Filmplakat Wir waren Kumpel

Wir waren Kumpel

Deutschland, Schweiz 2023

Ein Kumpel ist einer, auf den man sich verlassen kann. Im Bergbau eine buchstäblich lebensnotwendige Eigenschaft. Was aber passiert mit den hart malochenden Arbeiter*innen, die sich infolge der Einstellung des Steinkohlebergbaus in Deutschland völlig neu orientieren müssen? Die Regisseure Christian Johannes Koch und Jonas Matauschek beobachten in ihrem Dokumentarfilm fünf sehr unterschiedliche Menschen bei diesem Prozess und ihrem überraschend pragmatischen Umgang mit der Möglichkeit, sich noch einmal völlig neu zu erfinden.

Genre

Dokumentarfilm

Klassenstufe

ab 9. Klasse

Altersempfehlung

ab 14 Jahre

Unterrichtsfächer

Erdkunde, Politik Geschichte, Wirtschaft/WAT, Sozialkunde

Themen

Arbeit, Arbeitswelten, Strukturwandel, Freundschaft, Geschichte, Transformation, Wirtschaft

Kinostart

29.02.2024

Inhalt


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Als im Dezember 2018 zum letzten Mal Steinkohle im Ruhrgebiet abgebaut wurde, bedeutete das nicht nur das Ende einer über fünfhundertjährigen Ära, die den Landstrich prägte. Es bedeutete auch eine radikale Umstellung für alle, die im Bergbau arbeiteten und sich teilweise darüber definierten. Man malochte unter Tage. Manchen Familien sicherte die Kohle seit Generationen den Lebensunterhalt. Die Regisseure Christian Johannes Koch und Jonas Matauschek folgen in ihrem Dokumentarfilm fünf sehr unterschiedlichen Menschen, die mit der Situation und der Eröffnung neuer Lebensperspektiven auf ihre Art umgehen, hier zum Beispiel die Freunde „Langer“ und „Locke“, Thomas, Martina, Deutschlands einzige im Bergbau tätige Transfrau, und dem vor 20 Jahren aus Sri Lanka eingewanderten Lokführer Kiri.

Umsetzung


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Von Kohle geschwärzte Gesichter, aus denen nur das Augenweiß blitzt, lange, schummrig beleuchtete Stollen, schweres Gerät und Männer, die das schwarze Gold aus der Erde holen. Solche nostalgischen Bilder vom schweißtreibenden Bergbaumalocher nutzen auch die Regisseure dieses Films. Sie fungieren hier mehr als Kontrastgeber für die eigentliche Geschichte, wie sich die einstigen Arbeits-Kumpel im Leben „danach“ zurechtfinden. So erleben wir Martina beim Erkunden ihrer eigentlich schon immer weiblichen Identität und im wörtlichen Sinne neuen Stimme oder „Langer“ und „Locke“, die ihre Freundschaft bei einem Wohnmobiltrip an den Atlantik auffrischen. Kiri findet eine andere Art der Selbstbestätigung, indem er seine tamilische Kultur an Kinder vermittelt. Neben diesen kommentarlosen, mitunter intimen Beobachtungen lässt der Film seine Protagonist*innen anhand von Diskussionen mit ihren Kindern auch über ihre Rolle beim Klimawandel und die Zukunft laut nachdenken und zeigt, dass Menschen sich immer ändern und anpassen können.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Diese Nachdenklichkeit im Grunde einfacher Arbeiter*innen und ihre Offenheit gegenüber den Anliegen der klimabewegten jungen Generation könnte bereits eine Gesprächsgrundlage sein. Weiterhin könnte man auch die integrative Komponente der Zusammenarbeit unter Tage, die auf bedingungslosem Vertrauen beruht, diskutieren. Sowohl Martina nach ihrer Geschlechtsangleichung als auch Migrant Kiri scheinen keine nennenswerten Ausgrenzungen erfahren zu haben, was gerade heute eine mehr als positive Botschaft vermittelt. Dass die Protagonist*innen die extremen Veränderungen durch den Strukturwandel weniger reflektieren oder bedauern und stattdessen sehr pragmatisch mit der Situation umgehen, könnte ein weiterer Ansatzpunkt zum Nachdenken über beispielsweise Mentalitäten oder deren realistischen Umgang mit extremen Umbrüchen sein, die sich nicht nur in der Arbeitswelt der Protagonisten, sondern auch in der Gesellschaft vollziehen. Der als bewusstes ästhetisches Stilmittel eingesetzte Kontrast zwischen dem archaischen, dunklen Setting unter Tage und dem neuen Leben im Tageslicht könnte diskutiert werden, ebenso wie die dokumentarische Form der teilnehmenden Beobachtung ohne zusätzlichen Kommentar.

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor*in: Ingrid Beerbaum, letzte Aktualisierung: 02.02.2024

Regie

Christian Johannes Koch, Jonas Matauschek

Buch

Christian Johannes Koch, Jonas Matauschek

Darsteller*innen

Mitwirkende: Martina, „Locke“, „Langer“, Kiri, Thomas u. a.

Länge

107 Min

Sprachfassung

deutsche Originalfassung

Format

digital, Farbe

FSK

ohne Altersbeschränkung

Verleih

Filmperlen

Festivals

DOK.fest München 2023

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