Inhalt
Im buddhistischen Königreich Bhutan will die Regierung mit einer eigens dafür ersonnenen Formel das kurz GNH (Gross National Happiness) genannte „Bruttonationalglück“ der Bevölkerung und somit deren Lebensqualität ermitteln. Amber Gurung und Guna Kuikel sind zwei von mehreren adrett uniformierten und geschulten Staatsangestellten, die zu diesem Zweck quer durch das Land reisen. Überall in Bhutan stellen sie Menschen aus allen Schichten Fragen, die das individuelle Glücksempfinden feststellen sollen. Sie treffen unter anderem auf die unglückliche Teenagerin Yangka, die mittellose Transfrau Dechen, die in einer Vielehe verheiratete Tashi oder den trauernden Witwer Tshering. Bald stellt sich heraus, dass der Glücksbefrager Amber selbst nicht sonderlich glücklich ist. Weil seine Bürgerrechte als Teil der nepalesischen Minderheit eingeschränkt sind, rückt sein Traum von einer Ehe in weite Ferne.
Umsetzung
Der Bhutaner Arun Bhattarai und die Ungarin Dorottya Zurbó haben die Glücksforscher bei ihrer Reise durch das Land begleitet und das Material zu einem Dokumentarfilm verdichtet. Die Frage-Antwort-Begegnungen im Zuge der Volksbefragung entwerfen sukzessive ein größeres Bild, das einen Querschnitt an Lebensumständen und diverse Perspektiven darauf versammelt. Manche der Befragten tauchen in nur einer Szene auf, andere erhalten ein mehrere Szenen umfassendes Kurzporträt. Dabei kommen Themen wie Liebe, Wiedergeburt oder Armut vor – und wiederholt die Frage, ob es sich in der Stadt oder auf dem Land glücklicher lebt. Als Quintessenz der Befragungen wird jeweils ein Text-Insert eingeblendet, das den Glücksindex anhand von Punktzahlen präsentiert. Bhattarai und Zurbó beobachten die Situationen ohne Kommentar und verbinden die Reisestationen mit teils musikalisch unterlegten Impressionen der Himalaya-Landschaft. So entsteht ein vielstimmiges Panorama zu der Frage, was glücklich macht – und was nicht.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Die unkommentierte Reise durch Bhutan bietet einen Anlass, Informationen zu dem Land zu recherchieren, das lang isoliert war und seit 2008 eine konstitutionelle Monarchie ist. Erst 1998 erhielt Bhutan als letztes Land der Erde Fernsehempfang. Im Film wird nebenbei deutlich, dass sich das Königreich durch die zunehmende Digitalisierung verändert. Thematisch legt AGENT OF HAPPINESS ein Gespräch zum Thema Glück nahe, das Fakten aus der Glücksforschung einbeziehen kann. Was ist Glück? Wie mehrt es sich, wie schwindet es? Die Glückspolitik Bhutans kann dabei kritisch hinterfragt werden. Ist es – wie bei der Schulung im „Happiness Center“ behauptet – überhaupt möglich, ein so flüchtiges Gefühl in einer Formel und letztlich einer Zahl abzubilden? Im bhutanischen Fernsehen wirkt der Fokus auf das Nationalglück eher wie Polit-Propaganda – zumal die Staatenlosigkeit und somit Entrechtung des Protagonisten Amber nahelegt, dass nicht allen das gleiche Recht auf Glück vergönnt ist. Zudem kann untersucht werden, wie die Inserts mit dem Glückslevel der Befragten durch mitunter skurrile Kategorien dem Film einen ironischen Unterton geben.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Christian Horn
,
27.06.2025
,
letzte Aktualisierung:
30.06.2025
Regie
Arun Bhattarai, Dorottya Zurbó
Buch
Arun Bhattarai, Dorottya Zurbó
Darsteller*innen
Mitwirkende Amber Kumar Gurung, Sarita Chettri, Guna Raj Kuikel u. a.
Länge
93 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, dzongkhanisch/nepalesische Originalfassung
Format
digital, Farbe
FSK
ab 6 Jahre
Verleih
Filmwelt
Festivals
Weltpremiere beim Sundance Film Festival 2024