Inhalt
Menachem Mayer und Frederick Raymes, die als Heinz und Manfred Mayer in Hoffenheim bei Heidelberg geboren wurden, sind zwei jüdische Brüder, die den Holocaust überlebten und nach dem Krieg zwei gegensätzliche Lebenswege beschritten. 1938 wurde die Familie von dem SA-Mann Emil Hopp aus ihrem Haus vertrieben und 1940 in das Konzentrationslager Gurs in Südfrankreich deportiert. Die beiden Söhne überlebten in einem staatlichen Waisenhaus, weil die Eltern bereit waren, sich von ihren Kindern zu trennen. Manfred sollte sich um seinen jüngeren Bruder kümmern. Doch nach 1945 wanderte Manfred in die USA aus, änderte seinen Namen und wurde Amerikaner, während der Bruder lieber nach Israel ging und dort als orthodoxer Jude lebt. Erst die lange verdrängten und später gemeinsam veröffentlichten Briefe ihrer Eltern aus dem Konzentrationslager brachten die Brüder nach vielen Jahren wieder zusammen. Auf Einladung der Geschwister Hopp, deren Vater die Mayers seinerzeit aus dem Ort vertrieben hatte, besuchten die Brüder bei einem ersten großen Treffen von drei Generationen der Familien Mayer und Raymes schließlich erneut den Ort Hoffenheim.
Umsetzung
Gemeinsam mit den Brüdern begibt sich der Film auf Spurensuche in die Vergangenheit, die von ihnen lange verdrängt und nun erneut schmerzlich durchlebt wird. Die Brüder besuchen anlässlich des von der Familie Hopp (SAP-Konzern) arrangierten großen Familientreffens ins Deutschland zunächst Hoffenheim, den Ort ihrer abrupt endenden Kindheit, anschließend fahren sie nach Südfrankreich zum ehemaligen Konzentrationslager in Gurs und zum Kinderheim in Aget, am Ende nach Auschwitz, wo die Eltern den Tod fanden. Geschickt werden diese Reiseimpressionen mit Interviews der Brüder über ihre Gefühle und ihre individuelle Lebensgeschichte verknüpft sowie durch flankierende Interviews mit einzelnen Familienmitgliedern in den USA und in Israel ergänzt. Die Musik des polnischen Filmkomponisten Zbigniew Preisner, Off-Kommentare einer der beiden Regisseurinnen, gut erhaltene Originalfotos aus Familienbesitz und vor allem die große Offenheit der Brüder vor der Kamera tragen wesentlich zu dem informativen wie berührenden positiven Gesamteindruck bei.
Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Ihre Zusage für dieses Filmprojekt gaben die Brüder aus "Therapiezwecken" ihren eigenen Schuldgefühlen gegenüber, vor allem aber, weil jüngere Generationen wissen müssen, "was geschehen ist". Anhand des gut dokumentierten Schicksals der beiden Brüder wird ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte anhand einer menschlichen Tragödie nachvollziehbar. Anknüpfungspunkte liefert der Film auch zu wichtigen Fragestellungen im Umgang mit dieser Geschichte, beispielsweise durch die von Misstrauen geprägte Reaktion einiger Dorfbewohner in Hoffenheim ("Irgendwie hört es doch auch mal auf, oder? ") und die nicht uneigennützige, aber dennoch bemerkenswerte Versöhnungsgeste der Geschwister Hopp. Darüber hinaus bietet der Film eine gute Diskussionsgrundlage über Aspekte des Nahost-Konflikts (allgemeine Bedrohung, Siedlungen auf palästinensischem Gebiet) und über säkulares und orthodoxes Judentum bis hin zur Frage nach der Existenz von Gott im Zeichen von Auschwitz.
Veranstaltungen
Wenn Sie Interesse an einer Schulkinoveranstaltung haben, setzen Sie sich bitte mit
einem Kino in Ihrer Umgebung in Verbindung. Dort wird man Sie gern beraten. Gern sind
wir Ihnen auch bei der Kontaktaufnahme behilflich.
Autor*in: Holger Twele
,
07.08.2009
,
letzte Aktualisierung:
05.10.2016
Regie
Ofra Tevet, Ronit Kertsner
Buch
Ofra Tevet
Darsteller*innen
Mitwirkende: Menachem Mayer und Frederick Raymes mit ihren Familien, Dietmar und Karola Hopp u. a.
Länge
91 Min
Sprachfassung
englisch-deutsch-französisch-hebräische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Format
35mm
FSK
ohne Altersbeschränkung
Verleih
Filmlichter
Festivals
Internationale Hofer Filmtage 2008 (deutsche Premiere), Cinema for Peace Gala 2009: Most Inspirational Movie of the Year