Filmplakat Murer - Anatomie eines Prozesses

Murer - Anatomie eines Prozesses

Österreich, Luxemburg 2018

Vor der Geschichte gilt Franz Murer als „Schlächter von Vilnius", verantwortlich für den Tod tausender Juden im Ghetto der litauischen Hauptstadt. Doch der spektakuläre Prozess gegen den angesehen Lokalpolitiker 1963 in Graz wurde zum Tribunal gegen die Opfer. Auf Grundlage der Prozessakten rekonstruiert Christian Frosch einen der größten Justizskandale der österreichischen Geschichte – ein packendes Drama um Verdrängung, offene Lügen und politische Interessen.

Genre

Drama, Gerichtsfilm

Klassenstufe

ab 10. Klasse

Altersempfehlung

ab 15 Jahre

Unterrichtsfächer

Geschichte, Politik, Recht, Sozialkunde, Ethik

Themen

Geschichte, Holocaust, Recht und Gerechtigkeit, Antisemitismus, Schuld, Nationalsozialismus, Justiz

Kinostart

22.11.2018

Inhalt


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Graz, 1963: Auf Initiative des „Nazijägers“ Simon Wiesenthal ist der angesehene Lokalpolitiker und Großbauer Franz Murer als NS-Kriegsverbrecher angeklagt. Aus aller Welt sind Zeugen angereist, die ihn als „Schlächter von Vilnius“ identifizieren. Gegen die drückende Beweislast gelingt es der Verteidigung, ihre Aussagen in Zweifel zu ziehen und die angebliche „Verwechslung“ als abgekartetes Spiel hinzustellen. Bei seinen Manövern kann sich der gerissene Anwalt Böck auf die Stimmung im Land verlassen, die nicht zuletzt durch die Geschworenen repräsentiert wird. Nicht nur Murer, ganz Österreich sieht sich als Opfer der Geschichte, an dem hier kollektiv Rache geübt werde. Vor den entsetzten Augen der Holocaust-Überlebenden fällt die Verdrehung der Tatsachen auf fruchtbaren Boden.

Umsetzung


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Geschickt vermengt Regisseur Christian Frosch dokumentarische und fiktive Mittel zum packenden Spielfilm. Die Auflockerung der starren Prozesssituation gelingt durch einen multiperspektivischen Ansatz, der allen Parteien längere Spielszenen einräumt. Die aus aller Welt angereisten Überlebenden, Anwalt und Staatsanwalt, Journalisten und Geschworene – in Hotelzimmern, Restaurants, Büros oder in Murers Fall in der Zelle diskutieren sie ihre Motive und Strategien. So erschließen sich die politischen und menschlichen Hintergründe auch heutigen Zuschauer*innen ohne entsprechendes Vorwissen. Im Prozess selbst hält eine extrem mobile, mit langer Brennweite fokussierende Kamera das Geschehen in Bewegung. Während die Zeugen auf Hebräisch, Jiddisch, Englisch oder Deutsch die erlittenen Gräuel schildern, sammelt sie die Reaktionen im Publikum. Abgerundet wird diese erzählerische Dynamik durch exzellentes Schauspiel im doppelten Sinne: Auch ein Gerichtsprozess ist letztlich eine Bühne, auf der schauspielerische Qualitäten oft den Ausschlag geben.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit


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Nüchtern, sensibel und zugleich hollywoodreif – im Film selbst wird mehrmals auf Sidney Lumets Klassiker „Die zwölf Geschworenen“ (1957) angespielt – beleuchtet das Gerichtsdrama ein dunkles Kapitel österreichischer Nachkriegsgeschichte. Wie in „Im Labyrinth des Schweigens“ (2014) über die zeitgleichen Frankfurter Auschwitzprozesse bewegt sich die juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen in einem Klima von Schlussstrichmentalität, Schuldabwehr und weiterschwelendem Antisemitismus. Im Geschichts- und Politikunterricht können so die Mechanismen nationaler Verdrängung oder der schwierige Begriff der „Kollektivschuld“ analysiert und zugleich auf die Gegenwart bezogen werden: Wenn einem sozialdemokratischen Politiker im Film die Wählerstimmen der „Ehemaligen“ wichtiger sind als die Verurteilung eines mutmaßlichen Massenmörders, spiegeln sich darin auch heutige Probleme im Umgang mit Rechtsextremen.

Veranstaltungen


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Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.

Autor: Philipp Bühler, 30.10.2018, letzte Aktualisierung: 05.05.2020

Regie

Christian Frosch

Buch

Christian Frosch

Darsteller/innen

Karl Fischer, Karl Markovics, Alexander E. Fennon, Roland Jaeger, Melita Jurisic, Ursula Ofner-Scribano u. a.

Länge

137 Min

Sprachfassung

deutsche Originalfassung

Format

digital, Farbe

FSK

liegt noch nicht vor

Verleih

Der Filmverleih

Festivals

Diagonale Graz 2018: Eröffnungsfilm, Großer Diagonale-Preis Bester österreichischer Kinospielfilm

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