Inhalt
Ein deutscher Gendarmerieposten im besetzten Ostpolen, Sommer 1943. Hier kreuzen sich die Schicksale von vier jungen Menschen. Romek ist Heizer auf einer Dampflok und träumt davon, selbst Lokführer zu werden, während ihn die Fahrten mit seinem Vorgesetzten, der auch noch der Liebhaber seiner Mutter ist, immer wieder zu den Rampen des nahe gelegenen KZs führen. Ein Auge hat er auf Franka geworfen, die als Küchenhilfe im Gendarmerieposten arbeitet und für die sich bald auch der junge deutsche Soldat Guido interessiert, der für das Hören von entarteter Musik hierher strafversetzt wurde. Am Rande der Bahnstrecke trifft Romek auf das geflohene jüdische Mädchen Bunia und ihren schwer verletzten Bruder. Für Momente scheint der Krieg weit weg und die Unbedingtheit der Gefühle und der Sommers ganz nah, doch im schließlich müssen sie sich alle den Gegebenheiten stellen und Entscheidungen treffen
Umsetzung
„Unser letzter Sommer“ ist ein beeindruckender Film, weil er das große Drama erzählt, ohne es mit Schauwerten auszustellen und nicht den Versuch unternimmt, den Zuschauer mit den üblichen melodramatischen Mitteln zu überwältigen. Er erzählt seine Geschichte mit einer rauen, teils schon lapidaren Unmittelbarkeit und kontrastiert diese mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen einer sommerlichen Idylle, die ihre Entsprechung im Ensemble der jungen, hübschen Menschen findet. Und hier verbirgt sich die enorme emotionale Fallhöhe des Films, denn Rogalski ist durch und durch Moralist und unschuldig sind in seinem Film, wenn überhaupt, nur die Toten. Getragen wird die Erzählung von überzeugenden Schauspielern, einer hervorragenden Kameraarbeit, einer präzisen Ausstattung und einer effektiven, gleichwohl unaufdringlichen Musik.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Als Historienfilm ist „Unser letzter Sommer“ für den Geschichtsunterricht geeignet. Da er anhand persönlicher Schicksale erzählt, ist es wichtig, dass die Schüler/innen bereits über Vorwissen zum Zweiten Weltkrieg und zum Holocaust verfügen. Filmsprachlich können Bildgestaltung, Wirkung von Farben, Licht und Musik, Charakterzeichnung und dramaturgische Gestaltung gut analysiert und interpretiert werden, da der Film klar und nicht überladen erzählt und eine eindeutige Haltung hat. Hinzu kommen zahlreiche Gesprächs- und Schreibanlässe, die moralische Fragen betreffen und auch eine Verbindung zur aktuellen Flüchtlings- bzw. Vertriebenenthematik herstellen lassen. Der Umstand, dass sich das Drehbuch von Michael Rogalski auf Erzählungen der Großmutter, einer Zeitzeugin, stützt, er sich von historischen Fotografien inspirieren ließ und zeitgenössische Musik benutzt, kann zur fächerübergreifenden Auseinandersetzung mit dem Film genutzt werden.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Daniel Stümpfig
,
28.08.2015
,
letzte Aktualisierung:
29.04.2020
Regie
Michael Rogalski
Buch
Michael Rogalski
Darsteller*innen
Jonas Nay, Gerdy Zint, André Hennicke, Steffen Scheumann, Filip Piotrowicz, Maria Semotiuk, Urszula Bogucka u.a.
Länge
100 Min
Sprachfassung
Originalfassung deutsch und polnisch mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe, Cinemascope
FSK
ab 12 Jahre
FBW
Prädikat „besonders wertvoll“
Verleih
farbfilm
Festivals
40. Gdynia Film Festival 2015: Preis der Jugendjury, Auszeichnung für beste Kamera und beste Nebendarstellerin; Hofer Filmtage 2015; World Film Festival Montreal 2015: Bestes Drehbuch