Inhalt
Um das Jahr 1900 arbeitet die damals noch unbekannte Maria Montessori an einer Schule für Kinder mit Behinderungen in Rom. Dank ihrer neuen, den Kindern und ihren Bedürfnissen zugewandten Methoden machen diese damals oft als „schwachsinnig“ Abgeschobenen deutliche Lernfortschritte. Unter ihnen ist auch die uneheliche Tochter Tina der Pariser Kurtisane Lily, die alsbald vom Unterricht profitiert und dadurch auch besser mit ihrer Mutter kommunizieren kann. Während Montessori sich aufopfernd und ohne Bezahlung – die stand damals nur Männern zu – um die Kinder in der Schule kümmert, muss sie ihren eigenen kleinen Sohn Mario als unverheiratete Frau bei Pflegeeltern lassen. Eine Heirat mit dem Kindsvater und Kollegen Giuseppe Montesano verweigert sie, da sie unabhängig bleiben und als Pädagogin mit eigenen Ideen anerkannt werden möchte. Ein Zwiespalt, der im konservativen, katholischen Italien nicht zu lösen ist.
Umsetzung
In ihrem Film beschränkt sich die Regisseurin auf eine kurze Periode am Anfang von Montessoris Karriere, in der sie ihre Methodik entwickelt. Detailverliebt lässt sie dabei die gemeinsam mit Giuseppe Montesano geleitete Schule mitsamt Lehrmaterialien wiedererstehen, zeigt lange Unterrichtspassagen. Sie führt aber auch die Schwierigkeiten der jungen Frau vor Augen, die sich in einer Männerwelt behaupten und um Anerkennung ihrer selbst erbrachten Leistung kämpfen muss. Das erzählt Todorov unaufgeregt mit teilweise dokumentarisch anmutenden Bildern, schwelgt aber gleichzeitig auch im Dekor sowie der Musik der Epoche um 1900. Dann schrammt der Film mitunter haarscharf am Kitsch vorbei.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Unverkennbar möchte die Regisseurin der Reformpädagogin eine Art Denkmal setzen. Dabei tappt sie aber nicht in die Falle der Verklärung, sondern zeigt Montessoris Emanzipationsweg von der unbezahlt arbeitenden, aber hoch gebildeten Ärztin – eine der ersten in Italien überhaupt – zu einer international anerkannten Spezialistin. Die erfundene Figur der Kurtisane Lily dient dabei als dramaturgischer Kontrapunkt. Diese ist zwar frei und unabhängig, muss sich aber den strengen gesellschaftlichen Konventionen der Zeit beugen und ihre Tochter verstecken. Somit könnte der damals abhängige Status von Frauen ein erster Diskussionsansatz sein. Wie das auch auf visueller Ebene deutlich wird, können die Schüler*innen herausarbeiten: Am Anfang verschmelzen Maria und Lily farblich beinahe mit dem Interieur. Ein weiterer Gesprächsanlass wäre der auch über 120 Jahre später immer noch nicht selbstverständliche Umgang mit Menschen mit Behinderung sowie deren mangelnde Inklusion, die im Film ganz selbstverständlich vorgeführt wird, indem professionelle Schauspieler*innen und Darsteller*innen mit Behinderung gleichberechtigt miteinander agieren.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Ingrid Beerbaum
,
28.02.2024
,
letzte Aktualisierung:
23.07.2024
Regie
Léa Todorov
Buch
Julie Dupeux-Harlé
Darsteller*innen
Jasmine Trinca, Leïla Bekhti, Rafaelle Sonneville-Caby, Raffaele Esposito u. a.
Länge
101 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, italienische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
digital, Farbe
FSK
ohne Altersbeschränkung
Verleih
Neue Visionen Filmverleih