verwackelten Bilder und wiederholten Schräg- oder Untersichten spiegeln visuell die Risiken des Filmdrehs wider. Zugleich vermitteln diese Imperfektionen Nähe und Unmittelbarkeit der Geschehnisse. Sie stehen im Kontrast zur ruhigeren Kameraführung und größeren Bildschärfe in Momenten der Freiheit – beim Rave in der Wüste oder in Zürich. Der elektronische Soundtrack ergänzt Schlüsselszenen um eine emotionale Ebene.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
„Raving Iran“ zeigt einen authentischen Einblick in das Leben junger Menschen im heutigen Iran. Stetig müssen die DJs zwischen staatlichen Restriktionen und individueller Entfaltung abwägen. Ihre Erlebnisse bieten Anknüpfungspunkte zu Grundsatzfragen rund um Menschen- und Freiheitsrechte. Um das Geschehen im Film besser einzuordnen, ist eine Auseinandersetzung mit Politik und Religion in der Islamischen Republik Iran empfehlenswert. Inwiefern entspricht das im Film vermittelte Bild gängigen Darstellungen in deutschen Medien? Vergleiche mit Filmen wie „Sonita“ oder „Taxi Teheran“, ebenfalls Zeugnisse von im Iran unzulässigen künstlerischen Aktivitäten, weiten den Blick dafür, dass Anoosh und Arash keine Einzelfälle sind. Eine Analyse der Strategien und ästhetischen Mittel der Musiker/innen bzw. Filmemacher/innen führt zur Frage, welche Rolle Kunst und Kreativität bei der Persönlichkeitsentwicklung und in einer Gesellschaft spielen.
Veranstaltungen
Kinofinder: www.Kinofenster.de
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Marguerite Seidel
,
09.01.2019
,
letzte Aktualisierung:
29.11.2021
Regie
Susanne Regina Meures
Buch
Susanne Regina Meures
Darsteller*innen
Anoosh, Arash
Länge
89 Min
Sprachfassung
Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
Farbe
FSK
ab 6 Jahre
Verleih
Rise and Shine Cinema
Festivals
Visions Du Réel Nyon 2016: Prix du Jury SSA/Suissimage; Guanajuato International Film Festival 2016: Bester Dokumentarfilm; Festival del Film Locarno 2016, DOK.fest München 2016; First Steps Award 2016 für den Besten Dokumentarfilm