Filmplakat Winterdieb

Winterdieb

Schweiz, Frankreich 2012

Der 12-jährige Simon lebt mit Louise, die ihn stets als ihren kleinen Bruder ausgibt, am Fuße eines Skigebiets in den Schweizer Alpen. Um für ein Auskommen zu sorgen, bestiehlt Simon Touristen um Skier und Ausrüstung, die er zurück im Tal verkauft.

Originaltitel

L'entfant d'haut

Genre

Drama

Klassenstufe

ab 7. Klasse

Altersempfehlung

ab 12 Jahre

Unterrichtsfächer

Sozialkunde, Religion/Ethik, Deutsch

Themen

Familie, Werte, Kindheit/Kinder, Jugend/Jugendliche, Delinquenz, Konsum, Armut, Erwachsenwerden, Generationen, Gender/Geschlechterrollen

Kinostart

08.11.2012

WINTERDIEB Trailer
Der 12-jährige Simon lebt mit Louise, die ihn stets als ihren kleinen Bruder ausgibt, am Fuße eines Skigebiets in den Schweizer Alpen. Um für ein Auskommen zu sorgen, bestiehlt Simon Touristen um Skier und Ausrüstung, die er zurück im Tal verkauft. Von diesem Geld kauft er die alltäglichen Dinge für sich und Louise, die ihre Arbeit verloren hat und mehr an Männerbekanntschaften als an einem Familienleben interessiert scheint. Simon füllt die Rolle des Versorgers aus und erhofft sich im Gegenzug etwas Liebe von Louise. Doch ihre finanzielle Abhängigkeit und Simons zunehmenden Bevormundungen belasten die Beziehung immer stärker.
„Winterdieb erzählt die Geschichte eines Jungen, der auf jeder Ebene nach oben will: in physischer, sozialer und finanzieller Hinsicht. Während die Welt unten nur trostlos, schmutzig und neblig ist – sowohl wörtlich als auch im übertragenen Sinn – gibt es oben alles im paradiesischen Überfluss: Sonne, reinen weißen Schnee, Geld und Glamour.“ (Ursula Meier) Geschickt und zu jeder Zeit überzeugend fängt der Film diese beiden Welten ein und zeigt, wie Simon zwischen ihnen pendelt. Mal der höfliche Mittelklassejunge, der Anschluss an Touristen sucht, um wenigstens für kurze Zeit so etwas wie Familie zu erleben, dann wieder der professionelle Dieb. Meier und Kamerafrau Agnès Godard gelingt es in Bildern von diesem „oben“ und „unten“ zu erzählen. Einen großen Beitrag dazu liefern die sorgsam gewählten Schauplätze, die gleich eigenständigen Akteuren den Film prägen, die Handlung strukturieren. Weiterer großer Pluspunkt des Films ist Kacey Mottet Klein, der mit intensivem und zugleich sensiblem Spiel überzeugte. An seiner Seite gibt Léa Seydoux eine Louise, die als verirrte Schöne das Herz rührt.
Winterdieb gelingt es, inhaltlich und dank wohldurchdachte Handlungsorte und Bilder, die Kluft zwischen Arm und Reich zu thematisieren. Nicht nur Simons Raubzüge, um sich und Louise zu ernähren, auch die Rolle der Frauen und Männer, die durch ihre harte Arbeit im Hintergrund die strahlende Skiwelt am Laufen halten, können Ansatzpunkte für eine Diskussion über Ökonomie und Gesellschaft sein. Der Wunsch nach Statussymbolen und Simons Delinquenz sind weitere Themen, die behandelt werden können. Könnten in Deutschland die sozialen Sicherungssysteme verhindern, dass Simon kriminell wird? Und welche Chancen bietet unsere Gesellschaft einem Jungen wie Simon? Auf einer persönlicheren Ebene sind die Themen Verantwortung, Familie, Liebe und Glück. Welche Rolle spielt Geld in einer Familie/Beziehung? Wie kann finanzielle Unsicherheit/Abhängigkeit einer Beziehung schaden? Wo hat die Liebe dabei ihren Platz? Und welche Härten bedeutet es für Kinder in einer dysfunktionalen Familie aufzuwachsen?
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor*in: Daniel Stümpfig , 05.11.2012 , letzte Aktualisierung: 29.04.2020

Regie

Ursula Meier

Buch

Antoine Jaccoud, Ursula Meier

Darsteller*innen

Léa Seydoux, Kacey Mottet Klein, Martin Compston, Gillian Anderson

Länge

97 Min

Sprachfassung

deutsche Fassung, Original mit Untertiteln

Format

35mm, digital

FSK

ab 6 Jahre

Verleih

Arsenal Filmverleih

Festivals

Berlinale 2012 (Crossection Generation und Wettbewerb)

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