Inhalt
Mit einem Klingeln an der Tür bricht für das Ehepaar Feldmann eine Welt zusammen. Ihr Sohn Jonathan, Soldat der israelischen Armee, ist tot. Nach unerträglichen Stunden der Trauer und Verzweiflung entpuppt sich die Nachricht als Falschmeldung – Jonathan lebt, und versieht weiter seinen Dienst an einem ferngelegenen Checkpoint. Hier verbringen die jungen Soldaten ihre Zeit mit sinnlosem Warten. Es gibt Tage, an denen höchstens ein verirrtes Kamel den Schlagbaum passiert. Ihre Langeweile entlädt sich in demütigenden Behandlungen der wenigen vorbeikommen Palästinenser, die als mögliche Terroristen kontrolliert werden müssen. Eine dieser Kontrollen hat fatale Folgen für alle Beteiligte.
Umsetzung
Mit einer reinen Inhaltsangabe ist Samul Maoz’ bittere Anti-Kriegs-Satire kaum zu fassen. Eine allegorische Bildsprache und eine verschachtelte Erzählweise verbindet der israelische Regisseur zum ungewöhnlichen Filmerlebnis. So wird in einer an die griechische Tragödie angelehnten Drei-Akt-Struktur aus einem Familiendrama eine selbstkritische Auseinandersetzung mit der israelischen Besatzungspolitik und schließlich wieder ein Familiendrama. Die Schauplätze, die seelenlose Luxuswohnung des erfolgreichen Architekten Michael und seiner Frau Daphna sowie der kuriose Kontrollpunkt mitten in der Wüste, wirken als größtmöglicher Gegensatz und sind doch gleichermaßen stilisiert. Ungewöhnliche Kameraperspektiven bebildern zuerst Michaels sprachlose Trauer, dann die frustrierende Langeweile der jungen Soldaten zwischen Dosenfutter und fragwürdigem Dienst. Verbindendes Element der disparaten Erzählstränge sind Michaels eigene, verdrängte Kriegstraumata, die sich in der Geschichte des Sohnes wiederholen. Indem Jonathan seine Gedanken in Comiczeichnungen festhält, wird aus dem stilistischen Meisterwerk zwischenzeitlich auch noch ein Animationsfilm.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Schon in seinem autobiografisch motiviertem Film „Lebanon“ warf Samuel Maoz einen vor allem ästhetisch bemerkenswerten Blick auf den Nahostkonflikt. Die für das Land identitätsstiftende Rolle der israelischen Armee und des allgemeinen Wehrdiensts können im Politikunterricht besprochen werden. Zur Auseinandersetzung mit komplexen psychologischen Themen wie Schuld, Trauer und Trauma sollten vor allem die Bilder herangezogen werden. Lohnt doch in „Foxtrot“ jede Kameraperspektive der eigenen Untersuchung. Warum zeigt eine Vogel- bzw. Gottesperspektive den trauernden Vater von oben? Was haben die eigentümlich nostalgische Gestaltung des Checkpoints und die Klangtapete aus 50er-Jahre-Schlagern zu bedeuten? Warum sieht man den Krieg hier nur im Videospiel? In den künstlerischen Fächern kann der Film zur Beschäftigung mit den Gestaltungsmitteln des Surrealismus dienen, einer Kunstrichtung, die Maoz’ feinfühliges Pendeln zwischen Psychoanalyse und dem Absurden zweifellos beeinflusst hat.
Hinweise
Ein FilmTipp ZOOM erscheint zum Kinostart!
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Philipp Bühler
,
01.07.2018
,
letzte Aktualisierung:
09.02.2024
Regie
Samuel Maoz
Buch
Samuel Maoz
Darsteller*innen
Lior Ashkenazi, Sarah Adler, Yonatan Shiray, Gefen Barkai, Dekel Adin, Shaul Amir, Italy Exlroad, Danny Isserles, Roi Miller, Karin Ugowski u. a.
Länge
113 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung, barrierefreie Fassungen verfügbar
Format
digital, Farbe
FSK
ab 12 Jahre
Verleih
NFP marketing & distribution
Festivals
Internationale Filmfestspiele Venedig 2017: Silberner Löwe; Israelische Filmakademie 2017: u.a. Preise für den besten Film, die beste Regie, den besten Schauspieler (Lior Ashkenazi) und die beste Kamera (Giora Bejach)