Im Prinzip Familie, Camino Filmverleih

Im Prinzip Familie

Deutschland 2024

Mit leiser Kraft und großer Nähe begleitet der Dokumentarfilm den Alltag einer Wohngruppe für Kinder, deren Familien sie vorübergehend nicht betreuen können. Im Mittelpunkt stehen fünf Kinder sowie ihre drei Erzieher*innen, die ihnen mit Empathie, Geduld und Engagement ein Gefühl von Zuhause geben. Zwischen echter Fürsorge und systemischer Bürokratie entsteht ein berührendes Porträt über Verantwortung, Bindung und die Frage: Was bedeutet Familie eigentlich?

Genre

Dokumentarfilm

Klassenstufe

ab 9. Klasse

Altersempfehlung

ab 14 Jahre

Unterrichtsfächer

Sozialkunde, Ethik, Deutsch, Psychologie, Pädagogik, Kunst, Berufsorientierung

Themen

Erzieher*innenberuf, Kinder- und Jugendhilfe, Sozialarbeit, Care-Arbeit, Familie, Kinder, Partizipation, Bürokratie, Systemkritik, Diskriminierung, emotionale Belastung, psychische Gesundheit, Rassismus, Identität

Kinostart

05.06.2025

IM PRINZIP FAMILIE - Trailer dt. - ab 5. Juni im Kino!
Der Dokumentarfilm IM PRINZIP FAMILIE begleitet über ein Jahr hinweg den Alltag einer Wohngruppe für Kinder, deren Eltern ihrer Fürsorgepflicht nicht mehr nachkommen können. Im Mittelpunkt stehen fünf Kinder sowie die drei Erzieher*innen Antje Wagner, Max Gerecke und Sören Wagner. Sie schaffen für die Kinder einen Ort der Geborgenheit, der Unterstützung und der Nähe – und bewegen sich dabei im Spannungsfeld zwischen behördlicher Bürokratie und echter menschlicher Fürsorge. Gemeinsam mit den Kindern setzen sie sich für eine Rückkehr in die Herkunftsfamilien ein. Die Kinder sehnen sich nach Liebe und Zugehörigkeit, werden jedoch zugleich mit Ablehnung, Diskriminierung – darunter auch rassistische Erfahrungen – und Überforderung konfrontiert. Der Film zeigt eindrucksvoll die komplexe Care-Arbeit der Erzieher*innen im Zusammenspiel mit Jugendamt, Schule, Psychiatrie und Herkunftsfamilien – ein Alltag voller emotionaler und organisatorischer Herausforderungen, getragen von Engagement und Empathie.
IM PRINZIP FAMILIE entfaltet seine Wirkung durch eine ruhige, beobachtende Erzählweise. Die Kameraarbeit wechselt zwischen zurückhaltender Distanz und eindringlicher Nähe: Insbesondere Close-Ups auf Gesichter lassen Emotionen sichtbar werden und machen die seelische Anstrengung der Care-Arbeit erfahrbar. Eine zweite Erzählebene entsteht durch sachlich eingesprochene Dienstberichte der Erzieher*innen im Off. Sie kontrastieren die warmen Bilder und verweisen auf die strukturellen Zumutungen des Systems. Die reduzierte, realistische Bildgestaltung nutzt idyllische Naturkulissen als visuelle Gegenpole zum betreuten Alltag. Alltagsgeräusche und ein zurückhaltender Pop-Soundtrack verstärken atmosphärisch die innere Spannung der Szenen, ohne sie zu überhöhen. Voyeuristische Perspektiven werden dabei bewusst gemieden. Der Film wahrt eine respektvolle Distanz – und schafft gerade dadurch emotionale Nähe.
Der Film lädt Schüler*innen dazu ein, sich mit dem Konzept Familie auseinanderzusetzen: Ist Familie etwas Statisches oder ein wandelbares Beziehungsgefüge? Anhand der filmischen Darstellung ergeben sich Diskussionsanlässe über Care-Arbeit und ihre gesellschaftliche Unsichtbarkeit – nicht nur im Erzieher*innenberuf. Im Vergleich zu gängigen Darstellungen von „schwierigen“ Kindern – insbesondere Jungen – bietet der Film Anlass zur Reflexion über kindliche Selbstbestimmung und gesellschaftliche Zuschreibungen. Die strukturelle Seite der Jugendhilfe mit ihren bürokratischen Hürden und Überforderungen kann kritisch hinterfragt werden. Filmanalytisch lohnt sich der Blick auf dokumentarische Mittel wie ruhige Kamera und eingesprochene Dienstberichte sowie den gezielten Einsatz filmischer Techniken, die an fiktionale Erzählweisen erinnern. Vertiefend können familiäre Krisenursachen oder der Umgang mit mehrfach marginalisierten Kindern recherchiert werden.
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor*in: Ílyas Inevi , 17.04.2025 , letzte Aktualisierung: 14.07.2025

Regie

Daniel Abma

Buch

Daniel Abma

Darsteller*innen

Mitwirkende: Antje Wagner, Max Gerecke, Sören Wagner, Niklas, Kelvin, Jason, Colin, Lukas u. a.

Länge

94 Min

Sprachfassung

deutsche Originalfassung, barrierefreie Fassungen über Greta & Starks verfügbar

Format

digital, Farbe

FSK

ohne Altersbeschränkung

Verleih

Camino Filmverleih

Festivals

DOK Leipzig Filmfestival 2024: ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness; Filmfestival Visions du Réel 2025: Perception Change Award der Vereinten Nationen

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