Schriftzug des Titels

Das Cabinet des Dr. Caligari

Deutschland 1920

Ein Schlafwandler als Orakel, Morde im Morgengrauen und der Showdown in der Irrenanstalt – der Stummfilm DAS CABINET DES DR. CALIGARI (1920) enthält alle Zutaten für ein reißerisches Machwerk, ist aber in Wahrheit ein Meilenstein der Filmgeschichte. Die aufwändig restaurierte Fassung des Films steht noch bis zum 31.7.2020 in der Mediathek des Fernsehsenders Arte.

Genre

Drama, Stummfilm, Horrorfilm

Klassenstufe

ab 10. Klasse

Altersempfehlung

ab 15 Jahre

Unterrichtsfächer

Deutsch, Kunst, Geschichte, Philosophie und Ethik, Sozialkunde, Musik

Themen

Filmgeschichte, Filmklassiker, Manipulation, Autorität, Macht/Machtgefüge, Psychiatrie, Traum und Wirklichkeit, Tod/Sterben, Expressionismus

Kinostart

09.02.2014

Inhalt


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Der Schausteller Dr. Caligari präsentiert auf einem Jahrmarkt einen Somnambulen (Schlafwandler). Vor den Augen des Publikums erwacht Cesare aus dem Tiefschlaf. Unter den Zuschauer*innen sind auch Franzis und sein Freund Alan, der dem Schlafwandler eine Frage stellt. Er will wissen, wie lange er noch zu leben hat. Die erschütternde Antwort lautet: „Bis zum Morgengrauen“. Tatsächlich wird Alan am nächsten Morgen erstochen aufgefunden. Es ist schon der zweite Mord in der Stadt. Der schockierte Franzis geht der Sache nach. Es gibt einen falschen Verdächtigen und Franzis‘ Freundin Jane wird entführt. Schließlich der Beweis: Dr. Caligari hat den Schlafwandler Cesare manipuliert und zum Serienmörder gemacht. Franzis folgt dem fliehenden Übeltäter und stellt zu seiner Überraschung fest, dass dieser Direktor einer Irrenanstalt ist und als Dr. Caligari seine Obsessionen auslebt. Kriminalfall gelöst? Nein, in einer Rahmenhandlung wird alles auf den Kopf gestellt: Franzis ist selbst Insasse der Anstalt und hat die ganze Geschichte einem Mitpatienten erzählt.

Umsetzung


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Kaum ein Film verdient die Bezeichnung „expressionistischer Stummfilm“ so sehr wie DAS CABINET DES DR. CALIGARI. Das ausdrucksstarke Schauspiel und das eigenwillig gestaltete Szenenbild mögen heutige Zuschauer im ersten Moment irritieren – die raffinierte Geschichte aber dürfte jeden in den Bann ziehen, der sich darauf einlässt. Man würde sie heute wohl als Mystery-Krimi oder Psycho-Thriller verkaufen. Der Held verliert einen guten Freund (der allerdings auch sein Nebenbuhler war) und wird zum Ermittler. Gut und Böse sind längst nicht so klar zuzuordnen, wie es am Anfang scheint. Wahnsinn und Normalität überlagern sich, in den grotesk verzerrten Kulissen treten Figuren auf, die aus einer Kafka-Erzählung stammen könnten. Der Stummfilm zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie in diesem Genre trotz der Limitierung vielschichtig und psychologisch raffiniert erzählt werden kann. Bei der aufwändigen (und zwei Jahre dauernden) Restaurierung des Filmklassikers wurde unter anderem auch die Einfärbung (Viragierung) der Filmszenen wiederhergestellt.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Der Untertitel des Films, „ein Filmspiel in 6 Akten“, verweist auf die Nähe des frühen Films zum Theater, was Elemente der heute etablierten Filmsprache nicht ausschließt, z.B. wechselnde Einstellungsgrößen. Mit Rahmen- und Binnenhandlung, Rückblenden und parallel geführten Sequenzen werden viele Möglichkeiten des Erzählens genutzt. Der Film stellt die Frage nach dem ambivalenten Verhältnis von Schein und Wirklichkeit, von Normalität und Wahnsinn. Er visualisiert Urängste und Visionen von Kontrolle und Autoritätsmissbrauch. Hier kann man Siegfried Kracauers symbolische Deutung heranziehen: Er sah eine Vorwegnahme manipulatorischer Machtausübung im Nationalsozialismus und kritisierte, dass die Rahmenhandlung diese Aussage relativiere. Die vom Expressionismus geprägten Kulissenbauten mit ihren verzerrten Formen, aufgemalten Lichtern und Schatten sowie die szenenabhängige Einfärbung machen den Film auch zu einem interessanten Gegenstand des Kunstunterrichts.

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor: Burkhard Wetekam, 05.05.2020, letzte Aktualisierung: 07.05.2020

Regie

Robert Wiene

Buch

Carl Mayer, Hans Janowitz

Darsteller/innen

Werner Krauß, Conrad Veidt, Lil Dagover, Friedrich Fehér, Hans Heinrich von Twardowski u. a.

Länge

75 Min

Sprachfassung

Stummfilm

Format

ca. 75 Minuten, 35 mm, Cinemascope, schwarzweiß, viragiert; digital restauriert

FSK

ab 12 Jahre

FBW

Prädikat "besonders wertvoll"

Verleih

Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

Festivals

Weltpremiere der digital restaurierten Fassung Berlinale 2014, Sektion Retrospektive

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