Zustand und Gelände, Grandfilm

Zustand und Gelände

Deutschland 2019

Gasthäuser, Turnhallen oder ähnliche Alltagsstätten wurden 1933 in Sachsen zur Inhaftierung politischer Gegner*innen genutzt. Der Film zeigt Orte und Umgebung jener „wilden Konzentrationslager“: Gelände, deren Zustand sich immer wieder verändert hat. Mehrere Zeitebenen überlagern sich auch formal – durch eine ungewöhnliche Montage, die den Bildern verschiedene Quellen aus dem Off, vom Täterprotokoll bis zum heutigen Zeitungsbericht, gegenüberstellt.

Genre

Dokumentarfilm

Klassenstufe

10. bis 10. Klasse

Altersempfehlung

15 bis 18 Jahre

Unterrichtsfächer

Geschichte, Deutsch, Sozialkunde/Gemeinschaftskunde, Religion/Ethik, Erdkunde, Musik

Themen

Faschismus, Konzentrationslager, Nationalsozialismus, (Deutsche) Geschichte, Holocaust, Rechtsextremismus, Judenverfolgung, Antisemitismus, Diktatur, Zweiter Weltkrieg, Folter, Extremismus, Filmsprache, Täter/Opfer, Ideologie, Trauer/Trauerarbeit, Minderheiten, Gewalt, Politik, Autorität, Alltag

Kinostart

17.06.2021

Inhalt


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Der Ausgangsmoment des Films ist das sogenannte Schutzhaftgesetz, das es unmittelbar nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 erlaubte, Menschen ohne juristische Kontrolle zu inhaftieren. In dessen Folge entstanden in Sachsen „wilde Konzentrationslager“ in Alltagsorten wie Sporthallen, Jugendherbergen oder Gaststätten, meist inmitten von Dörfern. Der Film zeigt jene Gelände, deren Zustand sich immer wieder verändert hat, und ihre historisch aufgeladene Umgebung, während eine weibliche Stimme aus dem Off verschiedene Quellen verliest: Zu Polizeiberichten und behördlichen Briefwechseln aus Täterperspektive kommen sukzessiv Erinnerungen von Überlebenden, Diskurse zum Gedenken und jüngere Berichte über rechtsradikale Gewalt hinzu. So geht es auch um die Gegenwart und um ein Erinnern und Verdrängen in unterschiedlichen politischen Kontexten.

Umsetzung


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Der Film zeigt statt Protagonist*innen Außen- und Innenräume: anfangs idyllische Dörfer und Burgen, später auch Plattenbauten oder Supermärkte, jeweils in langen Einstellungen und ruhigen Kamerafahrten. So wie die frühen „wilden Konzentrationslager“ heute oft nicht lokalisierbar sind, lassen sich die Aufnahmen schwer einordnen. Verschiedenes überlagert sich – durch Bilder von Spiegelungen in Fenstern, durch immer wieder zu sehende Tags und Kritzeleien, die von fortwährenden Kämpfen zeugen und durch Text-Bild-Ton-Montagen. Das Gesagte wird nicht visualisiert; vielmehr betont die Gegenüberstellung Spannungen zwischen Zeiten. Über das Bild einer Erinnerungstafel an einem Abgrund ist zum Beispiel der „Heia Safari“-Marsch eines Männerchors gelegt, der deutsche Kolonialverbrechen verherrlicht und somit eine weitere Zeitschicht, neben Nationalsozialismus, DDR und Nachwendezeit, andeutet.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Der Film ermöglicht es, sich mit einem wenig bekannten Aspekt des Nationalsozialismus, den „wilden Lagern“, auseinanderzusetzen. Die frühe Mitwirkung der Bevölkerung lässt die häufige Fokussierung auf die NS-Machtelite überdenken. Weitere Zeitebenen des Films können besprochen werden: die Gegenwart, die durch die Bilder und Berichte über Rechtsradikalismus präsent ist, die Nachwendezeit, die DDR, die sowjetische Besatzung und die deutsche Kolonialgeschichte, auf die der „Heia Safari“-Marsch verweist. In Zusammenhang mit den weiteren Zeiten ist zu diskutieren, was in welchen Kontexten mit welcher Intention (nicht) erinnert wurde. Neben Perspektiven und historischen Hintergründen lassen sich an den Quellen aus dem Off unterschiedliche Textformen herausarbeiten. Auch das spannungsreiche Zusammenwirken der Textwiedergaben mit spärlicher Musik und mit den Bildern kann analysiert werden.

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor: Dr. Florian Krauß, 02.07.2021, letzte Aktualisierung: 14.07.2021

Regie

Ute Adamczewski

Buch

Ute Adamczewski

Darsteller/innen

Sprecherin: Katharina Meves

Länge

118 Min

Sprachfassung

deutsche Originalfassung

Format

DCP-2K

FSK

ab 12 Jahre

Verleih

Grandfilm

Festivals

DOK.Leipzig 2019: Goldene Taube und ver.di-Preis, FID Marseille 2019: Prix premier; Achtung Berlin 2020: Preis der ökumenischen Jury; Duisburger Filmwoche 2019

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