Inhalt
Es ist Sommer in Berlin-Kreuzberg, heiß und stickig. Die 14-jährige Nora zieht mir ihrer großen Schwester und deren Freund*innen um die Häuser. Zwischen Schwimmbad und Schule, auf Hausdächern und Partys wird medial geprägten Körperbildern nachgeeifert, werden Rollenmuster Peergroup-konform ausgefüllt, Liebespaare gebildet. Nora ist mittendrin und doch am Rand. Sie beobachtet die Welt um sich herum und sich darin. Für sie ist es ein Sommer der Metamorphose vom Kind zur jungen Erwachsenen. Intensiv, bunt und leise im Lauten mischen sich Ereignisse und Erlebnisse. Die erste Menstruation, neu wahrgenommene Körperlichkeit, sexuelles Begehren. Nora begegnet der faszinierenden Romy und verliebt sich. Es gibt gebrochene Herzen und Konflikte. Und es geht weiter. Während sich sonnenverbrannte Haut schält und Noras Raupen ihre Kokons spinnen, nabelt sich das Mädchen Stück für Stück ab, findet und steht zu sich selbst. Am Ende sind Schmetterlinge in der Luft und auch Nora scheint zu fliegen.
Umsetzung
Leonie Krippendorffs Film erzählt unverstellt und mit befreiender Natürlichkeit vom Erwachsenwerden. Den vielen aufwühlenden Momenten in der Pubertät setzt der Film aus Noras Perspektive eine neugierig-beobachtende Erzählung entgegen. Dabei werden auch oftmals unangenehme oder tabuisierte Themen mit Selbstverständlichkeit behandelt. Sonnendurchflutete Bilder und warme Farben transportieren aufkeimende Begierde und Sinnlichkeit und eine poetisch-symbolische Bildsprache bietet einen offenen Zugang zu Fragen, die jede*r für sich beantworten muss. Immer wieder bettet der Film auch Sequenzen aus Smartphone-Aufnahmen mit Audiokommentar ein. In einer Form zwischen Video-Tagebuch und Social-Media-Post übertragen sie Noras Wahrnehmung und Entwicklung – ebenso wie die metaphorische Erzählung von Noras Raupen, die gleichfalls den Schritt in die nächste Lebensphase gehen. „Kokon“ macht Mut und stärkt werdende Jugendliche, bei diesem Schritt den eigenen Weg zu gehen.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Wie im echten Leben, stellen sich auch in „Kokon“ die Herausforderungen des Erwachsenwerdens nicht nach und nach, sondern oft alle auf einmal. Wie sehe ich aus? Wen liebe ich? Wer bin ich demnach? Wer sind die anderen? Und wer will ich sein? Fragen der medialen, sozialen und sexuellen Identitätskonstruktion und -findung in den Jugendjahren durchziehen die Handlung des Films. Anhand von Schlüsselszenen lässt sich der Umgang mit Körper- und Rollenbildern, mit Selbstdarstellungen in sozialen Medien oder mit Normdruck diskutieren. Schritte sexueller Identitätsfindung können betrachtet und subtil angedeutete Erzählstränge vertieft werden. Ältere Schüler*innen können sich mit Judith Butlers „Körper von Gewicht“ und dessen Bedeutung im Kontext der Filmhandlung befassen. Anknüpfend an Noras Videoaufnahmen laden kreativpraktische Arbeiten ein, mediale Ausdrucksformen zu finden, um Merkmale der eigenen Persönlichkeit oder Gefühlszustände in Bild und Ton zu übertragen.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Lisa Haußmann
,
19.03.2020
,
letzte Aktualisierung:
28.11.2023
Regie
Leonie Krippendorff
Buch
Leonie Krippendorff
Darsteller*innen
Lena Urzendowsky, Jella Haase, Lena Klenke, Elina Vildanova, Anja Schneider u. a.
Länge
99 Min
Sprachfassung
deutsche Originalfassung, barrierefreie Fassungen verfügbar
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
FBW
Prädikat "besonders wertvoll"
Verleih
Edition Salzgeber
Festivals
70. Internationale Filmfestspiele Berlin, Sektion Generation 14+; #filmkunstzuhause beim Filmkunstfest MV 2020: Publikumspreis bei den Kinder- und Jugendfilmen