Inhalt
Hanna träumt von der großen Karriere und will nach dem BWL-Studium in einer Unternehmensberatung durchstarten. Doch zum Assessment Center wird nur eingeladen, wer auch soziales Engagement nachweisen kann. Hanna versucht ihrer Mutter, die Leiterin von Aktion Friedensdienste für Israel ist, ein Zeugnis aus den Rippen zu leiern, aber bekommt stattdessen einen Praktikumsplatz in einem Behindertendorf in Tel Aviv. Widerwillig reist Hanna nach Israel und eckt mit ihrer direkten, herablassenden Art zunächst überall an. Doch die Menschen, denen sie begegnet lassen sie nicht kalt: die Holocaust-Überlebenden im Altersheim, ihre Behindertengruppe und deren Betreuer Itay. Ebenso charmant wie provokativ gibt er ihr zu verstehen, in welchem Spannungsfeld junge Israelis heute aufwachsen. Als Hanna schließlich über die eigene Familiengeschichte stolpert, beginnt sie zu ahnen, dass die Nazi-Vergangenheit ihrer Großeltern mehr Auswirkungen auf ihr Leben hat, als sie dachte.
Umsetzung
Hannas Reise beginnt wie eine konventionelle Komödie, in der eine uneinsichtige Figur sich an anderen reibt und Konflikte mittels Komik im Verlauf des Films aufgelöst werden. Entsprechend kontrastreich und typisiert gerät Hanna als klischeehaft karrierebewusste BWL-Studentin mit ihrer politisch aktiven Hippiemutter und Itay als Stellvertreter der dritten Generation der Holocaust-Opfer aneinander. Die simple Überzeichnung löst sich allerdings bald in einem facettenreichen Plot auf, der keine einfachen Antworten bietet. Immer mehr Aspekte der deutsch-jüdischen Vergangenheit und der israelischen Gegenwart werden thematisiert - veranschaulicht anhand von Generationen-Konflikten, interkulturellen Begegnungen und einer aufkeimenden deutsch-israelischen Liebesbeziehung. Besonders auf der Dialogebene bleibt Komik jedoch ein hervorstechendes Stilmittel: Vor allem in Itays Witzen wird das Ausmaß vergangener sowie gegenwärtiger Traumata seines Volkes deutlich, denen er mit Humor beizukommen versucht.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Hannas Reise ist ein unterhaltsamer Film, geeignet für ältere Schüler/innen, der Anknüpfungspunkte zum Holocaust, zu den deutsch-israelischen Beziehungen und zum Nahost-Konflikt bereithält. Seine große Stärke liegt darin, eine lebensnahe jugendliche Identifikationsfigur zu schaffen, für die die NS-Verbrechen ein abgeschlossenes Kapitel Geschichte darstellen. An ihrem Beispiel wird aufgezeigt, wie eng die Gegenwart dennoch mit der Vergangenheit verknüpft ist. Die Annahme des historischen Erbes durch Hanna ist von offenen Fragen geprägt und stellt einen Anreiz dar, sich mit sich selbst und der eigenen (Familien-)Geschichte auseinanderzusetzen. Ferner kann diskutiert werden, aus welchen Motiven sich junge Menschen für Freiwilligendienste im Ausland entscheiden. Da manche Themen wie der Nahost-Konflikt im Film nur gestreift werden, empfiehlt es sich außerdem zu recherchieren, vor welchen Herausforderungen ein junger Israeli wie Itay tagtäglich steht.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Marguerite Seidel
,
13.12.2013
,
letzte Aktualisierung:
27.10.2016
Regie
Julia von Heinz
Buch
John Quester u. Julia von Heinz, frei nach Motiven aus Theresa Bäuerleins Roman "Das war der gute Teil des Tages"
Darsteller*innen
Karoline Schuch, Doron Amit, Max Mauff, Lore Richter, Trystan Pütter, Lia König, Suzanne von Borsody u.a.
Länge
100 Min
Sprachfassung
deutsche Fassung
Format
digital, Farbe
FSK
ohne Altersbeschränkung
Verleih
Zorro Filmverleih
Festivals
Montreal World Film Festival 2013, Haifa International Film Festival 2013, Hofer Filmtage 2013