Inhalt
Leila ist eine zielstrebige und engagierte junge Frau. Ihre Eltern wanderten einst aus Nordafrika nach Frankreich aus, um selbstbestimmt zu leben und ihren Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Nach deren Tod folgt Leila weiter diesem Weg. Sie studiert Politik an einer Pariser Elite-Uni, setzt sich in einer NGO für Flüchtlinge ein und plant mit ihrem Freund Armand ein Praktikum bei den Vereinten Nationen in New York. Als ihr Bruder Mahmoud von einer Jemenreise als islamischer Fundamentalist zurückkehrt, verlangt er von seinen Geschwistern, strengreligiöse Regeln zu befolgen. Für Leila bedeutet dies, Armand nicht mehr sehen zu können. Aber Armand hüllt sich in einen Tschador mit Gesichtsschleier und trifft Leila fortan in der Verkleidung einer muslimischen Frau. Mahmoud verliebt sich in die geheimnisvolle Besucherin und hält um deren Hand an. Leila und Armand ersinnen einen Plan, der nicht nur ihre gemeinsame Zukunft retten, sondern auch Mahmouds Blick auf die Welt wieder öffnen soll.
Umsetzung
In ihrem ersten Spielfilm verarbeitet die iranisch-französische Regisseurin Sou Abadi persönliche Erfahrungen in einer Verwechslungskomödie. Geprägt von ihrer Kindheit im sich islamisierenden Iran sowie der heterogenen Gesellschaft im gegenwärtigen Frankreich, wo die Filmemacherin seit bald 35 Jahren lebt, führt sie in „Voll verschleiert“ religiösen Extremismus ad absurdum. Am Beispiel des Beziehungsdreiecks zwischen Leila, Armand und Mahmoud legt sie die Menschenfeindlichkeit und Repressivität fundamentalistischer Weltbilder offen, indem sie Mahmouds Überzeugungen durch Armands Maskerade geschickt ins Wanken bringt. Überzeichnete Nebenfiguren wie etwa Mahmouds einfältige Glaubensbrüder oder Armands Eltern, zwei alternde Freiheitskämpfern aus dem Iran, verstärken die entlarvende Kontrastierung starrer und liberaler Anschauungen. Situationskomik, die rasante Montage des Films und Verfolgungsjagden erhöhen den Unterhaltungswert des Films und verleihen ihm ein mitreißendes Tempo.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
„Voll verschleiert“ nutzt einerseits Klischees, um eine Komik zu erzeugen, die alle im Film porträtierten Gruppen gleichermaßen trifft, so dass gemeinsam gelacht und Grenzen überwunden werden können. Andererseits vermeidet Sou Abadi bewusst das Stereotyp des benachteiligten Außenseiters am Rand der Gesellschaft, indem sie die Handlung im Bildungsbürgertum und im Zentrum von Paris ansiedelt. Im Unterricht kann untersucht und hinterfragt werden, wie der Film Integration und religiösen Extremismus darstellt und welches gesellschaftliches Bild gezeichnet wird. Inwiefern Komik Vorurteile auflöst oder bestätigen kann, sollte ebenfalls erörtert und diskutiert werden. Recherchen über die Hinwendung junger Europäer zu einem fundamentalistischen Islam betten den Film in einen aktuellen Kontext ein und leiten zu weiterführenden gesellschaftskritischen Fragen über. In Deutsch und Französisch kann eine Auseinandersetzung mit dem Genre der Verwechslungskomödie in Film und Literatur die Analyse vertiefen.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Marguerite Seidel
,
03.12.2017
,
letzte Aktualisierung:
17.05.2018
Regie
Sou Abadi
Buch
Sou Abadi
Darsteller*innen
Félix Moati, Camélia Jordana, William Lebghil, Anne Alvaro, Carl Malapa, Laurent Delbecque, Oscar Copp, Oussama Kheddam, Walid Ben Mabrouk, Miki Manojlovi u.a.
Länge
87 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, französische Originalfassung mit Untertiteln
Format
digital, Farbe, Cinemascope
FSK
ab 6 Jahre
Verleih
NFP marketing & distribution
Festivals
Biografilm Europa Festival 2017: Publikumspreis; Französische Filmtage Tübingen/Stuttgart: Publikumspreis und Preis der Jugendjury; Filmfest Hamburg 2017; Festival du Film de Cabourg 2017; Champs Elysées Film Festival 2017